Erste Tornado-Schäden schon beseitigt

Erste Tornado-Schäden schon beseitigt

Unermüdlich waren Feuerwehr, Stadt und THW seit dem Sturm im Einsatz. Mehr als 50 Häusen hat der Tornado abgedeckt.

Kreis Viersen. Am Tag eins nach dem Tornado, der am Mittwochabend den Kreis Viersen durchzog, sind die ersten Verwüstungen bereits beseitigt. Im besonders stark betroffenen Viersener Stadtteil Boisheim waren in der Nacht zu gestern rund 90 Feuerwehrleute und 60 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks im Einsatz, auch Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) machte sich in dem Stadtteil ein Bild vom Ausmaß des Schadens. „Angesichts des Umfangs der Schäden an den Gebäuden und auf dem Friedhof muss man dankbar sein, dass es in Boisheim keine Verletzten oder gar Tote gegeben hat“, sagte sie.

Foto: Jungmann

Am Mittwochabend gegen 18 Uhr hatte ein Tornado im Kreis Viersen zahlreiche Bäume zerlegt und mehr als 50 Häuser beschädigt. Ein Mann aus Nettetal wurde schwer verletzt, als er von einem Ast getroffen wurde. Eine junge Feuerwehrfrau erlitt einen Stromschlag.

Ein Tornado entsteht, wenn Gewitterwolken sehr tief stehen, erklärt Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Wenn der Wind vom Boden bis zur Wolke zudem Richtung und Geschwindigkeit ändert, beginnen die Luftmassen, sich zu drehen. Damit sich der sogenannte Wolkenrüssel bildet, muss die aufsteigende Luft sehr feucht sein. „Die aus dem Wolkenrüssel freigesetzte Energie führt dazu, dass die Luft sich immer schneller dreht“, sagt Friedrich. „Diese ganzen Zutaten waren in Viersen vorhanden.“ Zur Schadenshöhe konnte die Stadt Viersen gestern noch keine Angaben machen.

Gestern meldete der Kreis Viersen, die Kontrollen an den Kreisstraßen seien abgeschlossen. Auf der Kreisstraße 20 zwischen Schwalmtal-Amern und Schwalmtal-Heidweiher waren aus mehreren Bäumen Kronen ausgebrochen und größere Äste abgeschlagen. Die K 20 konnte für den Verkehr bereits wieder freigegeben werden. Die Fahrbahn der K 25 zwischen Schwalmtal-Amern und Waldniel wurde gereinigt und ebenfalls für den Verkehr wieder freigegeben. Nur die Kreisstraße 4 zwischen Boisheim und Nettetal-Schaag musste gestern voll gesperrt bleiben. Dort lagen etliche Bäume. Die L 3 zwischen Dilkrath und Boisheim bleibt bis mindestens Samstag gesperrt, teilte die Gemeinde Schwalmtal mit.

In Boisheim hat es nicht nur knapp 50 Hausbesitzer getroffen, am städtischen Friedhof hat der Tornado alle größeren Bäume abgeknickt. „Die Arbeiten werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Der Friedhof bleibt darum bis auf Weiteres gesperrt“, erklärte Stadtsprecher Frank Schliffke. „Bereits jetzt ist absehbar, dass sich sein Aussehen durch den Tornado nachhaltig verändert hat.“ Neben der Totenhalle wurden die Schule samt Turnhalle und eine ehemalige Werksdienstwohnung der Stadt an der Pastoratstraße durch das Unwetter beschädigt.

Ein Gutes hat das schwere Unwetter neben all dem Unglück aber auch: Die Menschen stehen zusammen. Der Boisheimer Caterer Daniels sorgte ohne Aufhebens um Verpflegung für die Helfer, und die Boisheimer kümmerten sich auch darum, dass keiner städtische Übernachtungsangebote in Anspruch nehmen musste. „Wir hätten die Menschen unterbringen können, aber das war dank der funktionierenden Gemeinschaft in Boisheim gar nicht nötig“, sagte die Bürgermeisterin. Ähnliches war auch in Heidend zu hören: „Die ganze Ortschaft ist für uns da“, sagte Ines Eulenpesch. „Innerhalb von fünf Minuten waren Freunde da und Leute aus dem Ort, die sogar Arbeitsmaterial von zu Hause mitbrachten. Die Hilfsbereitschaft ist unglaublich.“