Arbeitsatmosphäre wegrenoviert

Die sanierte Schmiede im Freilichtmuseum Dorenburg bietet nun mehr ablesbare Informationen, hat aber an Atmosphäre verloren, bedauert WZ-Redakteurin Kerstin Reemen.

Grefrath. Vorher, ja vorher sah die Dorenburg-Schmiede im ehemaligen Pferdestall aus, als sei der Schmied nur kurz auf dem Gelände des Niederrheinischen Freilichtmuseums unterwegs, um ein Fenstergitter in der Hofanlage Rasseln auszutauschen. Gleich aber würde er wieder eine der schweren Zangen über das Feuer halten und dann ein Stück glühendes Eisen auf dem Amboss in Form klopfen. Wer diese anspruchsvolle und kraftraubende Arbeit den ganzen Tag verrichten musste, der wusste spätabends, was er getan hatte, und schloss mit rußgeschwärztem Gesicht die Stalltür ab.

Foto: Kurt Lübke

Meinung

Diese außergewöhnliche Arbeitsatmosphäre, die die reich an Werkzeug und Materialien ausgestattete Schmiede bisher mit ausgemacht hat, ist wegrenoviert worden. Ich bedaure das sehr.

Der Schriftzug des Heiligen Eligius, des Schutzpatrons der Schmiede, hängt nicht mehr am angestammten Platz rechts neben der Esse unter dem Blasebalg. Die sanierte Wand ist nun weiß, clean, schick.

Unverzichtbare Werkstücke stehen noch in dem Raum, heben sich von den renovierten vier Wänden zugegebenermaßen auch besser ab. Aber das Gefühl eines Arbeitsplatzes anno dazumal hat man der Schmiede, auch wenn sie weiter voll funktionstüchtig ist, irgendwie genommen.

Der Schmied, der einstige Alleskönner, der Metallverarbeiter, der lange im Mittelpunkt eines Dorflebens stand, ihm schreibt das Museum eine hohe Bedeutung zu.

Mehrere tausend Euro Stiftungs- und Fördergelder wurden in Grefrath investiert. Finanziert wurden unter anderem neue Informationstafeln, die auf das traditionelle Handwerk und die Geschichte des Schmiedens am Niederrhein eingehen.

Das Mehr an ablesbarer Information ist ein unbestreitbares Plus. Ebenso wie die notwendige Sanierung des Mauerwerks und der Elektrik. Trotzdem folgt ein großes, bedauerndes Aber: Die Schmiede im Backsteinhaus ist nun nicht mehr authentisch, sie ist nun ein Museumsraum mit Schmiede-Utensilien.

„So sah es früher in einer Schmiede aus“ — das wird man dort jungen Besuchern leider nicht mehr sagen können. Sie werden sich nicht mehr erst an die schlechten Lichtverhältnisse in dem Raum gewöhnen müssen, weil zuvor nicht die großen Deckenlampen den Amboss anstrahlten.

Es war einmal ein Raum, in dem man das Handwerk erspüren konnte. In dem es echt und nicht generalüberholt wirkte. Eben wie anno dazumal. Mit dem Charme eines „lost place“, den man heute kaum mehr findet.