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In Nettetal fehlen 103 Kita-Plätze

In Nettetal fehlen 103 Kita-Plätze

Trotz An- und Umbauten an den Kindertagesstätten gibt es noch immer zu wenig Plätze für Über-Dreijährige.

Nettetal. Wohin mit all den Mädchen und Jungen, die älter sind als drei Jahre? In der Stadt Nettetal gibt es mehr Kinder dieser Altersklasse als Betreuungsplätze in Einrichtungen: 103 Plätze fehlen. „Gesamtstädtisch kann für den Bereich der Ü3-Betreuung kein bedarfsdeckendes Angebot vorgehalten werden“, hat das Nettetaler Jugendamt festgestellt. Langfristig fehlen Kindergartenplätze für Nachwuchs im Alter von drei bis sechs Jahren. Ob und wie sich dieser Missstand beseitigen lässt, darüber haben die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses in ihrer jüngsten Sitzung beraten.

„Wir wussten, dass wir die Quote von 97 Prozent nicht erreichen können“, gab Jochen Müntinga zu. Der Leiter des städtischen Jugendamtes hatte dafür folgende Erklärung: Ursprünglich hat die Stadt eine „Versorgungsquote von 95 Prozent zugrunde gelegt“. Das heißt: Nach den gesetzlichen Bestimmungen sollte und wollte Nettetal für 95 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe Kindergartenplätze anbieten können.

In der Praxis indes zeigte sich schnell, dass diese Quote zu niedrig war. Der Bedarf war höher. Deshalb hatte der Jugendhilfeausschuss Ende 2015 eine höhere Erfüllungsquote von 97 Prozent festgelegt.

Weil Nettetal mehr Kinder hat als Plätze in den Einrichtungen, besteht Handlungsbedarf. Länger schon hat man in der Stadt versucht, zusätzliche Betreuungsplätze in den vorhandenen Kitas zu schaffen.

„Räumlich ertüchtigt“ worden seien etliche Einrichtungen, heißt es in einer schriftlichen Vorlage. Einrichtungen wurden modernisiert und teilweise um „halbe Kindergartengruppen“ erweitert. Aber: „Die Um- und Ausbauten sind ausgeschöpft“, stellte Müntinga fest. Was jetzt noch helfen könne, sei neu zu bauen, damit die Stadt gut aufgestellt sei.

Die Finanzierung einer neuen Kita ist ein Problem angesichts des engen finanziellen Handlungsspielraumes. Die Stadt müsste investieren.

Der höhere Bedarf war nach statistischen Berechnungen ermittelt worden. Am Beispiel der Geburtenrate zeigte das Jugendamt auf, dass solche Entwicklungen allerdings nicht immer genau zu analysieren und zu prognostizieren sind. So steigt die Zahl der möglichen Kita-Kinder in Nettetal von 986 im Jahr 2014 auf 1118 zum Stichtag 1. August 2017. Zwei Jahre später sollen es nur noch 1078 Kinder sein.

Die Gründe für solche Schwankungen sind nicht immer klar. Martina Derpmanns (Grüne) wollte zum Beispiel wissen, warum im Stadtteil Kaldenkirchen die Zahl der betreffenden Mädchen und Jungen leicht zurückgehe. „Da fällt mir nichts ein“, antwortete Heiko Brodermann, Mitarbeiter im Bereich Kinder, Jugend und Familie, scherzhaft. Seine ernsthafte Erklärung lautete: Individuelle Familienplanung lasse sich nicht statistisch errechnen.

Konkreter hingegen seien andere Daten, etwa die Entwicklung der Einwohnerzahl, die für die Stadt Nettetal positiv aussehe. Auch für Familien attraktive Neubaugebiete wie Südlich Hampoel in Leuth dürften dazu führen, dass in Zukunft mehr Kinder in der Statistik auszuweisen seien.

Wie realistisch die Überlegungen zum Bau einer neuen Kita sind, soll die Verwaltung nun prüfen. Die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses beauftragten die Verwaltung damit, „ein Konzept zur bedarfsdeckenden Versorgung mit Angeboten in der Betreuung der Über-Drei-Jährigen zu erarbeiten“. Damit man dafür konkrete Zahlen zugrunde legen kann, kündigte Heiko Brodermann an: „Ich werde im März noch mal gucken, wie die Kitas tatsächlich ausgebucht sind.“