Kempen : Das "Paradies von Honnendorp"

Anita Ficht ist Kräuterexpertin. Sie ist über ihren Gartenzaun hinaus bekannt, gibt Kräuterseminare, preist den Garten als Apotheke des kleinen Mannes - ein Besuch in ihrem "Paradis".

Kempen. Das Paradies? Wie würden Sie es beschreiben? Als Himmel auf Erden? Als Garten Gottes? Ein Paradies „ist ein Ort, der durch seine Gegebenheit, seine Schönheit, gute Lebensbedingungen alle Voraussetzungen für ein schönes und glückliches Dasein erfüllt“. Das sagt der Duden. Und Anita Ficht sagt, wo eines ist. In Honnendorp in Voesch.

Dort hat sie vor elf Jahren damit begonnen, einen 3500 Quadratmeter großen Acker ihrer Eltern zu einer blühenden Landschaft zu machen. Dessen Zauber kann man sich kaum entziehen, wenn man die Duftreise hinter dem Gartentor beginnt. Ficht setzt schwärmerisch nach: „Ich liebe diesen Garten sehr!“ Man nimmt ihr diese Begeisterung fürs selbst Geschaffene ab.

Anita Ficht ist Kräuterexpertin. Sie ist über ihren Gartenzaun hinaus bekannt, gibt Kräuterseminare, preist den Garten als Apotheke des kleinen Mannes. Spitzwegerich, sagt sie, „ist ein natürliches Antibiotikum“, Rotklee sehr hormonhaltig. Thymian hält Parasiten ab. Sie könnte endlos so weiter erklären.

„Mensch - Tier - Pflanzen“ - das gehöre zusammen, sagt sie. „Wir können so viel von der Natur lernen.“ Und von der Beobachtung der Tiere. Dafür lässt sich die 62-Jährige tagtäglich Zeit. Nach getaner Gartenarbeit, die sie acht, zehn, zuweilen zwölf Stunden in ihrem Gelände herumstreifen lässt. Immer ist auch Zeit für Meditation, für das Genießen der Farben, Gerüche und Geräusche.

Zahlreiche Sitzplätze hat sie geschaffen, um sich mit ihrem Mann niederzulassen. Von einem aus hat sie direkte Sicht auf ein umzäuntes Terrain. Dort sind Mohnblumen und Margeriten hochgewachsen. Eine Delikatessen-Theke für drei Ziegen, die bald alles wieder bis zur Grasnarbe runterfressen werden.

Sterile Gärten seien tote Gärten, sagt Ficht. Sie gibt Pflanzen Platz, sät nach, erfreut sich an Vielfalt und wilden Ecken. Wenn sie sich zu einem Urlaub entschließt, dann ist das Allgäu bevorzugtes Ziel; dort, wo auf den Wiesen Kräuter und Blumen wild wachsen.

Die Schönheit ihres Gartens konserviert sie. Ficht sammelt und trocknet Blüten, stellt Essigessenzen her oder schichtet Blüten mit Honig im Glas. So schmeckt der Tee im Winter nach Sommer.

Die Wertschätzung der Natur gegenüber vermittelt Ficht immerfort. Dass die Leute über sie reden, sie gerade in den Anfangsjahren nicht ernst genommen haben, ist ihr bewusst. Sie freut sich umso mehr über interessierte Seminarteilnehmer und für Menschen, die sich durch heilende Hinweise besser fühlten.

Ihre positive Energie zieht Anita Ficht aus ihrem Garten. Darin ereignen sich Dinge, die man kaum glauben kann. Ficht hat in Hochbeeten Gemüse angepflanzt. Kohlköpfe neben Salaten und Kohlrabi, dazwischen Kräuter. Alles gedeiht makellos. Nur ein einziger Kohl ist angefressen. Den habe sie den Schnecken zugewiesen, die anderen aber sollten von ihnen unberührt bleiben. Eine Anweisung an die Tierwelt? Nicht zu glauben. Oder doch?

Wer mit Anita Ficht durch den Garten wandert, schärft die Sinne. Für Pflanzen, für Vogelgezwitscher, für Blatt- und Blütenformen, für Düfte. Alles hat seinen Platz, seine Bestimmung und steht im Wechselspiel zueinander. Wie viel Arbeit dahinter steckt, kann man nur ahnen. Auch das trägt dazu bei, dass man es paradiesisch schön auf diesem Fleckchen Erde findet.