Bunte Reise durch die 60er Jahre

Am Thomaeum gab es das Stück „Spirit of the Sixties“.

Kempen. Mit lautem Geschrei stürmen mehr als 20 Jugendliche auf die Bühne des Gymnasiums Thomaeum und tanzen einen wilden Twist. Teilweise auf den Tischen. Diese heute schon fast vergessene Tanzweise ist der Auftakt zum neuesten Stück der Theater AG: „Spirit of the Sixties“.

Was als verrückte Musik-Show beginnt, entpuppt sich schnell als kluge Mischung aus Komödie und Tragödie. Gezeigt wird ein abwechslungsreicher Querschnitt aus Politik und Kultur des geteilten Deutschlands der 1960er Jahre. Hippies, sogenannte Republikflüchtlinge, Plattenverkäufer, Stasi-Offiziere oder „68er“ sind nur einige der Figuren. Sie bestimmen das Geschehen dreier Handlungsstränge.

Ulrike (Hannah Lehmann) bleibt in Ost-Berlin zurück, während ihre Familie über die innerdeutsche Grenze in die Bundesrepublik flüchtet. Mehrmals wird sie von einem Stasi-Offizier (Rafael Regh) verhört. Da dieser nicht die gewünschten Informationen erhält, setzt er eine alte Freundin von Ulrike auf sie an. Sie soll die Verdächtige als informelle Mitarbeiterin aushorchen.

Währenddessen trifft Ulrikes Schwester in West-Berlin auf Hippies. In deren Wohngemeinschaft ist auch Theresia (mit herausragendem Gesangs-Solo: Elena Altmann) eingezogen. Sie hatte ihren Vater (Tobias Parnitzke) mit dessen Vergangenheit als Mitglied der NSDAP konfrontiert, woraufhin ein Streit ausgebrochen war.

Doch die Kommune, in der Drogen, Sex und der Traum nach Revolution regieren, steht kurz vor dem Zerfall: Während Claus (Max Suchsland) ein radikaler RAF-Terrorist wird, setzt sich Junkie Manfred (Andreas Dohmen) den verhängnisvollen „Goldenen Schuss“.

Auf der einen Seite brüllend komische Szenen einer Hippie-WG, auf der anderen Seite dramatische Familienprobleme der Nachkriegszeit. Unter der Regie von Brigitte Nienhaus schrieben die Schüler ein Stück, das zu den besten seiner Art am Thomaeum zählt. Auch wenn die Aufführung etwas zu lang geraten ist. Dieser Geschichtsunterricht als Mischung aus Politik und Musik eines Jahrzehnts macht Lust auf die nächste Theatersaison nach den Sommerferien. leh

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