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Coronavirus: Kommentar zur Kommunikation des Krisenstabs im Kreis Viersen

Meinung : Transparenz geht anders

Ein Kommentar zur Kommunikation des Corona-Krisenstabs des Kreises Viersen.

In diesen hektischen Tagen ist es an der Zeit für einen Blick ins Innenleben einer Lokalredaktion. In Sachen Coronavirus samt Veranstaltungsabsagen und geschlossenen Schulen und Kitas überschlagen sich die Ereignisse stündlich, ja minütlich. Für die WZ-Redaktion am Niederrhein steht an oberster Stelle, die Leser online und gedruckt mit hundertprozentigen Fakten rund um das Coronavirus zu versorgen. Es geht uns auch darum, der durchaus verständlichen Aufregung unter den Bürgern eine sachliche Berichterstattung entgegenzusetzen.

Damit wir als Journalisten diese Ziele erreichen, bedarf es einer guten Medienarbeit der Behörden. Und mit Blick auf den Krisenstab des Kreises Viersen ist diese derzeit nicht gegeben. Zu langsame Abläufe in der Kommunikation mit der Redaktion sprechen derzeit nicht für Transparenz. Ebenso die offensichtliche Unkenntnis des Krisenstabs über die kurzzeitige Schließung einer Arztpraxis in Kempen.

Unterschiedliche Meinungen gibt es derzeit bei der WZ-Redaktion und dem Kreis Viersen mit Blick auf persönliche Angaben der Erkrankten. Aus unserer Sicht gehört beispielsweise die Angabe eines Alters zu den öffentlichkeitsrelevanten Informationen. Wenn sich Menschen bei Verkehrsunfällen verletzen, teilt die Polizei auch das jeweilige Alter der Betroffenen mit. Die Ärzte im Krisenstab des Kreises Viersen sehen das anders und erwähnen in diesem Zusammenhang die ärztliche Schweigepflicht und den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Patienten.

Unterm Strich bedarf es dringend einer besseren Koordination der Kommunikation des Krisenstabs. Im Zeitalter der sozialen Medien, in denen jede Falschmeldung hochgeblasen wird, fällt uns als Tageszeitung mehr denn je die Aufgabe der seriösen Einordnung von Informationen zu. Dazu müssen wir aber auch ausreichend informiert werden.

tobias.klingen@wz.de