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75 Jahre Kriegsende: „Friedliche Panzer“ kamen in Grefrath an

Kriegsende : „Friedliche Panzer“ kamen in Grefrath an

Vor 75 Jahren befreiten die Amerikaner die Region von den Nazis. Zum Gedenktag gibt es am Dienstag in Grefrath einen Themenabend des Heimatvereins.

Es waren viele Leute in Grefrath auf den Beinen am Freitag, 2. März 1945, erzählt Maria Schommer. Die Tagebuchaufzeichnungen der Grefratherin, die die Zeit vom 10. Februar bis 30. Juli 1945 umfassen, hat der Heimatverein Grefrath als Büchlein herausgegeben. Die Menschen holten an der Bahn Kohle. „Alles umsonst, die Bahn hatte sie nicht mehr nötig.“ Einen Tag zuvor waren die Bahngleise gesprengt worden.

Am 2. März wurden die Versorgungslager der Wehrmacht aufgelöst. Schuhe, Decken und Lebensmittel wurden verteilt. „Bei Allen gab es Brot, so viel man wollte. Alles war auf den Beinen, obwohl der Feind jeden Augenblick einrücken konnte.“ Am späten Abend rollten dann „die ersten friedlichen Panzer von Hinsbeck aus in unser Dorf“ ein. „Es war ein eigenartiges Gefühl. Aber überall wehten die weißen Flaggen. Die ganze Nacht rollten schwere Panzer von vielen Fliegern begleitet durch unseren Ort.“

Der Tag, an dem amerikanische Soldaten nach Grefrath kamen, jährt sich in diesem Jahr zum 75. Mal. Der Vorstand des Heimatvereins wollte diesen Tag nicht unbeachtet verstreichen lassen und lädt daher am Dienstag, 3. März, 19 Uhr zu einer Veranstaltung ins katholische Jugendheim an der Lobbericher Straße ein, bei der auch Zeitzeugen berichten.

Die Zeitzeugen sind Herbert Küsters und Heinz-Wilhelm Delschen. Küsters, Jahrgang 1937, und Delschen, Jahrgang 1935, erlebten das Kriegsende als Kinder. Auch wenn sie noch jung waren, haben beide die Eindrücke des Krieges noch lange verfolgt. Er habe sich nach dem Krieg noch immer gebückt, wenn er ein Flugzeug hörte, schildert Delschen. Der Probealarm der Feuerwehr habe ihn noch lange an den Fliegeralarm erinnert, berichtet Küsters.

Die Familie von Heinz-Wilhelm Delschen besaß ein Geschäft an der Hohe Straße. Durch das Schaufenster konnte der Zehnjährige die einmarschierenden Soldaten sehen. Zum ersten Mal sah er damals einen dunkelhäutigen Menschen, erinnert er sich.

Viele Grefrather mussten ihre Häuser verlassen, um für die amerikanischen Soldaten Platz zu machen. Herbert Küsters erinnert sich, dass man in Vinkrath mit drei bis vier Familien in einem Haus lebte. In der Küche, wo morgens zusammen gefrühstückt wurde, wurde abends Stroh ausgelegt, auf dem man schlief.

Bei den Kindern herrschte in diesen Tagen große Neugier, bei den Müttern Angst. Die Leute seien froh gewesen, dass der Krieg vorüber war. Aber ein „Tag der Befreiung“ war es für die Menschen damals nicht, weiß Küsters zu berichten. Zu massiv war die Propaganda der Nationalsozialisten gewesen.

In diesen Tagen herrschte noch Angst vor dem Regime. Der Krieg war im Land noch nicht vorbei. Schon eine weiße Fahne zu hissen, wie es am Kirchturm von St. Laurentius geschehen war, war gefährlich. Dies hätte die Todesstrafe bedeuten können.

Maria Schommer berichtet auch am 6. März noch von Kanonenfeuer, das man Tag und Nacht hörte. Wenn möglich, hielt man sich am Radio auf dem Laufenden. „Es ist schrecklich, wie vielen Menschen da umkommen. Und alles die Idee eines Wahnsinnigen“, schreibt sie am 27. April, als sie Nachrichten vom „Sturm auf Potsdam“ hörte. Wie Maria Schommer berichtet, war die Lebensmittelversorgung in der Nachkriegszeit schlecht. Aber man wollte nicht klagen, in den Städten ginge es den Menschen schlechter. Auch die große Sorge um Angehörige bestimmte die Gedanken.

Dem Heimatverein ist wichtig den Tag zu nutzen, um an die Geschichte zu erinnern und so deutlich zu machen, welch hohes Gut wir schätzen können: 75 Jahre Frieden in Deutschland. ­