Bürgermeister Rübo spricht mit St.Martin

Wenn St.Martin in Kempen anruft : „Bonjour, Volker, wie geht’s dir?“

Exklusiv: Der WZ liegt der Mitschnitt eines Telefonats zwischen St. Martin und Bürgermeister Volker Rübo vor.

Von der WZ-Redaktion an der Moosgasse hat man einen prima Blick ins Büro von Bürgermeister Volker Rübo im Rathaus. Mit Blick auf Entscheidungen der Verwaltung ist es für Journalisten allerdings häufig wichtiger, etwas zu hören als zu sehen. Aber die Telefongespräche des Bürgermeisters sind natürlich meist tabu. Jetzt ist der WZ allerdings die Aufzeichnung eines Gesprächs zugespielt worden, die es in sich hat. Der Kempener Promi schlechthin ließ sich ins Bürgermeisterzimmer durchstellen. Aufgeschrieben hat das Gespräch für die WZ Kerstin Reemen.

„Rri-ing, rri-ing, rri-ing…“ Im Büro von Bürgermeister Volker Rübo läutet das Telefon. Der Bürgermeister hebt ab. Seine Sekretärin Petra Kuylkens meldet sich: „Herr Rübo, ein Ferngespräch. Der Heilige Martin ist am Telefon. Kann ich durchstellen?“ Rübo: „Aber sicher, Frau Kuylkens,  ich freue mich.“

St. Martin: Bonjour, Volker, wie geht es dir?

Rübo: Guten Morgen, Martin. Gut. Danke der Nachfrage. Bis auf die Debatte ums Schwimmbad und ein paar andere ärgerliche Themen ist es ein goldener Herbst in Kempen. Wir freuen uns auf dich. Seit Ende letzter Woche sind die Laternen der Kinder im Rathaus-Foyer ausgestellt. Du wirst wieder staunen.

St. Martin: Oh, ja, das werde ich. Wie jedes Jahr. Das kann sich keiner vorstellen, wie sehr mich das berührt, wenn ich mich als Jüppi Trienekens verkleidet auf eure schöne Schimmelstute Primel an die Spitze des Zuges setze und dann den Blick hinter mich werfe – dieses Lichtermeer, diese Farben und die glückliche Erwartung in den Gesichtern der Jungen und Mädchen. Das ist jedes Jahr aufs Neue ein Gänsehautmoment. Gut, dass ich dann noch den ganzen Mantel trage. (Martin kichert leise in sich hinein.) Ist Christoph wieder mit dabei?

Rübo: Aber sicher, Martin. Herr Dellmans  lässt sich das nicht entgehen. Der arme Mann. So kann er an dem Abend auch einmal verschnaufen. Unsere unfassbar gut besuchten Stadtfeste und Märkte in diesem Jahr, unlängst die große Katastrophen-Übung mit Feuerwehr, Polizei, Notärzten und und und auf den Bahngleisen und dann die zunehmenden Presseanfragen – das alles schlaucht ihn ganz schön. (Volker Rübo blättert in seinem Tischkalender, wechselt von Oktober auf November.) 10. November. Ist nicht mehr lang bis zum hohen Kempener Feiertag. (Rübo lächelt und rückt die Brille zurecht.)   Martin, hast du meine weitergeleitete Mail gelesen? Die, in der stand, dass die Tradition, die deinen Namen trägt, als immaterielles Kulturerbe des Landes NRW anerkannt wird?“

St. Martin: „Volker, natürlich! Das freut mich sehr. Da sind du und ich Herrn Caniceus und seinem Bekannten Bongartz aus Brüggen zu großem Dank verpflichtet. Schaffen wir vor dem Zug noch ein gemeinsames Foto mit ihnen? Habe gesehen, Herr Caniceus ist bei Facebook aktiv. Da kann er es dann posten. Volker, die Zeiten ändern sich, nicht wahr? Aber manches ist auch für die Ewigkeit.(Martin lächelt und rückt seinen Helm zurecht.) Ich bin gerade bei der Anprobe, Volker. Passt alles noch wie angegossen.

Rübo: Von unserer Seite aus ist auch alles parat. Martin, gute Nachricht: Aktuell gibt es auch keine Baustelle in der Altstadt. Die Gassen sind frei. Auch die Leitungen in der Schulstraße sind endlich unterm Pflaster. Da könnte man vorab ein wunderbares Foto machen, wie du auf der Schimmelstute an den Fachwerkhäusern vorbeireitest. So erkennt man wenigstens meine schönen Altstadtfassaden.

St. Martin: Dann reise ich einen Tag früher an. Können wir ja dann am 8. November  – am Tag vor dem Kleinkinderzug – machen. (Martin notiert den Termin in einem kleinen, ledergebundenen Heftchen.) Wie sind die Wetterprognosen, Volker?

Rübo, der eine besorgte Mine aufsetzt: „Das ist die entscheidende Frage, Martin. Da kann ich nur hoffen. Und mit dir beten. Du kannst dir nicht vorstellen, was wir schon seit April für ein goldenes Wetterjahr hatten. Der Buttermarkt war quasi niemals leer. Der neuen Abend-Wochenmarkt – bei bestem Wetter gigantisch aufgenommen. Die Wirte jubeln, weil die Einnahmen sprudeln. Nicht auszudenken, wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bis ins Halbfinale gekommen wäre. Aber das war ja gar nichts. (Rübo winkt ab.)  Ich schweife ab. Also, Daumen drücken für zwei Umzüge ohne Regen und böigen Herbstwind. Dann ist auch das Feuerwerk an der Burg zu deinen Ehren wieder das Jahres-Highlight für jeden Kempener und die Fans der Stadt. Und davon gibt es nicht wenige… (Rübo denkt ganz kurz an eine benachbarte  Kreisstadt, schaut dann  lächelnd aus seinem Bürofenster auf den Buttermarkt.)

St. Martin: Das hört sich ja prima an, Volker. Ich muss jetzt weiter. Grüß’ deine Familie. Und ich kann mich darauf verlassen, dass du mir einen Weckmann und meine Bloese rechtzeitig beiseite legst?  Ich teile sie auch. Bei meiner Ehre!“

Rübo: „Ehrenwort, Martin. Salut! Bis bald.“

Der Bürgermeister legt auf und ruft sofort seine Sekretärin ins Büro: „Frau Kuylkens, denken Sie bitte unbedingt mit daran:  Zweimal Prinzenrolle in Martins Tüte.“

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