Das nächste Kita-Jahr ist gesichert

Für den nächsten Sommer kann die Stadt nach Angaben von Dezernent Klee ausreichend Plätze schaffen. Langfristig muss aber der große Wurf her.

Kempen. In den Büros des Jugendamtes ist die Spannung groß. Grund dafür ist das nahende Ende der Anmeldefrist für Plätze in Kindertagesstätten und Tagespflegeeinrichtungen am 31. Januar. Wie berichtet, fehlen in Kempen, St. Hubert und Tönisberg schon zum Sommer etliche Plätze. Von bis zu 180 war jüngst in den Ausschussvorlagen und politischen Beratungen die Rede. Genaue Zahlen kann die Verwaltung in der Tat erst mit dem 31. Januar erheben. Nichtsdestotrotz hat die Stadt Kempen die dringendsten Probleme für den kommenden Sommer gelöst. „Die Betreuung für das Jahr 2018/19 ist gewährleistet“, sagt der zuständige Dezernent Michael Klee auf Anfrage der WZ.

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Nachgehakt

Kurzfristig habe die Verwaltung Lösungen gefunden, um allen Eltern, die im Sommer einen Betreuungsplatz brauchen, auch einen zusichern zu können. Mit Blick auf die aktuellen Anmeldungen spricht Klee von „60 bis 70, im Zweifel auch 80 Plätzen“, die geschaffen werden müssten. „Und das wird uns gelingen“, so der Dezernent.

Nach Angaben von Michael Klee ist insbesondere die Nachfrage nach Plätzen für Kinder unter drei Jahren (U 3) groß. Daher sei das Jugendamt inzwischen in eine andere Richtung geschwenkt. In allen Stadtteilen sollen vermehrt Tagesmütter oder -väter eingesetzt bzw. sogenannte Großtagespflegen für den U 3-Bereich eingerichtet werden. Zum Beispiel in der früheren Johannes-Hubertus-Schule in St. Hubert. „Stand jetzt wollen wir dort zwei Großtagespflegen im Erdgeschoss einrichten“, sagt Klee. Von der bereits von der Politik beschlossenen Übergangs-Kita in der früheren Förderschule hat die Verwaltung vorerst Abstand genommen. „Mit Blick auf den Sommer wäre die Umsetzung zu aufwendig gewesen“, so Klee. Für die Zukunft will er diese Lösung aber nicht ausschließen. Für das Kita-Jahr 2018/19 sei St. Hubert mit den Großtagespflege-Plätzen ausreichend ausgestattet.

Auch in Kempen soll eine Großtagespflege, in der laut Gesetzgeber zwei Tagesmütter bis zu neun Kinder betreuen dürfen, Abhilfe schaffen. Die Stadt habe Räume im Pfarrzentrum St. Josef, Eibenweg, angemietet. Nach Angaben von Klee ist dieses Tagespflege-Projekt in Kamperlings bereits angelaufen. Wenige Meter weiter beginnt in Kürze der Umbau der Kindertagesstätte Spatzennest. Das Projekt, das eigentlich schon im vergangenen September beginnen sollte, startet nun Ende März, wie den Eltern jüngst bei einer Versammlung mitgeteilt wurde. Die rund 40 Jahre alte Kita bekommt eine zusätzliche Gruppe. Zum Start des neuen Kindergartenjahres sollen die Bauarbeiten beendet sein.

Zwei neue Kita-Gruppen sollen auch in Tönisberg entstehen, wie Dezernent Klee erläutert. Zum einen bekommt der katholische Kindergarten eine zusätzliche Gruppe. Zum anderen die städtische Kita Schlösschen. In beiden Fällen sei dies auf den Grundstücken zügig umzusetzen. Bei der Kita Schlösschen sollen Räume der benachbarten Grundschule genutzt werden. Eine Tagespflegestelle für U 3-Kinder soll es auch in Tönisberg geben. Die Stadt will dafür eine bereits angemietete Wohnung in der Siedlung, Am Wartsberg, nutzen.

Neben den baulichen Veränderungen steht Kempen wie viele andere Kommunen auch vor einem personellen Problem im Bereich der Erzieher. Nach Angaben von Klee werden im Sommer aber ausreichend Stellen im Kita-Bereich geschaffen und besetzt sein. Auch zusätzliche Tagesmütter- oder väter, die die Stadt in der vergangenen Woche noch per Pressemitteilung gesucht hatte, sollen dann vorhanden sein.

So weit zum kommenden Kita-Jahr. Langfristig muss die Stadt aber deutlich größere Projekte stemmen, um ausreichend Plätze vorhalten zu können. „Mit den kurzfristigen Lösungen verschaffen wir uns Zeit, um langfristige Projekte in den Blick zu nehmen“, beschreibt es der Dezernent im Gespräch mit der WZ. Klee geht in den nächsten Jahren von einem steigenden Betreuungsbedarf im Kita-Alter, aber auch im Schulbereich aus. Zwei Stichworte: Das Land will eine Garantie für Plätze im Offenen Ganztag (OGS) und die Gymnasien werden wieder auf G 9 umstellen, was zu einer Reduzierung der Wochenstunden führen wird.

Zurück in den Kita-Bereich: „Wir schauen uns jetzt schon genau an, welche Einrichtungen erweitert werden können“, sagt Klee. Einige dieser Projekte seien schon für diesen Sommer im Gespräch, aber in der Kürze der Zeit nicht umzusetzen gewesen. Möglichkeiten sieht der Beigeordnete insbesondere in der Kita Regenbogen, Straelener Straße, und im St. Huberter Kindergarten Bärenstark, Bellstraße. In beiden Fällen habe die Stadt entsprechende Grundstücksflächen in ihrem Besitz.

Um den schon erwähnten ansteigenden Betreuungsbedarf zu decken, komme die Stadt Kempen aber nicht um einen Neubau herum. Platz dafür sieht Klee im geplanten Baugebiet im Kempener Westen. Im Rahmen dieses Projektes sollen bis 2035 hunderte Baugrundstücke zwischen Straelener und Mülhauser Straße — angrenzend an Friedhof, Sportplatz und Schwimmbad — geschaffen werden. „Da ist es schon fast natürlich, in diesem Bereich auch eine Kita einzuplanen“, sagt Klee.

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