Ausgezeichnete Integration

Der Kreis Viersen hat Preise an Menschen verliehen, die sich in besonderer Weise für Flüchtlinge einsetzen. An erster Stelle wurde das Engagement eines Friseurs aus Brüggen gewürdigt. Der dritte Preis ging nach Grefrath.

Grefrath. Dario Perrone, der seit 1994 in Brüggen sein Haarstudio hat, brachte seine jungen irakischen Freunde und Mitarbeiter gleich mit: Haider Alshami (28) und Rebas Khaled (22). Beide bildet der 52-jährige Friseurmeister zu Gesellen aus. Und da Dario Perrone den Flüchtlingen und Asylbewerbern weitere Praktikums-, Ausbildungs-, aber auch Freizeitangebote macht (so kümmert sich Ehefrau Birgit mit um die Sprachkurse), stand das Haarstudio jetzt im Grefrather Freilichtmuseum besonders im Fokus.

Foto: Perrone

Es war das vierte Mal, dass der Kreis Viersen Menschen auszeichnete, die sich in besonderer Weise für die Flüchtlinge einsetzen. Eine sechsköpfige Jury, größtenteils bestehend aus Mitgliedern des Kreistages, aber auch mit Kreisdirektor Ingo Schabrich und dem Kempener Politikwissenschaftler Klaus-Peter Hufer, hatte die diesjährigen Preisträger ermittelt, diese stellvertretend für die vielen „Kümmerer“. Einmal mehr hatte die Kreis-VHS diesen Integrationspreis organisiert.

Preisträger Eckhard Klausmann ließ alles auf sich zukommen

Diesmal ging es um die gelebte Integration bei Arbeit und Ausbildung. „Ich weiß noch gar nicht so genau, warum ich hier bin“, sagte Eckhard Klausmann, der vor Jahren mit die Initiative „Grefrath hilft“ ins Leben gerufen hatte. In den Jahren 2016 und 2017 konnte diese Initiative, in der derzeit etwa 15 Männer und Frauen aktiv mitarbeiten, acht jungen Flüchtlingen einen Ausbildungsplatz ermöglichen. Laudator für „Grefrath hilft“ war das CDU-Fraktionschef Peter Fischer. An Eckhard Klausmann ging der mit 500 Euro dotierte dritte Preis.

Klaus-Peter Hufer, Politikwissenschaftler aus Kempen

Vor etwa 70 Gästen stellte Birgitta Kubsch-von Harten, operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Krefeld/Kreis Viersen, im Versammlungsraum des Museums das Engagement von Dario Perrone heraus. Der Friseur erhielt den ersten Preis und somit 1500 Euro, die er für die weitere Arbeit mit den Flüchtlingen verwenden will.

Über 1000 Euro und den zweiten Preis freute sich nach der Laudatio von Bernd Bedronka (SPD), Dirk Zimmermann (62), Inhaber des Gastronomiebetriebes in der Lüttelforster Mühle. Auch dieser Betrieb geht mit gutem Beispiel voran, kümmert sich für seine ausländischen Mitarbeiter um Freizeitangebote, unterstützt sie bei Sprachkursen.

In seiner Begrüßung nannte Landrat Andreas Coenen die Zahl von rund 3500 Geflüchteten, die aktuell im Kreisgebiet leben. Es gehöre auch zukünftig zu einer wichtigen Aufgabe, diejenigen mit einer Bleibeperspektive in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Der Kreis Viersen sei mit seinen vielen Initiativ-Gruppen auf einem guten Weg. Coenen: „Aber das alles funktioniert nicht von alleine, es bleibt nach wie vor viel zu tun.“

„Wir brauchen zukünftig noch viel mehr solcher Veranstaltungen, da sich zum einen die Zahl der Flüchtlinge noch erhöhen dürfte, zum andern aber auch viele der jetzt noch jungen Menschen mit einem Migrationshintergrund bald das Alter für den Arbeitsmarkt erreichen werden“, wünschte sich Klaus-Peter Hufer, bei den Hilfestellungen nicht nachzulassen.

Hufer wies ferner darauf hin, dass in Deutschland derzeit etwa 10,6 Millionen Menschen ohne einen deutschen Pass leben würden; jeder Vierte davon habe einen Migrationshintergrund. Dies unterstrich ferner Bülent Arslan (Viersen), ein selbstständiger Unternehmensberater, der zu Beginn der Feierstunde sein Institut „IMAP“ vorstellte, ein „Institut für interkulturelle Management- und Politikberatung“.

Aufgelockert wurde die Verleihung durch die junge Dortmunderin Fatima Talalini, die wie ihr Vater einen deutschen Pass hat, in Deutschland geboren wurde. Sie kommt aus der „Poetry-Slam-Szene“, die, einfach ausgedrückt, mit flotten Texten junge Leute an die Literatur heranführen will.

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