Kempen: Briefmarken begeistern Alt und Jung

Kempen: Briefmarken begeistern Alt und Jung

Am Großtauschtag konnten sich die jungen Sammler die Tricks der Großen abschauen und die Welt der Briefmarke kennenlernen.

Kempen. Duisburg, Erkelenz, Wesel — beim Betreten des Parkplatzes der Martin-Schule stachen zahlreiche fremde Autokennzeichen ins Auge. Die Fahrer hatten eine längere Anfahrt in Kauf genommen, um den Großtauschtag des Kempener Philatelistenvereins am Sonntag hautnah mitzuerleben. Briefmarken, Umschläge, Alben und Postkarten wurden fleißig getauscht, gehandelt und gesammelt.

Wie jedes Jahr waren auch die „Jungen Briefmarkenfreunde“ mit einem Stand vertreten. Sieben Kinder im Alter zwischen acht und 18 Jahren präsentierten ihre eigenen Briefmarkensammlungen. Die Themen ihrer Arbeiten hatten die Kinder ebenfalls selbst gewählt. An den Tischen bot sich den Besuchern so ein Briefmarkenmeer mit Pferden, Leuchttürmen, Elefanten oder Rennwagen. Zudem konnten sie sich anhand der dazugehörigen Notizen über die jeweiligen Themen informieren.

Die jungen Leute informierten mit ihren Sammlungen jedoch nicht nur die Besucher, sondern lernten durch Klaus Wollersheim, Jugendgruppenleiter der „Jungen Briefmarkenfreunde Kempen“, auch die Welt des Tausches kennen. Der 77-Jährige führte seine Sprösslinge durch die Reihen der Sammler und Händler und erklärt ihnen, worauf es beim Tauschen und Kaufen wirklich ankommt. Geschenke wurden von den Kindern natürlich ohne zu zögern entgegengenommen und schnellstens im Album einsortiert.

Die neunjährige Franziska Schüren war Mitglied in der AG „Rund um die Briefmarke“, die Wollersheim seit 2012 für die Viertklässler der Astrid-Lindgren-Schule in Kempen leitet. Da sie allerdings die Schule gewechselt hat, hilft Franziska nun tatkräftig im Verein mit. Sie findet es toll, „dass Herr Wollersheim immer so viel mitbringt“ wie zum Beispiel Briefmarkenhefte. Diese konnte sie am Sonntag nun mit vielen bunten Marken füllen, die sie sich von ihrem Taschengeld gekauft hatte. Beim Briefmarkentauschen mit ihren Freundinnen konnte sie zudem gleich die neuerlernten Tauschstrategien anwenden.

Das absolute Highlight am Stand der Briefmarkenjugend war die Sammlung der berühmten und seltenen Briefmarken der Welt, die sich Wollersheim extra für diesen Tag ausgeliehen hatte. Zu den wertvollen Stücken zählten unter anderem die „erste Briefmarke Deutschlands“, die am 1. November 1849 in Bayern herausgegeben wurde, sowie die „erste Briefmarke der Welt“, namens „Black Penny“, aus dem Jahr 1840. Am Stand der Briefmarkenfreunde erklärte Wollersheim: „Während vor dem Erscheinen der ersten Marke der Empfänger das Entgelt zahlen musste, so war danach der Absender für die Bezahlung zuständig“.

Direkt neben den Sammlungen der Kinder präsentierten die „Jungen Briefmarkenfreunde“ ein Exponat mit Marken, die von Grit Fidler entworfen wurden. Mithilfe dieses Ausstellungsstückes wollte Wollersheim zeigen, dass „Briefmarken und Frauen sehr wohl zusammenpassen“. Trotzdem herrsche unter den Sammlern ein starker Frauenmangel. „Auf eine Frau kommen ungefähr 60 Männer“, schätzt Wollersheim. Aus diesem Grunde wünscht er sich einen höheren weiblichen Anteil. „Es gibt nämlich Frauen, die gerne Briefmarken sammeln, aber nicht öffentlich auftreten möchten“, so Wollersheim.