Altweiber: Für jeden Jeck das Richtige

Altweiber: Für jeden Jeck das Richtige

Junge und „Ü-30“-Narren sind im Kolpinghaus bei der Prinzengarde zu Gast. Den Kontrast bildet ein furioses Alternativkonzert.

Kempen. Karneval oder komische Kultur, das war am Donnerstagabend in Kempen die Frage. Am Ende kamen alle auf ihre Kosten — denn bekanntlich ist jeder Jeck anders. Während die Prinzengarde im Kolpinghaus traditionell zur Altweiberfete lud, wurden 251 Musikliebhaber in der Paterskirche Zeugen einer wundervollen Darbietung.

Unter dem klangvollen Titel „Altweiber-Fastnacht-Alternativ-Konzert“ treten in der „Nachtmusik“-Reihe des Vereins Kempen Klassik zu Karneval humorige Künstler auf. So auch diesmal: Das Duo „Funtastix“ mit Wolfgang Zinke und Florian Fries brachte „Mozartkugeln und Rossinis“ mit. Die begnadeten Zwei machten dem Begriff des „Concerto Wirrtuosi“ alle Ehre.

Edith und Josef Schmitz gehörten zu den wenigen kostümierten Gästen. „Es ist doch Karneval“, meinten sie. Doch auch ohne Perücke war der Spaß groß: Aus „Bildern einer Ausstellung“ wurden „Schilder einer Baustelle“, die Interpretationen von Lili Marleen reichten vom barocken J. S. Bach (Musik) bis zum realistischen Bürger Wilhelm Busch (Gedicht).

Das Märchen „Hänsel und Gerste“ entpuppt sich als Alkohol-Hommage vom Underberg bis zur Überschreitung der Promillegrenze, das Nibelungenlied besteht aus Schüttelreimen. Am Ende des gekonnt respektlosen, wilden Ritts durch die Musikgeschichte steht die Aufforderung „Verdi, wehr Dich!“

Zur selben Zeit stampften im großen Saal des Kolpinghauses die Bässe durch Mark und Bein der jungen Jecken. Die kamen erst spät zur Fete, blieben dafür aber lange. Der Spaßfaktor war groß: Froschkönigin Lea (21) gab ein schmuckes Bild ab, während Maudine (18) reichlich Glitzer in die Narrenmenge warf. Damit traf die hübsche Rothaarige jedoch nicht den Geschmack aller.

Rappelvoll war der Ü 30-Bereich im kleinen Saal. Wer von „Jung“ zu „Alt“ wechseln wollte, musste einen Umweg durch den Keller in Kauf nehmen — eine Nische in der Trennwand hätte Sinn gemacht. Der Ehrenleutnant 2013 „Siggi“ Ferling schunkelte ebenso mit wie auch andere Kempener Prominenz. Rund 500 Gäste feierten mit der Garde und einige blieben bis 4 Uhr.

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