Die Viersener Kurve ist kein Thema mehr

Die Viersener Kurve ist kein Thema mehr

Die Chancen für einen zweigleisigen Ausbau der Strecke zwischen Kaldenkirchen und Dülken steigen.

Kreis Viersen. Das wichtigste Schienenverkehrsprojekt für den Kreis Viersen hat eine entscheidende Hürde genommen: Im Bundesverkehrsministerium wird die sogenannte Viersener Kurve nicht mehr als Voraussetzung für den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Dülken-Kaldenkirchen gesehen. Das bestätigte ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) auf Anfrage.

Der geplante zweigleisige Ausbau würde nicht nur deutlich mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene bringen, sondern soll Viersen auch zum Intercity-Haltepunkt einer Verbindung von Eindhoven nach Düsseldorf-Flughafen machen — und damit für eine schnellere Anbindung an die beiden Städte sorgen. Die Viersener Kurve würde als unmittelbare Verbindung von Dülken Richtung Anrath nach Krefeld die Wohngebiete im Alt-Viersener Ortsteil Rahser durchschneiden — die Viersener Politik lehnt sie ab.

Eine weitere Hürde muss der zweigleisige Ausbau allerdings noch nehmen: Im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans wird der zweigleisige Ausbau nicht als „vordringlicher Bedarf“ gesehen. Bedeutet: Eine Realisierung würde frühestens nach 2030 begonnen. Allerdings könnte sich das bis zur geplanten Verabschiedung Ende des Jahres noch ändern, betonte der Bundestagsabgeordnete Udo Schiefner (SPD). Zurzeit läuft noch die Wirtschaftlichkeitsberechnung des zweigleisigen Ausbaus. „Selbst wenn das Ergebnis bis zur Verabschiedung nicht vorliegt, kann das Projekt 2017 noch mit dem Vermerk ,vordringlicher Bedarf’ in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden“, sagt Schiefner. Durch den zweigleisigen Ausbau würde sich die Kapazität der Strecke Venlo—Viersen deutlich erhöhen. Statt derzeit 50 könnten künftig 85 Güterzüge pro Tag die Strecke je Richtung nutzen. Die Zahl der Personenzüge könnte von derzeit 18 auf rund 35 steigen. Positiver Nebeneffekt: Die Fahrzeit eines Intercity Den Haag—Düsseldorf-Flughafen würde sich um drei Minuten verkürzen. Dieser Fahrzeitgewinn soll für zusätzliche Halte des IC in Helmond und Viersen genutzt werden.

Dass sich der zweigleisige Ausbau rechnet, hatte vor knapp vier Jahren eine Untersuchung der Aachener Ingenieurgruppe IVV im Auftrag eines EU-Mobilitätsprojektes ergeben: 2,8 Millionen Tonnen Güter könnten pro Jahr auf der Schiene statt auf der Straße transportiert werden — eine Einsparung von 560 Lkw-Fahrten pro Tag. Des Weiteren könnten 2200 Autofahrten pro Tag vermieden werden.

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