Ärger - Wurde Elfjähriger aus Bus geworfen?

Ärger - Wurde Elfjähriger aus Bus geworfen?

Ein Schüler hatte sein Ticket vergessen und sagt, dass er das Fahrzeug verlassen musste. Das Busunternehmen geht von einem Missverständnis aus.

Kempen. Gabriele Götze ist verärgert über das Unternehmen Busverkehr Rheinland (BVR). Ihr elfjähriger Sohn Konstantin berichtete ihr, dass er aus dem Bus geworfen wurde, weil er sein Schokoticket vergessen hatte.

Er wollte mit der Linie SB87 zu einem Treffen seiner Schulklasse an der Eishalle in Grefrath fahren.

Als Konstantin nicht auftauchte, verständigte seine Lehrerin Götze. Die berufstätige Mutter war bei ihrer Arbeitsstelle in Düsseldorf und wusste eine halbe Stunde lang nicht, wo ihr Sohn steckt.

An der Haltestelle Mühlentor sei er um 14.56 Uhr mit seinem Freund Finn in den Bus gestiegen. "Ich bin direkt zum Fahrer gegangen und habe ihm gesagt, dass ich mein Ticket vergessen habe", berichtet Konstantin. Daraufhin habe ihn der Fahrer mit einer wortlosen Geste aufgefordert, das Fahrzeug wieder zu verlassen. Der Bus sei mit Finn an Bord abgefahren, Konstantin blieb an der Haltestelle zurück.

Danach sei er nach Hause gegangen, habe sein Ticket geholt und sei mit einem Bus in Richtung Grefrath gefahren. Der Vater eines Mitschülers suchte die Haltestellen ab und entdeckte ihn in der Nähe der Liebfrauenschule in Mülhausen.

Gabriele Götze hat sich beim BVR beschwert. "Es kann doch nicht sein, dass ein elfjähriges Kind vom Busfahrer nicht mitgenommen wird." Durch den Fall des seit drei Monaten verschwundenen Mirco sei sie besonders sensibel und achte darauf, dass ihr Sohn nicht alleine unterwegs sei. Sie habe sich Sorgen gemacht.

"Unsere Fahrer kennen die Regel, dass wir Kinder unter 15Jahren immer mitnehmen, auch ohne Ticket", erklärt Kundenservice-Leiter Uwe Schröder. Minderjährige seien Schutzbefohlene.

Im konkreten Fall liege offenbar ein Missverständnis vor. "Der Fahrer sagt, dass die Kommunikation mit dem Jungen nicht funktioniert hat", so Schröder. Konstantin sei nach Angaben des Mitarbeiters gar nicht eingestiegen.

Er habe den Jungen mehrfach angesprochen, der Elfjährige soll jedoch nichts gesagt haben. Da an der Haltestelle eine weitere Linie abfährt, sei dem Fahrer nicht klar gewesen, ob Konstantin tatsächlich mit ihm fahren wollte. Deshalb habe er die Tür geschlossen und sei weitergefahren.

"Ganz aufklären kann ich das nicht, aber es ist auf jeden Fall unglücklich gelaufen, und es tut uns sehr leid", versichert Schröder.

Gabriele Götze ist mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Sie glaube ihrem Sohn, zumal dessen Freund Finn seine Darstellung bestätige. "Er hat sich so sehr auf das Eislaufen gefreut, dass es keinen Grund für ihn gab, nicht pünktlich da sein zu wollen."

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