CDU steht vor Führungswechsel

Vorsitzende Rita Ulschmid will nicht mehr kandidieren. Mit Philipp Kraft gibt es einen durchaus überraschenden Vorschlag zur Nachfolge. Gewählt wird im September.

Kempen. Bei der Mitgliederversammlung der Kempener CDU im September muss ein neuer Vorstand gewählt werden. Die amtierende Vorsitzende Rita Ulschmid wird nicht erneut kandidieren. Das teilte die CDU nun der Presse mit. „Bereits im Zuge der letzten Vorstandswahlen habe ich den geschäftsführenden Vorstand darüber in Kenntnis gesetzt, dass dies meine letzte Amtszeit als Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Kempen sein wird“, wird Rita Ulschmid in der Mitteilung zitiert. Die Tönisbergerin war 2014 zur Nachfolgerin von Eva Theuerkauf gewählt worden.

Foto: Kurt Lübke/CDU

Der Grund für die frühzeitige Bekanntgabe dieser Personalie ist nach Angaben von Ulschmid, dass man schon einen potenziellen Nachfolger gefunden habe. Der Kempener Philipp Kraft will sich im September zur Wahl stellen. „Ich möchte die Aufgabe in jüngere Hände legen“, so die 56-jährige Ulschmid auf Anfrage der WZ. „Und mit Philipp Kraft gibt es nun einen jungen und fachlich hoch kompetenten Kandidaten. Insofern ist meine Entscheidung folgerichtig“, sagt die Parteichefin, die betont, dass die Zusammenarbeit innerhalb des Vorstandes stets sehr gut gelaufen sei und weiterhin hervorragend funktioniere. „Wir sind ein gutes Team.“

Und diese Mannschaft soll nun bald Philipp Kraft führen, der im politischen Kempen in den vergangenen Jahren keine große Rolle gespielt hat. Insofern darf man diese Kandidatenkür durchaus als überraschend bezeichnen.

Sehr wohl verfügt der 43-Jährige aber über eine große politische Erfahrung. 2014 wurde er in den Viersener Kreistag gewählt. Ein gutes Jahr später legte er das Mandat aus beruflichen Gründen nieder. Heike Höltken rückte dafür nach.

Erfahrung in der Ratsarbeit hat Kraft in Kempens Nachbarstadt Neukirchen-Vluyn gesammelt. Dort hat der gebürtige Kempener zwischenzeitlich gelebt. Für die CDU hat er von 2004 bis 2009 im Neukirchen-Vluyner Stadtrat gesessen. Dann zog der Personalmanager mit seiner Familie zurück nach Kempen — in einen Neubau, An der Kreuzkapelle. Im Parteivorstand der Kempener CDU ist Kraft seit 2012 Beisitzer.

„Der Vorstand ist mit der Frage an mich herangetreten, ob ich mir den Job des Vorsitzenden vorstellen könnte“, so Kraft am Donnerstag gegenüber der WZ. Nach reiflicher Überlegung und Rücksprache mit seiner Familie sei er nun bereit. „Ich freue mich und hoffe auf das Vertrauen der Mitglieder.“ Ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung pro Kandidatur sei seine berufliche Situation gewesen. Nach einigen Jahren in Bayern (Starnberger Kreis) sei er nun wieder am Stammsitz seines Arbeitgebers in Neuss tätig.

Ein Blick ins WZ-Archiv zeigt zudem, dass Philipp Kraft einst eine Karriere im Deutschen Bundestag angestrebt hat. 2005 trat der damals 31-Jährige bei der internen Kandidatenaufstellung der Christdemokraten im Wahlkreis 115 (Krefeld-Nord/Moers/Neukirchen-Vluyn) gegen das CDU-Urgestein Karin Meincke an. Kraft, damals Offizier der Streitkräfte und studierter Politologe, verlor das Rennen durchaus knapp mit 41 zu 58 Stimmen.

Erfahrungen im Bundestag hat Philipp Kraft trotzdem schon gesammelt. Als Offizier der Streitkräfte war er Anfang der 2000er Jahre als Referent des Verteidigungssausschusses für die CDU/CSU-Fraktion tätig.

Klingt ganz danach, als sei Kraft in der Kempener CDU noch zu höherem berufen als „nur“ die Partei zu führen. Zur bzw. nach der Kommunalwahl müssen möglicherweise einige Führungspositionen neu besetzt werden. „Zunächst mal bin ich ja noch gar nicht Vorsitzender“, sagt Kraft. „Es handelt sich um einen Personalvorschlag. Ich hoffe, dass ich so viele Mitglieder wie möglich von mir überzeugen kann.“ Über alles weitere habe sich der zweifache Vater noch keine konkreten Gedanken gemacht. Aber: „Ich bin schon jemand, der einen Führungsanspruch für sich reklamiert.“

Die noch amtierende CDU-Vorsitzende ist jedenfalls sehr überzeugt vom Personalvorschlag des „gesamten Vorstandes des CDU-Stadtverbandes“. „Wir rechnen mit einer breiten Unterstützung durch unsere Basis“, ergänzt Rita Ulschmid. „Philipp Kraft ist eine Führungskraft, die auch mehrjährige Erfahrungen in ehrenamtlichen Funktionen als kommunalpolitischer Mandatsträger und in der Vorstandsarbeit mitbringt.“

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