Grefrath: Kandidaten-Talk - Langeweile statt Spontaneität

Grefrath: Kandidaten-Talk - Langeweile statt Spontaneität

Alle vier Bewerber für das Bürgermeisteramt stellten sich den Fragen der Unternehmerschaft Grefrath. Sie gaben sich zahm und zurückhaltend.

Grefrath. Wahlkampf kann so spannend sein. Aber auch langweilig. Spannung allerdings versprach die Befragung der Bürgermeister-Kandidaten der Interessengemeinschaft Unternehmerschaft Grefrath am Dienstagabend im Bestattungshaus Camps am Ende der Schaphauser Straße: Die vier Kandidaten stellten sich zehn Fragen nach Grefraths Zukunft.

"Was würden Sie zuerst anpacken?", wollte Moderator Alfred Wolvers von den Kandidaten wissen. Und wie sie Grefraths Attraktivität verbessern, neues Gewerbe ansiedeln wollen. Zwei Minuten Zeit pro Antwort, sonst drohte die rote Karte - sie musste aber nur selten gezückt werden.

Auch nicht für den Moderator selbst, trotz seiner langen und umständlich formulierten Fragen. Die Antworten waren sattsam bekannt: mehr Marketing, mehr Bürgerbeteiligung, mehr Gewerbeflächen, mehr für Familien tun...

Da saßen sie gewollt lässig auf dem Podium, zahm und zurückhaltend. Ganz links Herbert Kättner (CDU), Anzug und Krawatte. Daneben Monika Nöthe (SPD), Kleid mit Schal. Dann Reiner Wolff (FDP), Hemd über der Hose. Ganz rechts Manfred Lommetz (parteilos), Jeans und Jackett; er scherzte gleich zu Beginn: "Ich muss heute Abend alle siezen."

Damit sprach Lommetz, sonst mit den meisten per Du, ein Manko des Abends an: Vieles war abgesprochen, die Kandidaten kannten die Fragen vorher, antworten mitunter wie einstudiert. Wenig Spontaneität oder Emotionen, daher selten Murren oder Zwischenapplaus im Saal. Anders in der anschließenden Diskussion, in der die Teilnehmer allerdings weniger den Wahlkampf als das Thema Gewerbepark Wasserwerk in den Mittelpunkt stellten.

Farblos blieb der jetzige Bürgermeister Kättner: "Ich fühle mich immer noch kompetent." Nöthe wirkte nur anfangs engagiert: "Ich wollte eigentlich aufhören mit der Politik." Wolff gab sich weitsichtig: "Visionen, das ist das, was fehlt." Lommetz wurde immerhin konkret: "Ich will die Verwaltung verschlanken, die Mitarbeiter schulen lassen, im Bauamt wird ein anderer Wind wehen."

Viele Klagen über den Zustand Grefraths - und damit über die Ära Kättner. Der rechtfertigte sich mit der "demografischen Entwicklung und Wirtschaftskrise". Lommetz wurde es schließlich zu bunt: "Wir müssen aufhören, unseren Ort immer nur schlecht zu reden!" Beim Spaziergang denke er oft: "Was ist das schön hier!" Und alle nickten.

Mehr von Westdeutsche Zeitung