Arrivederci, „Mama Monte“!

An der Klosterstraße 6 geht morgen eine Gastronomie-Ära zu Ende. Außerdem geht’s um die Burg und das benachbarte Café.

Kempen. Eine Ära geht zu Ende: Morgen öffnet das „Ristorante Monte Castello“ an der Klosterstraße 6 zum letzten Mal seine Pforte. Zu einem Abschieds-Trödelmarkt, der ab 9.30 Uhr Relikte einer Restaurant-Geschichte bietet: Deko und Bilder, Lampen, antike Möbel und vieles mehr. Das rustikale Restaurant gehörte in den vergangenen Jahrzehnten zur Altstadt wie das Rathaus und die Burg. Vorbei die Zeit, da man eine Pizza „Monte Castello“ nach Hausrezept genießen durfte; Linguini Piemontese schmausen und das berühmte Rumpsteak von der Klosterstraße. War das lecker!

Foto: Lübke

Die Erfolgsgeschichte des Restaurants begann 1980. Viele Jahre zuvor — 1959 — hatten Giovanna und Angelo Siani das süditalienische Dörfchen Cava dei Tirreni bei Neapel verlassen, um sich in Deutschland in harter Arbeit eine Existenz aufzubauen. 1968 zogen sie in die Thomasstadt. Dort eröffneten sie vor 38 Jahren an der Klosterstraße ihr Restaurant. Und begrüßten im Laufe der Jahre auch berühmte Gäste. Wie Inge Meysel, die „Mutter der Nation“. Und Mike Krüger, der den Nippel durch die Lasche zog. Hans-Joachim Kulenkampff kam sogar zweimal. Der bekannte Grafiker „Moses“ Pankarz machte das Lokal an der Klosterstraße zu seinem Standquartier, wenn er in Kempen war.

Im Mai 2001 übernahm Giovannas und Angelos Tochter Anna mit ihrem Mann Gert Blum das Restaurant. Anna, ausgebildete Restaurantfachfrau, baute ab Mitte der 90er Jahre den Kempener Ausländerbeirat mit auf. Im „Monte Castello“ war sie „Sanitäterin und Seelsorger“, hatte ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Gäste. Ehemann Gert, der schon im Schweizer Grand Hotel Regina in Grindelwald gearbeitet hatte, traf mit gutbürgerlich-italienischer Küche, mit badischen Spätzle und Spargel den Geschmack seiner Kempener Gäste auf den Punkt. Mutter Giovanna packte jeden Tag noch mit an, schnitt das Gemüse, sorgte für frische Blumen, sah nach dem Rechten. „Mama Monte“ wurde und wird sie liebevoll genannt. Mit Freude an der Arbeit, vor allem aber am Umgang mit den Menschen. Auch Annas und Gerds Töchter Katharina und Gianna verdienten sich hier ein Taschengeld. Kurz: Unter dem Monte Castello-Dach wirkten vier Generationen.

Altstadt-Geflüster

Nun ist also Schluss. Wie schon im vergangenen Herbst geflüstert, wollen es Anna und Gert Blum ruhiger angehen lassen. An der Klosterstraße 6 soll es kulinarisch weitergehen. Wer neuer Pächter wird, steht — offiziell — noch nicht fest.

Ebenfalls alles offen scheint an der Thomasstraße 27 zu sein. Und das obwohl das dortige Burg-Café derzeit geschlossen ist. Laut Zettel an der Tür wird das Café von Erwin Falk renoviert. Nach diesem Hinweis hatte die WZ auch Anfang Januar darüber berichtet. Mit der Nachricht, dass es Mitte Januar weitergehen soll. Das Café ist aber weiterhin geschlossen. Und ein Blick ins Innere zeigt, dass auch nicht wirklich renoviert worden ist. Gastronomie-Insider fürchten und berichten, dass das Traditionslokal vorerst nicht mehr öffnen wird. Vom Betreiber selbst gibt es keine Informationen — telefonisch ist derzeit niemand erreichbar an der Thomasstraße 27.

Vom Burg-Café ist der Weg zur Burg nicht weit. Weder gedanklich noch „in echt“. Der Flüsterer wurde in dieser Woche auch wieder an fast jeder Ecke auf die Zukunft des Denkmals angesprochen. Nun geht es immer strammer auf den 6. Februar zu. Dann soll der Rat entscheiden, ob die Stadt ins Millionenprojekt einsteigt. Oder der Kreis Viersen das Denkmal doch besser direkt an einen Investor verkauft. Derweil laufen diverse Umfragen unter Bürgern. Da kann man glatt die Übersicht verlieren. Seit dieser Woche fragt die Denkmalinitiative im Internet nach Meinungen. Auch die CDU fragt im Netz nach — und heute von 11 bis 13 Uhr von Angesicht zu Angesicht vor der Burg. Und dann werden auch die Grünen noch in der Altstadt als Fragesteller aktiv: am Samstag, 3. Februar, von 10 bis 13 Uhr gibt es einen „Stellwandtreff“ an der Engerstraße.