Ausbildung in Kempen Einchecken für die Reise in die Berufswelt

Kempen · Gut besucht präsentierte sich die erste Check-In-Berufswelt im Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen.

Bei der Check-In-Berufswelt in Kempen konnten sich die jungen Leute informieren und erste Dinge ausprobieren.

Bei der Check-In-Berufswelt in Kempen konnten sich die jungen Leute informieren und erste Dinge ausprobieren.

Foto: Norbert Prümen

„Das ist für einen ersten Schweißversuch sehr gut geworden“, lobt Tim Zimmermann vom Metallverband Jonas, der sich gerade den Schweißhelm mit dem eingebauten Display vom Kopf genommen hat. Der 17-Jährige blickt voller Neugierde auf den Bildschirm und damit auf die Schweißnaht, die er gerade eigenhändig geschweißt hat. „Das ist schon eine super Möglichkeit, Handwerk einmal realitätsnah auszuprobieren. Da erhält man ein ganz anderes Bild von einem möglichen Beruf“, bemerkt der 17-Jährige, der auf dem Weg zum Fachabitur Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung ist, und sich jetzt schon sicher ist, dass er nach seinem Abschluss eine handwerkliche Lehre starten möchte. Lediglich der genaue Bereich steht noch nicht fest. Und dafür nutzt er die Check-In-Berufswelt im Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen.

Knapp 50 Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen haben sich eingefunden und stellen ihre Ausbildungsberufe und dualen Studiengänge vor. Das Stahl- und Anlagenbauunternehmen Stelzer aus Kempen ist einer davon. „Messen sind für uns die Möglichkeit mit den Schülern in Kontakt zu kommen und uns vorzustellen. Früher bekamen wir viele Bewerbungen, doch das ist leider nicht mehr so. Wir gehen nun aktiv auf die Schüler zu und versuchen das Interesse für die Ausbildung Metallbau, Fachrichtung Konstruktionstechnik zu wecken“, sagt Geschäftsführer Thomas Stelzer. Eigens dafür hat sich das Unternehmen vom Metallverband die Anlage für das virtuelle Schweißen geliehen, um so einen Eindruck der mittlerweile hoch technisierten Arbeit eines Metallbauers zu vermitteln.

Ein Stückchen weiter begrüßt Karin Näsermann, Regional Recruiter von Deichmann, mit dem Satz „Deichmann kennt ihr alle, oder?“ vier Neuntklässlerinnen vom Förderzentrum Ost aus Schiefbahn. Antonia, Sophie, Leonie und Ciara sind zusammen mit ihrer Lehrerin Larissa Schüpstuhl unterwegs. In Sekundenschnelle entsteht ein intensives Gespräch. Die Schülerinnen, die allesamt gerade ein Praktikum machen, erzählen von ihren Erfahrungen und stellen viele Fragen zur Verkäuferinnenausbildung bei Deichmann. „Die Berufsorientierung hat an unserer Schule einen hohen Stellenwert. Ein Besuch einer Messe wie hier ist sehr hilfreich. Gerade weil unsere Schüler eine schwierige Anschlussperspektive betreffend den ersten Arbeitsmarkt haben“, sagt Schüpstuhl.

An den Ständen, die sich durch die Räumlichkeiten des Berufskollegs ziehen, summt und brummt es vor Gesprächen. An manchem Stand ist zudem praktisches Ausprobieren gegeben, Auszubildende berichten von ihren Tätigkeiten und so mancher Schüler bekundet sein Interesse für ein Praktikum. „Aktuell haben wir einen Vertrag mit einem Jahrespraktikanten abgeschlossen, den wir auf einer anderen Messe kennengelernt haben. Messen sind die Chance für uns, das Angebot und die Ausbildungsmöglichkeiten der Lebenshilfe vorzustellen“, sagt Carina Talajlo, Personalreferentin der Lebenshilfe Kreis Viersen.

In seiner Begrüßungsrede vergleicht Kreisdirektor Ingo Schabrich die Check-In-Berufswelt mit einem Reisebüro. „Wenn man einen Beruf auswählt, ist das wie ein Einchecken für eine Reise. Man startet in ungekannte Gefilde. Die jungen Menschen können hier für diese Reise einchecken“, sagt Schabrich und fügt lächelnd an, dass es sogar noch Last-Minute-Angebote gäbe, denn für dieses Jahr stünden noch 500 Arbeitsplätze in über 200 Berufen in der Region offen. „Die Check-In-Berufswelt ist die große Chance, Unternehmen und Schüler zusammenzubringen. Die Hemmschwelle des Kennenlernens ist niedrig. Wobei die Unternehmen erkannt haben, dass sie sich bewegen müssen und die Schüler dort abholen, wo sie stehen, um Nachwuchs zu gewinnen“, sagt Petra Wiese, die Schulleiterin vom Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen. Schabrich spielt von einer gewandelten Situation. „Früher hat die IHK Probleme gehabt Firmen für solche Messen zu gewinnen. Heute ist das nicht mehr der Fall. Uns ist es wichtig, den Übergang Schule-Beruf bruchfrei zu gestalten“, sagt Schabrich.

(tre)
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