Aqua-Sol-Umbau in Kempen: Jetzt rollen die Bagger

Kempener Schwimmbad: Aqua-Sol: Jetzt rollen die Bagger

Für das 7,5 Millionen Euro teure Umbauprojekt wurde am Mittwoch die Arbeit aufgenommen. Bis Herbst 2020 soll eine neue Schwimmhalle entstehen.

Es gab im vergangenen Jahr wohl kaum ein Projekt in Kempen über das so viel diskutiert worden ist wie über den Umbau des Schwimmbads Aqua-Sol. Dabei ist 2018 noch kein einziger Stein bewegt worden. Vielmehr standen die Pläne, das 50-Meter-Freibad-Becken zugunsten einer modernen Schwimmhalle aufzugeben, in der Diskussion. Und dann wurde der Spatenstich Anfang September verschoben, weil sich Stadt und Stadtwerke noch Fördermittel aus Berlin erhofften. Weil man darauf aber zu lange hätte warten müssen, wurde die Förder-Bewerbung wieder zurückgezogen. Und seit Mittwoch wird auf dem Gelände an der Berliner Allee 53 tatsächlich gearbeitet.

„Die Firma Hamelmann hat mit der Baustelleneinrichtung begonnen“, hieß es am Mittwoch von den Stadtwerken. Einen genauen Ablaufplan über die einzelnen Bauphasen bis Herbst 2020 hat das Unternehmen indes noch nicht. „Die nächsten baulichen Schritte werden wir bekanntgeben, sobald wir Planungssicherheit haben – also nach der Beauftragung der Firmen und Gewerke. Die Ausschreibungen für Rohbau, Badewassertechnik und Hubboden sind europaweit veröffentlicht. Die Aufträge werden voraussichtlich im  Februar 2019 erteilt“, so die Antwort des Betreibers.

Begonnen wird aber mit der Vorbereitung der Baufläche für die neue Halle auf dem Areal des nun geschlossenen 50-Meter-Beckens. Letzteres dient dabei als Baugrube für die neue Halle, in der ein 25-Meter-Becken sowie ein separates Becken für Fitness- und andere Kurse entstehen wird. Ferner werden neue Umkleidebereiche eingerichtet. Außerdem soll die künftige Schwimmhalle auch noch eine neue Rutschenanlage bekommen. Im Gegenzug werden die Stadtwerke nach Fertigstellung der neuen Anlage das alte Hallenbad mit 25-Meter-Becken, Sprunganlage und Rutsche aufgeben. Wenn alles glatt läuft, soll die alte Halle nach dem Herbst 2020 abgerissen werden. Möglichst schnell soll sich auf dem Areal der Neubau eines Hotels anschließen. Für dieses Projekt interessiert sich nach Angaben der Stadtwerke ein Investor aus Norddeutschland (die WZ berichtete). Details stehen noch nicht fest.

Zurück zur Bad-Baustelle beziehungsweise zu den Dingen, die nicht vom Umbau betroffen sind. Erhalten bleiben das Ganzjahresbecken und das Freizeitbecken mit der 13 Meter breiten Rutsche im Freibad-Bereich. Ebenso steht die Außen-Sprunganlage weiterhin zur Verfügung. Auch der Sole-Bereich und die Saunawelt sollen nicht verändert werden. Dafür wollen die Stadtwerke aber den Kinderbereich ausbauen und aufwerten. Zu diesem Zweck wird das erhöhte Sprudelbecken im Solebereich einem neuen Kinderbecken weichen. Zur neuen Ausrichtung des Aqua-Sols gehört unter anderem, dass die Zielgruppe Familie in den Fokus genommen wird.

Die Investitionskosten von rund 7,5 Millionen Euro für das Großprojekt werden sich nach Angaben der Stadtwerke amortisieren, weil langfristig die Betriebskosten sinken. Wie der beauftragte Unternehmensberater Dietmar Altenburg bei der Vorstellung der Pläne im März 2018 sagte, sei eine Bedingung der Stadt gewesen, dass die Stadtwerke künftig kein Geld mehr zum Betrieb zuschießen müssen. Pro Jahr werde sich die „Erlös- und Kostenstruktur um rund 500 000 Euro verbessern“ – ohne dass Personal entlassen werden müsse.

Im Kern hielten und halten die Geschäftsführer der Stadtwerke den Umbau für notwendig, um den Erhalt der Anlage langfristig sichern zu können. „Der Hallenbereich der Sauna und Wasserwelt Aqua-Sol ist definitiv in die Jahre gekommen, hier musste dringend etwas geschehen“, heißt es auf der Homepage des Schwimmbads. Der Hallenbereich werde nun zeitgemäß gestaltet und dabei möglichst allen Zielgruppen gerecht.

„Öffentliche Bäder sind für jede Stadt ein Zuschussbereich geworden. Die Statistiken aller deutschen Bäder weisen aus, dass die Besucherzahlen – und hier vorwiegend im Freibadbereich – in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken sind. Diese Entwicklung ist auch am Aqua-Sol nicht vorbeigegangen“, so die Stadtwerke. „Neben vielen Abwägungen, Prognosen und Untersuchungen haben wir unter anderem festgestellt, dass das 50-Meter-Becken nachweislich am wenigsten von allen vorhandenen Becken frequentiert wird. Dies ist auch der Fall, wenn bei perfektem Sommerwetter großer Besucherandrang vorherrscht. Darüber hinaus wird die 3000-Besucher-Marke pro Tag jährlich nur zirka fünf bis zehn Mal überschritten. Auch dann halten sich bei gutem Wetter die meisten Badegäste zum Abkühlen und Schwimmen eher in den anderen Becken auf“, begründen die Stadtwerke die Aufgabe des 50-Meter-Beckens.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis für die Baustellenzeit: Die Stadtwerke nehmen sich nämlich vor, dass das Aqua-Sol und die Saunawelt zu keiner Zeit geschlossen werden muss. Deshalb werde die alte Schwimmhalle aus dem Jahr 1971 erst aufgegeben, wenn der Neubau fertig ist. Die Kunden sollen über die Homepage über die einzelnen Baufortschritte informiert werden:

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