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Auf den Spuren der verschwundenen Gärten

Auf den Spuren der verschwundenen Gärten

Die Katholische Frauengemeinschaft lud zu einem spannenden Stadtspaziergang. Dorthin, wo früher Gartenanlagen und Parks waren.

Kempen. „Verschwundene Gärten“ nennt Barbara Drissen-Köhler, Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft, ihre Exkursion in der Stadtmitte von Kempen. Die wollten sich trotz der Hitze am frühen Freitagabend knapp 20 Frauen nicht entgehen lassen. Die Ältesten von ihnen konnten sich noch erinnern an Gärten, die es längst nicht mehr gibt. „Gärten waren früher Frauensache. Sie dienten dazu, zur Ernährung der Familie beizutragen“, erklärte die 63-Jährige. Später sollte sich aber noch zeigen, dass Gärten auch Männersache sein konnten.

„Der Kirchplatz um St. Marien war mindestens bis zum Ersten Weltkrieg ein kleiner Park mit Bäumen und Buchsbaumhecken“, erklärte Barbara Drissen-Köhler. Und mit geschmiedeten Einfassungen, auf denen die Kinder gerne balancierten. Zweite Station war das Café Peerbooms. Am jetzigen Standort (Kuhstraße/Ecke Buttermarkt) hatte früher der Notar Müller sein Büro, das Café war ein Stückchen weiter an der Kuhstraße — und hatte einen wunderschönen Garten. Dort wurde nicht nur in den Mai getanzt — der Garten war auch ein Anziehungspunkt für Ausflugsgäste, ein Kleinod.

Der Burggarten am Franziskanerkloster ist ebenfalls verschwunden. Ihn hat es von 1840 bis etwa 1918 gegeben. „Es muss ein toller Garten gewesen sein mit sehr vielen Obstbäumen“, erfuhren die Teilnehmerinnen der Führung. Die ausschließlich männlichen Teilnehmer des Lehrerseminars hatten sich einst um den Garten gekümmert. Zuletzt seien es Privatgärten gewesen, die sich bis zur Metzgerei Fander erstreckten.

Aus Teilen des ehemaligen Burggartens sollte eine Bleiche werden. Hier schleppten Frauen die Wäsche hin, hingen sie an Wäscheleinen auf oder legten sie ins Gras, um die zu bleichen. Das erledigten Wasser und Sonnenschein. „Dabei fand sich auch Zeit, um Nachrichten auszutauschen oder zum Lästern“, verriet die 63-Jährige.

Barbara Drissen-Köhler, Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Kempen

An der Burgstraße/Ecke Engerstraße, in etwa dort, wo heute die Tchibo-Filiale ist, stand früher das Küsterhaus. Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Küster Kleintitschen verstarb, hinterließ er eine Frau mit drei Kindern. Die Witwe übernahm tapfer den anstrengenden Job, zu dem auch die Gartenarbeit gehörte. Das war kein Hobby damals, sondern eine willkommene Grundlage, um die Familie zu ernähren. Auf Frau Kleintitschen folgte mit Herrn Oel wieder ein Mann.

Barbara Drissen-Köhler las ein Gedicht vom Regen, das aus Juli 2018 stammen könnte , in Wahrheit aber im 16. Jahrhundert geschrieben wurde. Eine Dürre, wie sie jetzt gerade auch wieder gibt, sei damals für die Menschen wesentlich bedrohlicher gewesen: „Mangelnder Regen im Sommer konnte dazu führen, dass die Menschen über Winter nicht genug zu essen hatten“, sagte die Vorsitzende der Frauengemeinschaft Kempen. Schwitzen war da noch das weitaus kleinere Übel.