Blick hinter die Kulissen eines Hotels

WZ-Serie: Arbeiten, wo andere Freizeit verbringen : Blick hinter die Kulissen eines Hotels: „Es sollte so sein wie Zuhause“

Sauberkeit ist im Hotel Papillon wichtig. Zehn Menschen arbeiten dort, wo andere ausspannen.

Das Bett muss schön glatt bezogen sein, die Laken ohne Falten und ohne Haare. Die Spiegel werden gewienert, der Boden gründlich geputzt. Regina ist Zimmermädchen im Hotel Papillon an der Thomasstraße. Sie arbeitet dort, wo andere Urlaub machen und ihre Freizeit verbringen. „Es muss alles so ordentlich und sauber sein wie Zuhause“, sagt Regina.

Ein kleines Hotel, wo jeder alles macht

Regina ist eine von zehn Mitarbeitern, die für Stefan und Barbara Kipfelsberger arbeiten. Stefan Kipfelsberger und seine Schwester waren Art-Direktoren, bevor sie vor 14,5 Jahren in die Hotelbranche eingestiegen sind. Das Hotel selbst gehört Matthias Decker, dem Mann von Barbara Kipfelsberger. Ihr Bruder weiß, dass Sauberkeit in den Bewertungen der Gäste oberste Priorität hat.

25 Zimmer, 14 Doppel- und elf Einzelzimmer sind sauber zu halten. Ausgecheckt werden kann bis 11 Uhr. Arbeitsbeginn ist aber für diejenigen, die als Zimmermädchen unterwegs sind, um 9 Uhr. „Sonntags etwas später“, sagt Stefan Kipfelsberger. Regina ist aber nicht immer für den Putzdienst eingesetzt. „Wir sind ein kleines Hotel, da macht jeder alles“, sagt sie. So mache ihr besonders viel Spaß, auch einmal beispielsweise für das Frühstück zuständig zu sein. Die Abwechslung gefällt ihr, anders als in ihrem früheren Beruf als Einzelhandelskauffrau.

Stefan Kipfelsberger sitzt hauptsächlich an der Rezeption, die von 7 bis 21 Uhr besetzt ist. In der Woche sind es meist Geschäftsleute, die im Hotel wohnen. Viele kommen aus dem Ausland, wie Skandinavien, den USA, aus China oder Indien. Diese Gäste machen 90 Prozent der Buchungen aus. An den Wochenenden und in den Ferien sind im Hotel vor allem Menschen zu finden, die in der Umgebung zu einem Fest eingeladen sind oder Stadt und Umgebung erkunden wollen. „Viele haben ihre Räder für Touren dabei“, sagt Stefan Kipfelsberger. Manche lassen sich ihr Gepäck dann zur nächsten Station bringen und erradeln so den Niederrhein. „Wir haben neben zwölf Stellplätzen auch ein abschließbares Fahrradhaus. Darüber sind unsere Gäste froh. Denn manche der Räder kosten heute so viel wie ein Gebrauchtwagen“, weiß der Hotelier.

Für Kempen entscheiden sich viele der Gäste, weil die Stadt so schön sei, sagt Kipfelsberger. Und alles so nah beim Hotel sei. Wie der Bahnhof oder auch Restaurants. „Die meisten wollen abends nicht mehr weit gehen.“ Sollte jemand das Haus abends nicht mehr verlassen wollen, muss er nicht hungrig ins Bett steigen. „Wir bieten eine Suppe oder Flammkuchen an. Eine Restauration haben wir nicht mehr. Das hat sich wegen der vielen Lokale in der Stadt nicht gelohnt“, sagt Kipfelsberger. Dafür gibt es ein reichhaltiges Frühstücksbuffet – neben kontinental auch „very british“, also mit Rührei, Würstchen und gebackenen Tomaten.

Warum der Name Papillon?

Wenn die Gäste fertig sind mit dem Frühstück, greifen die Mitarbeiter zu und gönnen sich eine Pause. Bei gutem Wetter auch gerne im Innenhof. Dort gibt es nicht nur mehrere Sitzgelegenheiten, sondern auch die Verbindung zum gelb gestrichenen Haus Nr. 5. An der Straßenseite steht zwischen Haus Nr. 5 und dem Haupthaus Nr. 9 noch ein Wohnhaus. „Außerdem haben wir Zimmer an der Kleinbahnstraße, die wir vor allem nutzen, wenn wir Messegäste haben“, sagt Kipfelsberger. Zurück zum Innenhof. Über den gelangt man auch auf den Parkplatz hinter der Polizei und zu den hauseigenen Stellplätzen.

Warum der Name Papillon? „Als Kind habe ich das Buch gelesen und es hat mich sehr berührt“, sagt Stefan Kipfelsberger. Seine Schwester habe auch keine Einwände gehabt, denn „mit Schmetterlingen lässt sich gut dekorieren“. Und so hat Barbara Kipfelsberger nicht nur Schmetterlinge an den Wänden platziert, sondern auch jedes Zimmer anders ausgestattet und mit Namen versehen. Jedes Zimmer hat einen Holzboden, eine Minibar, einen Wasserkocher und schnelles Internet. „Vor allem wegen der Geschäftsleute, die auch auf ihren Zimmern arbeiten. Selbst wenn ein Betreiber ausfällt, haben wir einen anderen zur Sicherheit“, sagt Kipfelsberger.  Aber es gibt auch Zimmer mit Whirlpool, Wasserbett oder Dachterrasse – da lässt es sich gut ein bisschen oder auch mehr freie Zeit verbringen.

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