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Alois Kreitens Tintenfass als kleiner Teil der deutschen Geschichte

70 Jahre Grundgesetz : Kunst eines Oedters schreibt Geschichte

Alois Kreiten hat das Tintenfass geschaffen, das auf Fotos von der Unterzeichnung des Grundgesetzes zu sehen ist.

Ein Tintenfass von Engeln gehalten – fast wie ein Gefäß für Weihwasser – diente Konrad Adenauer am 23. Mai 1949 bei der Unterzeichnung des Grundgesetzes als dekoratives Beiwerk. Das Aussehen des imposanten Tintenfasses weist auf die Hauptarbeiten des Künstlers hin: den Oedter Goldschmied Alois Kreiten.  Der Künstler, der 1856 in Oedt geboren worden war, hatte 1903 in der Domstadt eine eigene Werkstatt aufgemacht. Das Tintenfass gehörte 1949 zum Kölner Ratssilber und sollte der Zeremonie zur Grundgesetz-Unterzeichnung einen festlichen Rahmen geben. Heute steht es im Haus der Geschichte in Bonn.

Ehemalige Oedterin ist der Heimat noch sehr verbunden

Über das Leben des Goldschmieds ist nicht viel bekannt. Dass dieser jetzt an der Niers bekannter geworden ist,  ist Irmgard Jeffré zu verdanken, die dazu einen Beitrag für das „Üdsche Heimatblättsche 2019“ geschrieben hat (die WZ berichtete). Jeffré wohnt seit knapp 20 Jahren in Bad Neuenahr, ist Geschichtslehrerin und die Tochter von Johannes Lipp, langjährigem Vorsitzenden des Oedter Heimatvereins. Im WZ-Gespräch berichtet sie, dass sie beim Lesen des Wikipedia-Eintrags über Oedt auf den Namen Kreiten gestoßen war. „Und der sagte mir nichts“, so Jeffré. Was sie neugierig gemacht habe. Das Ergebnis ihrer „vorläufigen“ Recherche ist der jetzt erschienene Artikel.

Alois Kreiten wurde in dritter Generation in Oedt geboren. Sein Vater Valentin war dort Schuhmacher und lebte von 1825 bis 1868. Er war mit Anna Margareta, geborenene Busch (1828-1889), verheiratet. Sein Großvater, Anton Kreiten, lebte von 1785 bis 1834 in Oedt. Dessen Vater Johann (1731-1798), so fand Irmgard Jeffré heraus, war Anrather. Die Hochzeit mit der Oedterin Maria Catharina Hax (1739-1815) schlug anscheinend die Brücke dorthin.

Goldschmied Alois Kreiten machte einer Düsseldorferin den Hof: 1885 heiratete er Cäcilie Bauer aus der heutigen Landeshauptstadt. Bekannt ist auch, dass der Oedter 1903 eine Werkstatt in Köln an der Komödienstraße 47 betrieb, ganz in der Nähe des Doms. Zudem erhielt  er 1910 den Titel „Königlich-Rumänischer Hofgoldschmied“.

Reliquiare, Monstranzen, Kelche und Leuchter waren das Spezialgebiet von Kreiten. Viele von ihnen sind heute noch in Kirchen zu finden. In seiner Heimatgemeinde jedoch nicht –  dafür aber in Mülhausen. Dort steht ein kleines St. Heinrich-Reliquiar, das 1926 der Kirche von Dr. Peter Heinrich Joeppen testamentarisch vermacht wurde, wie Jeffré in ihrem Bericht schreibt.

Alois Kreitens Sohn Paul (1890-1970) betrieb die Goldschmiede-Werkstatt weiter. Sie wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört. Heute haben die Nachfahren des Oedter Goldschmieds  in Köln einen Metallkunstbetrieb.

Doch zurück zum Anfang – dem Tintenfass. Dieses war Bestandteil des Ratssilbers Kölns und reihte sich in etliche neugotische Objekte ein. Sie dienten repräsentativen Zwecken. Gestiftet wurden sie wahrscheinlich um 1900 von reichen Kölnern. Da Konrad Adenauer von 1917 bis 1933 Oberbürgermeister von Köln war, hat er sicherlich das prunkvolle Tintenfass gekannt und sich daran erinnert, als um den Ablauf der Unterzeichnung des Grundgesetzes ging. Mit Tinte gefüllt war das Fass am 23. Mai 1949 jedoch nicht. Die zur Auswahl stehenden Füller waren bereits befüllt. Adenauer hat nur so getan, als ob er sein Schreibgerät hineintunkt.