Das Leben im Mittelalter steht beim Sommerferienprogramm in Grefrath im Mittelpunkt

Sommerferienprogramm in Grefrath : Kinder tauchen ins Mittelalter ein

Das Freilichtmuseum zeigt bei seinem Ferienprogramm, wie früher gekocht wurde.

„Guck mal, da sitzt jemand am Spinnrad“, der Ausruf von Johann, der zusammen mit Kevin Gröwig als Erster um die Ecke am Hof Rasseln im Niederrheinischen Freilichtmuseum gebogen ist, lässt die anderen Kinder schneller werden. Insgesamt 17 Mädchen und Jungen blicken staunend zu Brigitte Caspers hinüber, die in einer mittelalterlichen Tracht zwischen Wohnhaus und Scheune sitzt, das Spinnrad zu ihren Füßen. „Brigitte spinnt Wolle. Wir dagegen machen heute ein Lagerfeuer und kochen einen Haferbrei“, erklärt Gröwig.

Damit hat der stellvertretende Museumsleiter sofort die Aufmerksamkeit der jungen Teilnehmer vom Sommerferienprogramm auf sich gezogen. In einer Gartenecke der Hofanlage sind bereits eine Feuerschale und das Gerüst eines Schwenkgrills aufgebaut. Doch zunächst einmal geht es mit einer Geschichte in die Zeitepoche, um die sich bei der Ferienaktion alles dreht – nämlich das Mittelalter.

Alle Teilnehmer setzen sich auf die aufgebauten Bänke und lauschen hochkonzentriert der Geschichte der achtjährigen Ursula, die mit ihren drei Geschwistern und den Eltern im Mittelalter lebt. Dass daheim benötigtes Wasser aus einem Brunnen am Dorfplatz geholt werden muss und es auf dem Dorfplatz einen Backofen gibt, den alle nutzen, wenn sie ihr Brot backen wollen, das fasziniert die Zuhörer im Alter zwischen sechs und zehn Jahren. In der Geschichte soll Ursula helfen, einen Haferbrei über dem Feuer zu kochen, aber sie zerbricht den Topf, und alles landet in den Flammen, die Familie hat damit nichts zu essen. „Was habt Ihr aus der Geschichte alles herausgehört?“, möchte Gröwig wissen. Die Antworten prasseln auf ihn ein. Dass Menschen, die im Mittelalter als Bauern vor den Burgen ihrer Herren lebten, ein einfaches und karges Leben führten – das ist allen klar geworden.

Dann aber geht es ans Kochen, und das beginnt damit, ein Feuer zu entfachen. Gröwig holt einen Feuerstein samt Schlageisen aus einem Beutel und demonstriert, wie einst Feuer gemacht wurde. Mit kurzen kräftigen Schlagen führt er das Schlageisen am Stein entlang. Funken fliegen auf. „Um ein Feuer zu machen, musste man auch einen Zunder haben, der von den Funken entzündet wurde“, erklärt er. Wie es ist, wenn mit Schlagring und Feuerstein hantiert wird, das darf jeder einmal selber ausprobieren. Die einzige Voraussetzung: Die Schutzbrille muss aufgezogen werden. Kaum hat Nora die Brille auf der Nase, geht es los. Sekunden später glitzern Funken in der Luft. Nike hat die Schlagtechnik noch nicht so im Griff, aber Greta hat den Dreh schon raus.

Das Holz in der Feuerschale setzt Gröwig allerdings mit Grillanzünder in Brand. Flammen tanzen, und der stellvertretende Museumsleiter hängt den großen Kessel über die knisternden Holzscheite. Aus dem Tonkrug gibt Gröwig Wasser in den Topf und lässt die Haferflocken folgen. Mit dem Holzlöffel geht es ans Rühren. Denn wenn man das nicht macht, brennt der Mix an. Schluck für Schluck kommt Milch dazu. Kinderaugen verfolgen jede einzelne Handhabung aufmerksam. „Das riecht wie Milchreis“, meint Luana. Damit die Zeit nicht zu lang wird, in der die Haferflocken quellen, geht es zwischendurch noch ans Hühnerfüttern. Helfer Simon übernimmt das Rühren, und Gröwig verteilt Hühnerfutter in ausgestreckte Kinderhände. Mit Helferin Lena geht es zu den Hühnern, die auf den umliegenden Rasenflächen unterwegs sind.

Derweil packt Gröwig die Keramikschüsseln und Löffel aus. Dann folgt der große Moment. Der Topf wird vom Feuer genommen, und der stellvertretende Museumsleiter verteilt den Haferbrei in die Schüsseln. „Wer möchte, kann mit Honig nachsüßen“, sagt er. Doch nahezu alle wollen erst einmal so probieren. Löffel schieben sich in die relativ feste Masse. „Das schmeckt wie Müsli“, kommentiert Greta, indes Teilnehmer Simon lieber nicht probieren möchte. „Ich esse lieber mein Essen von zu Hause“, bemerkt er mit einem etwas skeptischen Blick in Richtung Topfinhalt. Nike hingegen ist begeistert und holt sich eine zweite Portion, wobei sie diesmal mit Honig süßt. Lisa schmeckt der Haferbrei hingegen nicht so gut. Es fehle irgendwie der Geschmack, sagt sie.

Die Meinungen gehen auseinander, aber alle sind sich einig, dass es spannend war, das Essen über dem offenen Feuer zu kochen. Das Leben im Mittelalter bietet aber noch viel mehr. Wie es ist, wenn der Bauer in Sachen Abgaben auf die Burg musste, und was es alles auf einem Mittelaltermarkt zu kaufen gibt, erfahren die Kinder ebenso. Und sogar ein Ritterturnier fehlt nicht. Allerdings geht es hier nur darum, den Rasierschaum von der Spitze des modellierten Luftballonschwertes am Gegner abzustreifen.

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