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Bürgermeisterwahlen: So spannend war’s noch nie

Wahlen in Kempen, Grefrath, Willich und Tönisvorst : Bürgermeisterwahlen: So spannend war’s noch nie

In 92 Tagen wird gewählt. Nach der Corona-Pause füllen sich die Reihen der Anwärter auf die Bürgermeister-Sessel. Ein Überblick für Kempen, Grefrath, Willich und Tönisvorst.

In der Redaktion haben wir uns Anfang des Jahres darauf eingestellt, dass die Kommunalwahl am 13. September über viele Monate das alles beherrschende Thema sein wird. Und dann kam Corona. Das Virus und die damit verbundenen Einschränkungen haben den politisch Aktiven arg zugesetzt. Wahlkampf, Parteitage, Kandidatenaufstellungen – all das wurde gestoppt. Nun wurden in den vergangenen Tagen und Wochen bereits einige Formalien nachgeholt. Zuletzt in Willich, wo die CDU endlich ihren Bürgermeisterkandidaten nominieren konnte. Wer will denn jetzt eigentlich Bürgermeister werden? Welche Parteien und Wählergemeinschaften treten an? 92 Tage vor dem Wahltag gibt die WZ einen Überblick zum Stand der Dinge in Kempen, Grefrath, Willich und Tönisvorst.

In Kempen wird es so
spannend wie niemals zuvor

Beginnen wir mit dem spannendsten Bürgermeisterrennen im Kreis Viersen. Das wird in Kempen stattfinden. Um die Nachfolge von Bürgermeister Volker Rübo (CDU) bewerben sich bislang vier Kandidaten. Von diesen ziehen Philipp Kraft (CDU) und Christoph Dellmans (parteilos) als Favoriten ins Rennen. Es wird dieses Duell sein, dass das politische Kempen bis zum 13. September – und womöglich bis zu einer Stichwahl am 27. September – bewegen wird. CDU-Chef Kraft ist es in den vergangenen Monaten gelungen, die Partei nahezu vollständig hinter sich zu vereinen. Das Bekanntwerden des Personalmanagers in der Bürgerschaft wurde durch Corona ausgebremst. Nun muss Kraft auf die Straße.

Dort kennt man Stadtsprecher Dellmans bereits bestens. Er wird von Grünen und SPD unterstützt und aufgestellt. Hinzukommen könnte noch Die Linke, die am 21. Juni darüber befinden will, ob ein eigener Kandidat aufgestellt wird. Der Beschluss der Linken wird nicht viel an der Tatsache ändern, dass Dellmans keine schlechten Siegchancen hat.

Neben dem favorisierten Duo werden Cedric Franzes (FDP) und Georg Alsdorf (Freie Wähler Kempen/FWK) auf dem Wahlzettel stehen. Wirklich realistische Chancen werden sie nicht haben. Dennoch fällt vor allem Cedric Franzes bereits durch einen engagierten Digitalwahlkampf auf. Georg Alsdorf hat den klaren Nachteil, dass er quasi mit Beginn der Corona-Krise aufgestellt wurde. Eine Zeit, in der Politik für die Bürger keine Rolle gespielt hat.

Der Kampf um die Sitze im
Rat wird deutlich bunter werden

Im Kampf um die Sitze im Stadtrat wird es in diesem Jahr deutlich mehr Bewerber geben als sonst. Fest steht, dass CDU, SPD, Grüne, Freie Wähler und FDP antreten werden. Neu hinzu gesellen will sich die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP). An der Spitze steht Jeyaratnam Caniceus, der während der laufenden Legislaturperiode die Grünen im Streit verlassen hatte. Mit dabei sind Mitstreiter aus Bürgerinitiativen zu Umweltschutz und für bessere Bedingungen für den Radverkehr. Die Linke wird neben der Bürgermeisterfrage am 21. Juni klären, wie eine Kandidatenliste für den Stadtrat aussieht.

Offen ist noch, was die AfD auf lokaler Ebene plant. Während sich die Rechtspopulisten in Viersen und Nettetal schon positioniert haben, gab es in Kempen und Grefrath noch nichts Konkretes. Dort gibt es einen gemeinsamen Ortsverband und die Ankündigung, dass es nun eine Aufstellungsversammlung geben soll. In Willich und Tönisvorst erscheint es eher unwahrscheinlich, dass die AfD antritt.

Bleiben wir noch kurz in Kempen: Dort gibt es eine Gruppierung der Satire-Partei „Die Partei“. Der Name dürfte auf dem Wahlzettel auftauchen; auch eine Bürgermeister-Kandidatur ist noch im Gespräch. In Krefeld sind die Satiriker bereits im Stadtrat vertreten.

