Abschied von der Kneipe Wring in Grefrath

Kneipenlandschaft in Grefrath : Tschüss, Wring! Das war eine richtig schöne Zeit

Die große Liebe, Fußball-Feste und vieles mehr hat unser Autor in der Grefrather Kneipe Wring gefunden und erlebt. Am Wochenende nahm er Abschied - von der Gaststätte und von seiner unbeschwerten Jugend.

So, das war’s dann. Ich habe Abschied genommen. Von meiner unbeschwerten Jugend. Endgültig. Gut, wer mich kennt, wird denken, dass es auch langsam Zeit wurde. Schließlich bin ich schon 37 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder. Trotzdem habe ich am Samstagabend oder besser in der Nacht zu Sonntag den beschriebenen Abschied vollzogen. Gemeinsam mit hunderten anderen Gästen war ich ein letztes Mal in der Grefrather Gaststätte Wring.

Nachdem Wirt Stefan „Stracke“ Straeten schon im Frühjahr mehrere Wring-Abschieds-Events im leerstehenden Lokal organisiert hatte, soll nun aber wirklich Schluss sein. Das Immobilienunternehmen Fabri & Reuter will das Gebäude abreißen und an der Bahnstraße Wohnungen bauen. Wann das passiert, ist zwar weiterhin offen. Für „Stracke“ war die Fete am Samstag aber definitiv der letzte Abend hinter der altehrwürdigen Wring-Theke. „Für mich war es das auf jeden Fall“, sagt Straeten.

Für mich auch. Womit wir wieder beim Autor dieses Textes gelandet wären. Es waren zwar ohne Frage wunderbare Stunden in der Stammkneipe meiner Jugend. Aber, jetzt muss es auch mal gut sein. Vor allem mit Blick auf den Sonntag nach der jüngsten Reise in die Vergangenheit. Man wird halt nicht jünger. Da bin ich übrigens mit meiner lieben Frau vollends einer Meinung.

Die Liebe meines Lebens stand gleich neben der Eingangstür

Dabei konnte sie mir und meinem kleinen Kater nicht wirklich böse sein. Schließlich war meine Rückkehr ins Wring auch eine Rückkehr an den Ort, an dem ich meine große Liebe – also meine Frau – kennengelernt habe. Ich weiß es noch genau: Es war ein Platz gleich neben der Ein- bzw. Ausgangstür, an dem ich die Nummer einer hübschen Kempenerin ins Handy getippt habe. Und weil ich in diesem Nokia 3310 alles richtig abgespeichert hatte, konnte ich am nächsten Tag auch gleich Kontakt aufnehmen.

Siege im Fußball und Eishockey im Wring gefeiert

Mehr als 15 Jahre später hatte ich am Samstag kein Nokia 3310 in der Tasche, sondern ein Smartphone auf dem ziemlich neuesten Stand. Statt mit diesem Teil am Samstag Fotos in irgendwelche WhatsApp- oder Facebook-Gruppen zu posten, schwelgte ich lieber in Erinnerungen. Was hab ich nicht alles im Wring erlebt! Und was hatte ich da für einen Spaß!

Einige Erinnerungen haben mit Fußball zu tun. Schließlich gehörte der damalige Wirt Markus Zemang in den 90er Jahren zu denjenigen, die über den Pay-TV-Sender Premiere Live-Spiele der Bundesliga in seiner Kneipe zeigten. Damals gab es aber bei Premiere immer nur ein Topspiel am Wochenende – heute bekommt man ja alle Spiele live auf verschiedenen Sendern. Da war die damalige Lösung verlässlicher, zumal mein Lieblingsverein – der FC Bayern München – äußerst regelmäßig in einem Topspiel vertreten war. Und weil auch Wirt Zemang ein Anhänger der Roten war und ist, gab es regelmäßig pro Bayern-Tor einen Schnaps aufs Haus. Da ist mir noch ein 6:1 der Bayern gegen Hertha BSC in bester Erinnerung. Wobei, an alles kann mich dann doch nicht mehr erinnern.

In Sachen Fußball gehörte die Kneipe an der Bahnstraße bei mir häufig dazu. Im Wring habe ich Oliver Kahns größten Triumph – den Sieg nach Elfmeterschießen im Champions-League-Finale 2001 – gefeiert, aber auch den größten Patzer des Titans betrauert: den Fehlgriff beim 0:2 im WM-Finale gegen Brasilien (2002).

Schöne Grüße an die Jungs der „Initiative 23. Dezember“

Auch ein anderer Sport spielt in meiner persönlichen Wring-Rückschau eine Rolle: Eishockey. Die wohl besten Zeiten des Grefrather Eishockeys Ende der 90er Jahre haben meine Freunde und ich ebenfalls in der Kneipe gefeiert. Nach den Freitags-Heimsiegen und auch -Niederlagen in der 2. Liga ging es meist vom Eissportzentrum aus schnurstracks über die Stadionstraße in Richtung Wring an der Bahnstraße.

Zu guter Letzt darf ich in meiner persönlichen Rückschau eine Gruppe nicht vergessen: die „Initiative 23. Dezember“. An einem feucht-fröhlichen Abend vor dem berühmten Heiligen Abend hat ein Quartett, dem ich angehören durfte und darf, diese Initiative gegründet. Mit dem Ergebnis, dass wir uns heute immer noch am Tag vor Heiligabend auf ein Bierchen sehen. Es bleibt aber nie bei einem Bier. Komisch. Jungs, wir sehen uns am 23.12. – ich freu’ mich schon! Vielleicht hab’ ich mich ja doch noch nicht ganz von meiner unbeschwerten Jugend verabschiedet. In jedem Fall aber vom Wring: Mach’ es gut, altes Haus! War eine schöne Zeit.

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