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Amazon: CDU-Mittelstand kritisiert Stadt Kempen

Kempen : CDU-Mittelstand: Kritik an positiver Haltung der Stadt gegenüber Amazon

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion sieht Probleme mit dem Verteilzentrum des Logistikriesen in Kempen. Die positive Darstellung des städtischen Wirtschaftsförderers kann die CDU-Vereinigung nicht nachvollziehen.

. (rei) Kempens Wirtschaftsförderer Stefan von Laguna und mit ihm sein Chef, Bürgermeister Volker Rübo (CDU), sehen sich unvermittelt harscher Kritik von der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) in der CDU gegenüber. MIT-Kreisvorsitzender Maik Giesen aus St. Tönis kritisiert von Laguna für dessen positive Haltung gegenüber der Amazon-Ansiedlung am Industriering Ost in Kempen.

Ganz so rosig sieht Giesen die Situation nicht. Der CDU-Politiker gehörte von Anfang an zu den Skeptikern der Ansiedlung des Logistikriesen im Kempener Gewerbegebiet. Vor allem die Frage, wie die vielen Lieferfahrzeuge, die täglich vom Standort Kempen ins Umland fahren, vom vorhandenen Straßenraum aufgenommen werden können, beschäftigt Giesen nach wie vor.

Amazon hat sein Verteilzentrum auf dem Gelände der ehemaligen Versorgungseinheit der Britischen Rheinarmee Naafi Ende März in Betrieb genommen. Von hier aus versorgte das Militär von 1989 bis 1999 seine deutschen Stützpunkte mit Lebensmitteln. Der Amazon-Start ging mit dem Beginn des Corona-Lockdowns einher.

Langfristig soll es bis zu
400 Fahrzeuge täglich geben

Der Internethändler hat seither sein Auftragsvolumen auch hierzulande deutlich gesteigert. In der Anfangsphase sind am Kempener Standort zunächst 150 Mitarbeiter beschäftigt. Amazon hat zugesichert, dass vorerst nur 200 Lieferfahrzeuge pro Tag eingesetzt werden. Das ist Bestandteil der Genehmigung für das Unternehmen. Langfristig soll es aber mehr Personal und bis zu 400 Fahrzeuge täglich geben. Vorher müssen Verkehrsprobleme gelöst werden: Da muss zum einen die Einmündung des Industrierings Ost in den Kempener Außenring und die Kreuzung des Außenrings mit der Kerkener Straße umgebaut werden.

Schon jetzt seien viele Lieferfahrzeuge, die im Auftrag von Amazon unterwegs sind, vor allem über den Außenring und die St. Töniser Straße in Richtung St. Tönis, Willich und Autobahn 44 unterwegs, sagt Giesen. Klar sei, dass sich hier der Verkehr bei Vollbetrieb deutlich erhöhen werde und es zu Problemen kommen werde, mutmaßt Giesen.

Er und MIT-Geschäftsführer Tobias Robl aus Kempen werfen der Stadt Kempen vor, mit zweierlei Maß zu messen. Amazon habe alle Genehmigungen relativ unkompliziert erhalten, während andere Unternehmen in Kempen viele Vorgaben und Auflagen erfüllen und Prüfungen über sich ergehen lassen müssten. „Schon oft haben uns Firmeninhaber ihr Leid geklagt und berichtet, dass sie mehrere Monate auf Abnahme einer neuen Lagerhalle seitens der Stadt Kempen hätten warten müssen und den Betrieb so nicht aufnehmen konnten“, sagt Giesen.

Bilanzpressekonferenz
zum Start von Amazon

Dem Kreisvorsitzenden der CDU-Wirtschaftsvereinigung ist es unverständlich, wie der neue Kempener Wirtschaftsförderer Stefan von Laguna sich bei seiner Bilanz-Pressekonferenz so positiv über den Start von Amazon hat äußern können.

Von Laguna hatte erklärt, er habe sich selbst morgens am Amazon-Standort davon überzeugt, dass die Warenverteilung mit den Lieferfahrzeugen „reibungslos“ funktioniere. Er sprach auch davon, dass er sich bei anderen Wirtschaftsförderern in den Nachbarstädten erkundigt hätte. Auch diese sähen keine Probleme, so von Laguna. Dass der Kempener Wirtschaftsförderer ein so positives Fazit zur Amazon-Ansiedlung ziehe, sei verfrüht. Darüber ist man in der Mittelstands- und Wirtschaftsunion nach Angaben des Kreisvorsitzenden Giesen verärgert. Der Wirtschaftsförderer sollte sich intensiver um den Einzelhandel in den drei Kempener Stadtteilen kümmern. „Es sollten noch mehr Anreize im innerstädtischen Bereich geschaffen werden, um den Einzelhändlern und lokalen Betrieben eine Zukunft zu bieten“, meint MIT-Geschäftsführer Tobias Robl, der als Kempener die örtlichen Verhältnisse sehr gut kennt. Diese zahlten Steuern und Abgaben vor Ort. Dies, so Maik Giesen, mache Amazon in Kempen nicht.

Die CDU-Mittelstandsvereinigung wünscht sich, dass der Wirtschaftsförderer von Laguna Existenzgründer oder andere engagierte Kempener Unternehmen öffentlich vorstellen würde, anstatt einen US-Konzern zu loben. „Amazon wird ein Fluch und kein Segen für Kempen werden“, meint der Tönisvorster Giesen.