Grefrath steuert auf
eine Stichwahl zu

Bei der Bürgermeisterwahl ist die Lage in Grefrath ähnlich spannend wie in Kempen. Auch hier hört der Amtsinhaber auf. Und den Posten von Manfred Lommetz (parteilos) wollen bislang drei Männer. Da wäre CDU-Kandidat Stefan Schumeckers, der im ohnehin recht mauen Grefrather Wahlkampf noch nicht besonders in Erscheinung getreten ist. Der Architekt und Feuerwehrmann kann sich aber in jedem Fall sicher sein, dass die CDU wie eine Eins hinter ihm steht. Das ist schon mal ein bedeutender Unterschied zu den Voraussetzungen von Kirsten Peters, 2015 gegen Lommetz den Kürzeren gezogen hatte.

Jens Ernesti hat Grüne,
FDP und GOVM im Rücken

Gute Chancen dürfte auch Jens Ernesti haben. Der Wirtschaftsförderer der Gemeinde ist Mitglied der Grünen, wird sich aber nicht von der Partei aufstellen lassen. Er tritt unabhängig an und hat dafür schon die nötigen Unterstützer-Unterschriften beisammen. Parteipolitische Unterstützung bekommt er von eben jenen Grünen, der FDP und der neuen Wählergemeinschaft GOVM.

Nummer drei im Bunde ist Roland Angenvoort. Der Oedter geht für die SPD ins Rennen, nachdem parteiintern intensiv darüber diskutiert worden war, Jens Ernesti zu unterstützen. Nun kommt es zur Dreierkonstellation. Mit der wahrscheinlichen Folge, dass sich zwei Kandidaten in einer Stichwahl messen werden. Ob für den 13. September weitere Kandidaten auftauchen werden, ist offen bis unwahrscheinlich.

Im Gemeinderat wollen CDU, SPD, FDP und Grüne möglichst viele Sitze ergattern. Ihnen blüht aber neue Konkurrenz durch GOVM. Eine Vereinigung um den bekannten Ehrenamtler Eckhard Klausmann, die die Stimmen der Unzufriedenen einsammeln will. Zur AfD wurde im „Kempen-Absatz“ bereits alles geschrieben.

CDU-Mann Pakusch gilt
in Willich als Favorit

In Willich bedeutet die Kommunalwahl eine deutliche Zäsur. Denn nach 21 Jahren wird die Ära von Bürgermeister Josef Heyes (CDU) enden. Seine Partei schickt einen Kandidaten ins Rennen, den Heyes verhindern wollte. Der 36-jährige Christian Pakusch wurde beim historischen Open-Air-Parteitag am vergangenen Montag gewählt. Er setzte sich klar gegen den Heyes-Favoriten Johannes Bäumges durch. Nun muss Pakusch sich mit den Gegnern außerhalb der CDU auseinandersetzen. Das sind Dietmar Winkels (SPD) und Claudia Poetsch (Die Grünen). Mehr Kandidaten werden es in Willich wohl nicht. Stand jetzt, wollen FDP und „Für Willich“ keine eigenen Kandidaten benennen.

„Für Willich“ steht vor
der ersten Kommunalwahl

Der Wahlzettel mit den Parteien wird sich in Willich verändern. Zu finden sein wird neben CDU, FDP, Grünen und SPD nun auch die Gemeinschaft „Für Willich“. Darin finden sich Mitstreiter, die aus der SPD ausgetreten sind und seither bereits eine Fraktion im Stadtrat bilden. Nun steht für „Für Willich“ die erste Kommunalwahl an.

In Tönisvorst treffen
sich zwei Männer wieder

In Tönisvorst nichts Neues. Mit diesem leicht abgewandelten Filmtitel könnte man den bevorstehenden Bürgermeisterwahlkampf beschreiben. Denn der Konkurrent von Amtsinhaber Thomas Goßen (CDU) heißt schon wieder Uwe Leuchtenberg (SPD). Zum dritten Mal werden diese beiden Namen untereinander auf dem Wahlzettel stehen. Zweimal hieß der Sieger Goßen. Etwas verändert hat sich dann aber doch. Denn Leuchtenberg kann sich nicht nur der Unterstützung der SPD sicher sein. Diesmal wird er auch von Grünen und der Gemeinschaft Unabhängiger Tönisvorster (GUT) unterstützt. Und Goßen ist der Favorit der FDP, die keinen eigenen Kandidaten stellen wird. Die Unabhängige Wählergemeinschaft Tönisvorst (UWT) hat sich noch nicht geäußert. Es läuft also weiterhin auf ein Duell heraus.

Die Tönisvorster Parteienlandschaft ist schon länger etwas bunter als in anderen Kommunen. GUT und UWT gehören schon seit mehreren Legislaturperioden dazu. Sie werden mit CDU, SPD, FDP und Grünen um Ratsmandate kämpfen.