Initiative „Denk mal an Kempen“ : „Abrisstempo in der Altstadt steigt“

Die Initiative „Denk mal an Kempen“ greift die Verwaltung und Teile der Politik mit Blick auf jüngste Entscheidungen an.

Die Entscheidung des Denkmalausschusses, an der Ellenstraße 15 eine dreigeschossige Neubebauung zuzulassen, stößt bei der Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ auf massive Kritik. In einer Stellungnahme auf der eigenen Homepage äußert sich die Initiative zur jüngsten Entscheidung von Politik und Verwaltung, aber auch zum generellen Umgang mit dem Denkmalwert der Kempener Altstadt. 

Nach Angaben der Initiative ist der Kompromiss an der Ellenstraße nur durch einen „manipulativen Zwischenschritt“ der Verwaltung zustande gekommen. Gemeint ist die nicht-öffentliche Runde von Verwaltung, Fraktionen und Investor, nachdem die Pläne im Mai zunächst abgelehnt worden waren. SPD, Freie Wähler Kempen (FWK) und Die Linke hatten aus Protest gegen diese „Kungelrunde“ (Die Linke) nicht teilgenommen. In dieser Runde, an der CDU, FDP und Grüne beteiligt waren, wurde aber offenbar ein Kompromiss ausgehandelt. Dieser Plan mit einem leicht veränderten Dach fand mit den Stimmen der beteiligten Fraktionen seine Zustimmung (die WZ berichtete). Das bestehende Gebäude, das kein Denkmal ist, sich aber im Denkmalbereich Altstadt befindet, darf abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Dieses Vorgehen erinnert die Initiative an das rund um die Peterstraße 20. „Damals sollte im gemeinsamen Bau- und Denkmalausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung über den Abriss des Denkmals entschieden werden“, schreibt die Bürgerinitiative. Der Einsatz der Bürger und einzelner Parteien führte letztlich dazu, dass das Thema doch öffentlich wurde. Mit dem Ergebnis, dass die Firma Ralf Schmitz ihre Pläne verändern musste: Die Fassade des Hauses Peterstraße 20 ist nun in den Neubau-Komplex eingegliedert worden. Nach der Kommunalwahl 2014 wurden zudem Denkmal- und Bauausschuss getrennt. 

Diese Trennung scheint aber aus Sicht der Denkmalinitiative nicht mehr zu gelten. Zur informellen Runde seien Vertreter von Denkmal- und Planungsausschuss geladen gewesen. Zudem noch eine Marketingfirma als „Fürsprecher des Einzelhandels“. Dies sei dann einfach Workshop genannt worden. Ferner habe die Stadt keinen Wert auf die Beteiligung der Denkmalexperten des LVR gelegt. Es sei – ohne Alternativtermin – zum Treffen während der Sommerferien eingeladen worden. „Klingt wie die unsäglichen Vorgänge rund um Peterstraße 20? Genau! Ist auch dasselbe Vorgehen mit anderem Namen“, schreiben die Denkmalfreunde.

Wie schon vor einigen Jahren bemängelt die Initiative, dass Baurecht in Kempen Vorrang vor Denkmalrecht habe. Dies habe die Stadt 1990 entschieden. „Alles, was der Bebauungsplan erlaubt, kann der Bauherr letztlich auch einklagen“, so die Initiative. Mit Blick auf die Ellenstraße 15 hatte die Verwaltung genau darauf hingewiesen: Der Investor halte sich mit seinem Plan an die sogenannte Bauleitplanung der Stadt Kempen. Aus Sicht der Initiative wird die Altstadt deshalb „immer verlieren“. Weitere Beispiele aus der Vergangenheit seien die Abrisse bzw. Veränderungen der Gebäude Peterstraße 20, Judenstraße 13 und An St. Marien 8.

Ebenso bringen die Bürger das „alte Gemäuer Spielwaren Stein“ ins Spiel, das nach einem verheerenden Brand 2011 leer gestanden hat und nun zugunsten eines Neubaus abgerissen wurde. Und dann erwähnt die Initiative das leerstehende Burg-Café und das Haus am Buttermarkt 10, die ebenfalls zugunsten von Neubauten abgerissen werden sollen. „Nochmal in aller Deutlichkeit: Das Abrisstempo steigt“, heißt es in der Stellungnahme.

Nicht unerwähnt lässt die Initiative die Debatte um die Zukunft der Burg, die die Verwaltungsspitze nicht vom Kreis Viersen übernehmen wollte – mit Blick auf zu hohe Folgekosten für die Stadtkasse. „Die Burg wäre die Verwaltung lieber heute als morgen losgeworden“, so die Stellungnahme. Denkmalschutz scheint in Kempen nur ein lästiger Klotz am Bein zu sein.“ Letztere Formulierung bezieht die Initiative auch auf die „Sanierung der Schulen, die Schaffung von Kita-Plätzen, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und die Arbeit mit Fördergeldern...“.

Das Vorgehen rund um die Altstadt findet die Denkmalinitiative „dermaßen dreist und maßlos“. Daher stellt die Initiative sich selbst infrage. Es sei offen, ob eine weitere Arbeit noch Sinn habe. Die aktuellen Zweifel müssten aber nicht in der Auflösung enden: „Die Überlegungen reichen von Aufhören über Vereinsgründung bis zur Liste, um bei der nächsten Wahl anzutreten und den Aspekten von Denkmalschutz und nachhaltiger Entwicklung unserer liebenswerten historisch gewachsenen Stadt Nachdruck zu verschaffen.“ Zur kompletten Stellungnahme: