Abschied nach fast 130 Jahren

Die Schwestern Unserer Lieben Frau haben die Trägerschaft der Liebfrauenschule abgegeben. Doch die Ordensfrauen wollen sich auch weiterhin dort nützlich machen.

Mülhausen. Bereits seit August hat die Liebfrauenschule Mülhausen einen neuen Träger. Jetzt fand der offizielle Festakt statt, in dem es nach fast 130 Jahren Abschied nehmen hieß für die Schwestern Unserer Lieben Frau. Die katholische Ordensgemeinschaft übergibt die Trägerschaft an die „Dernbacher Gruppe Katharina Kasper“. Sie ist die Gründerin der Ordensgemeinschaft der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“, unter der die Gruppe als eine Art Holding arbeitet.

„Ich glaube, dass wir unsere Arbeit wie bisher fortsetzen können, und bin zuversichtlich, dass es weiterhin unser besonderes Bildungsangebot geben wird“, sagte der Leiter der Liebfrauenschule, Lothar Josten. Kurz darauf begann der Festakt vor vielen Schülern, Eltern, Lehrern, Vertretern von Politik und Wirtschaft.

Man sieht sich im Leben mindestens zweimal. Dies trifft zumindest auf Martin Minten zu, der vor 31 Jahren an der Liebfrauenschule in Mülhausen sein Abitur gemacht hatte. Gestern kam er in der Eigenschaft als Geschäftsführer der Dernbacher Gruppe.

Die Gruppe ist unter anderem Träger von Krankenhäusern, Senioren-Wohnheimen und Einrichtungen der Jugendhilfe. Dazu zählen die 28 unbegleiteten und minderjährigen Flüchtlinge, die seit längerem im Antoniushaus auf dem Klostergelände in Mülhausen betreut werden. Dadurch war es auch zum Kontakt mit dem Gymnasium gekommen. Jedenfalls ist es für die Holding die erste Trägerschaft eines Gymnasiums. Martin Minten sagte: „Ich bin stolz darauf, dass wir gerade diese Schule als erste Schule übernommen haben.“

Die Schule nahm den Trägerwechsel zum Anlass, der bisherigen Ordensgemeinschaft für ihre jahrzehntelange Tätigkeit zu danken. Gekommen war die Provinzoberin der Gemeinschaft „Unserer lieben Frau“, Schwester Josepha Maria, der Josten als äußeres Zeichen des Dankes eine wertvolle Chagall-Bibel überreichte. Etliche Blumensträuße wurden an die Ordensschwestern übergeben, die teilweise im angrenzenden Haus Salus leben. Das heißt aber nicht, dass man auf die etwa 15 noch aktiven Schwestern des Ordens „Unserer lieben Frau“ ganz verzichten wird. „Wenn wir dürfen, möchten wir gerne uns hier weiter nützlich machen“, sagte Schwester Mechthilde, die eigentlich Mechthilde Kofferik heißt und 1959 in Mülhausen ihr Abitur gemacht hatte. Die Schwestern arbeiten zwar nicht mehr als Lehrerinnen, sondern helfen unter anderem im Sekretariat, an der Pforte, in der Küche oder beim Kapellendienst. Schwester Mechthilde ist noch genauso fit und agil wie Schwester Benedictine, Schwester Petra oder Schwester Magdalena, eine studierte Betriebswirtin, die einige Zeit die Provinz-Oberin für den ökonomischen Bereich war.

Natürlich sicherte Martin Minten zu, dass man auf die Hilfsbereitschaft der Schwestern nicht verzichten werde. „Wir werden jetzt erst einmal die Schule mit ihren Strukturen näher kennenlernen“, sagte der Geschäftsführer. Er konnte sich schon davon überzeugen, dass dort einiges geboten wird. Denn am Tage des Festaktes fand das Schulfest mit einer Vielzahl von spielerischen, sportlichen und bildenden Aktivitäten statt.