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Begeisternder Abend voller Kammermusik

Kultur : Mit Leidenschaft und Innigkeit

Kammermusikabend in der Paterskirche mit nicht alltäglicher Besetzung mit Horn, Geige und Klavier begeistert Publikum.

Es dauert erst etwas, bis das Gestell mit einem fest montierten Horn und der Notenständer an der richtigen Stelle stehen. Für den Hornisten Felix Klieser ist das notwendig, denn der armlose junge Musiker spielt sein Instrument mit den linken Zehen. Kliesers Partner für den nicht ausverkauften Kammermusikabend in der Paterskirche sind der Geiger Andrej Bielow und der Pianist Herbert Schuch.

Das Trio beginnt mit den Quatre Petites Pièces (Vier kleine Stücke) für Horn, Violine und Klavier op. 32 von Charles Koechlin (1867-1950). Die Musiker machen daraus bezaubernde klingende Miniaturen. Man kann hier nur bedauern, dass sich der elsässische Komponist dabei so kurz gefasst hat.

Das Publikum spendet
spontan Zwischenapplaus

Aber für die nicht alltägliche Besetzung mit Horn, Geige und Klavier steigert dies die Erwartungen. Es folgt von Johannes Brahms (1833-1897) die Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 78.

Den ersten Satz, ein Vivace ma non troppo, beginnen die zwei Akteure voller Innigkeit in ihrer Interpretation. Das „ma non troppo“ (aber nicht zu sehr) nehmen sie sehr ernst. Zwischen Leidenschaft und Innigkeit wogt ihr Spiel hin und her und es begeistert das Publikum so sehr, dass es einen spontanen Zwischenapplaus spenden muss.

Das Pendeln zwischen sehr gefühlvollem Spiel – auch in fast gehauchter Lautstärke – und kraftvollem Passagen kennzeichnet die Interpretation der beiden. Mit viel Hingabe und Herzblut agieren sie. In dieses homogene Zusammenspiel fügt sich Klieser mit seinem Hornspiel schließlich wunderbar ein.

Die ausgewählten Werke von Robert Schumann (1810-1856) Adagio & Allegro für Horn und Klavier As-Dur op. 70, Frédéric Nicolas Duvernoy (1765-1838) Trio für Horn, Violine und Klavier Nr. 1 c-moll und schließlich noch das Horntrio Es-Dur op. 40 von Johannes Brahms machen dies deutlich. Sie werden zu einem ganz besonderen Hörvergnügen.

Ein samtweicher Hornklang gibt gerade den romantischen Stücken eine besondere Note. Aber auch virtuose Horn-Passagen – keinesfalls nur für ein Spiel mit den Zehen eine Herausforderung – bietet Klieser, wenn er beispielsweise die Vortragsbezeichnungen „Rasch und feurig“ von Schumann umsetzt.

Da wird auch das Finale des Brahms’schen Horntrios „Allegro con brio“ (mit Feuer) seiner Vorgabe gerecht. Mit Leichtigkeit und Rasanz bieten die drei Musiker einen fulminanten Schluss ihres Konzerts.

Für den langen Applaus bedanken sie sich mit einer Wiederholung des Scherzos aus dem Brahms Trio.