Fünf Jahre Fall Vauth

Noch immer kein Prozess in Sicht. Ist der Ex-Politiker verhandlungsfähig?

Kreis Viersen. Genau fünf Jahre ist es her, dass die Nachricht wie eine Bombe einschlug: Der Krefelder Anwalt Lothar Vauth soll Geld veruntreut haben, seine Kanzlei trennt sich von ihm. Vauth, bis einige Tage zuvor Karnevalsprinz in Tönisvorst, hielt sich mit seiner Frau Jessica in Ägypten auf. Beide traf diese Nachricht ebenfalls unvorbereitet. Seither ist viel geschehen, ein Prozess ist allerdings nach wie vor nicht in Sicht. Die WZ fasst die Chronologie der Ereignisse zusammen.

Die Zeit war ein bisschen ähnlich wie heute, anno 2014. Karneval fiel recht spät, außerdem startete der Kommunalwahlkampf 2009, der eigentliche Urnengang war für den 30. August angesetzt.

Der damals 42-jährige Vauth hatte für viel Tamtam und jede Menge Aufregung gesorgt: In seiner Tätigkeit als Prinz Lothar I. hatte er während der närrischen Session kräftig Hof gehalten, mit Orden praktisch nur so um sich geworfen. Neben den offiziellen Auftritten soll auch beim Prinzenpaar zu Hause partymäßig die Post abgegangen sein. Damit war am Aschermittwoch Schluss. Ohne Stimme präsentierte sich Vauth nach den tollen Tagen. Bevor er sich in den Urlaub verabschiedete.

In der Politik hatte Vauth bereits kräftig die Werbetrommel gerührt: bezahlte Anzeigen und Pressemitteilungen in eigener Sache, die annähernd täglich darüber jubelten, dass seine Popularität als SPD-Landratskandidat für den Kreis Viersen angeblich durch die Decke ging. Und dann das: Seine Partner in der Sozietät hatten Unregelmäßigkeiten entdeckt und daraufhin den früheren Senior-Partner Jürgen Oehring eingeschaltet. Der hatte geraten, sofort die Staatsanwaltschaft zu informieren.

Was folgte, war ein Marathon aus Zivilverfahren, Ermittlungen und einer Schlammschlacht, die in der Krefelder Juristen-Szene ihresgleichen suchte. Klage, Widerklage, Forderungen, die in den Raum gesetzt wurden. In den Zivilprozessen zog Vauth alle Register, verlor zwar mehrere Verfahren, dennoch ging die Kanzlei in die Knie, musste vor eineinhalb Jahren Insolvenz anmelden.

Einer tauchte allerdings in den Auseinandersetzungen nie persönlich auf: Lothar Vauth selbst. Vor Gericht ließ er stets erklären, er sei krank, auch ansonsten wurde er eher selten gesehen. Nach wie vor, so heißt es, wohne er in seinem Haus an der Dammstraße in St. Tönis.

Das Strafverfahren gegen ihn — mehrfach hatte Vauth einen hochkarätigen Strafverteidiger gegen einen anderen ausgetauscht — läuft zudem schleppend. Rund 26.000 Zahlungsvorgänge mussten überprüft werden. In ihrer Anklage, die die Staatsanwaltschaft vor gut zwei Jahren fertiggestellt hatte, wirft sie ihm Untreue in über 930 Fällen vor.

Ob und wann die Strafsache vor dem Landgericht verhandelt werden kann, ist offen. Seit fünf Monaten prüft ein Gutachter aus Viersen-Süchteln die Verhandlungsfähigkeit des früheren Polit- und Karnevals-Schwergewichts. „Da liegt noch nichts vor“, bestätigt Simone Rühl, Pressesprecherin des Landgerichts, auf Anfrage. Eine Frist, in der ein solches angefertigt werden müsse, gebe es nicht. Ob der Gutachter überhaupt jemals selbst mit Vauth gesprochen hat, weiß die Sprecherin nicht.

Was geschieht, wenn Vauth für nicht verhandlungsfähig gehalten wird? „Dann wird man ihn in regelmäßigen Abständen immer wieder neu untersuchen“, sagt Simone Rühl.