Argentinische Legenden und viel Musik

Evita Perón und Ernesto „Che“ Guevara sind bis heute weltberühmt. Das Musical über sie feierte nun am Thomaeum Premiere.

Kempen. „Die Schlagzeilen dieser Welt gehören nur ihr allein!“ Das ruft der Revolutionär Che und richtet seinen kritischen Blick auf eine Litfaßsäule am Bühnenrand. „1952“ steht dort geschrieben, darunter kleben Zeitungsberichte über die Argentinierin Eva Duarte de Perón — „Evita“.

Vom Landmädchen stieg sie an der Seite von Präsident Juan Perón zur „First Lady“ auf, wurde geliebt und polarisierte. Ihr Aufstieg stand im Mittelpunkt des Musicals „Evita“, das rund 60 Schüler des Gymnasiums Thomaeum in ihrer ausverkauften Aula präsentierten. Premiere war am Freitagabend.

Die Zuschauer folgten Eva, die bei insgesamt vier Aufführungen im Wechsel von den angehenden Abiturientinnen Pauline Dregger und Finnja Giesberts gespielt wird, vom Land ins bunte Leben von Buenos Aires. Dort trifft sie auf Perón (Timo Engemann) und findet sich bald in der Rolle der mächtigsten Frau des Landes wieder.

„Jetzt weht hier ein anderer Wind“, verkündet sie mit starkem Willen im glanzvollen Kleid, steht wie ihr Mann aber im Kreuzfeuer einer zunehmend kritischen politischen Situation und sieht sich Vorwürfen konfrontiert, arrogant und hinterhältig zu handeln.

Simon Kleeberg als legendärer Revolutionär Guevara stellte ein hervorragendes Gegengewicht zur Erhabenheit der Protagonistin dar, regte mit seinen Kommentaren das Publikum zum Nachdenken über die Geschehnisse auf der Bühne an. Der Bezug zwischen Schauspiel und wahrer Begebenheit wurde durch Video-Sequenzen aus dem argentinischen Fernsehen verdeutlicht, die über eine Leinwand eingeblendet wurden.

Szenenapplaus gab es für die Gesangsauftritte der Darsteller, darunter Magaldi (Oliver Driesch), der nach einer Tango-Einlage vor seinen Fans flüchten muss, und Peróns Geliebte (Annabelle Brüx), die nach der Trennung den verWunsch zum Ausdruck bringt, ihr Herz wäre aus Stein.

Eingebettet war die Handlung in eine vielfältige und rhythmisch anspruchsvolle musikalische Untermalung, die von 16 Orchestermusikern um Gesamtleiter David Nethen gespielt wurde. Für Regie und Ausstattung war Cornelius Lehmann zuständig. Die Choreographien in mit Liebe zum Detail entworfenen Kostümen wurden von drei Schülerinnen einstudiert.

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