Dem „Big Bass“ wird Ende 2015 der Geldhahn zugedreht

Dem „Big Bass“ wird Ende 2015 der Geldhahn zugedreht

Die Förderung für den rollenden Jugendtreff läuft aus — jetzt formiert sich Widerstand.

Schwalmtal. Es war klar, dass man in diesem Jahr wieder über den rollenden Jugendtreff würde reden müssen. Denn der „Big Bass“ war als Projekt der offenen Kinder- und Jugendarbeit immer wieder verlängert worden, und das über Jahre hinweg. Zuletzt hatten Kinder und Jugendliche 2013 um ihren bunten Doppeldecker-Bus fürchten müssen. Im Juni 2013 beschloss dann der Kreistag, den rollenden Jugendtreff nicht in eine Regeleinrichtung zu überführen, sondern ihn zunächst als Projekt unverändert fortzuführen — längstens bis Ende 2015.

Pastor Schweikert

Den Bus als Jugendtreff finanzieren der Kreis, die Gemeinden Niederkrüchten und Schwalmtal sowie die Kirchenverband Brüggen-Niederkrüchten als Träger. Sozialpädagoge Eric Loll fährt mit dem Bus durch Niederkrüchten und Schwalmtal und macht dort Angebote, wo die jungen Leute sind — zum Beispiel in Orten, in denen es kein Jugendzentrum gibt. Der Kreis übernimmt 50 Prozent der Kosten, die Gemeinden Schwalmtal und Niederkrüchten je 17,5 Prozent, der Kirchenverband 15 Prozent.

Diese 17,5 Prozent der Kosten hatte die Gemeinde Schwalmtal nun aus der Haushaltsplanung für die kommenden Jahre herausgenommen. Der Entwurf für den Haushaltsplan 2015 wurde im Dezember in den Rat eingebracht, und für die Jahre ab 2016 steht an der Stelle, wo bislang die Kosten für den „Big Bass“ standen, eine Null. Das Sparpotenzial dort hatte die Konsolidierungsgruppe ausgemacht, der Vertreter der vier Ratsfraktionen angehören. Die Gruppe hatte eine Liste erarbeitet, in der auch die „Einstellung Jugendbus nach Vertragsende 12/2015“ verzeichnet war.

Nun hatte die Formulierung „Einstellung Jugendbus“ die Menschen im Grenzland, die die Arbeit des rollenden Jugendtreffs schätzen, aufgeschreckt. Rund 30 Besucher aus Schwalmtal und Niederkrüchten, darunter viele Kinder, kamen zur Sitzung des Ausschusses für Demografie und Soziales, um zu erfahren, ob der „Big Bass“ eingestellt wird. Da konnten Politik und Verwaltung fürs erste beruhigen: Bis Ende 2015 ist der rollende Jugendtreff gesichert. Doch was danach passiert, konnten sie nicht sagen.

Sie versicherten, hinter dem Bus zu stehen, machten aber auch deutlich, dass die Haushaltslage der Gemeinde nicht rosig ist. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Paschmanns erläuterte, seiner Ansicht nach müsse das Kreisjugendamt ein Modell für den „Big Bass“ nach 2015 entwickeln — und zwar jetzt im Frühjahr, damit man rechtzeitig über Konzept und Finanzierung reden könne.

Paschmanns forderte auch den Kirchenverband, also Pastor Alexander Schweikert, auf, das Gespräch zu suchen. Maria Beiten (Grüne) pflichtete bei: Man solle sich frühzeitig zusammensetzen und ein gutes neues Modell finden.

Nun stehen die Beteiligten also erneut vor der Diskussion, die sie schon 2013 führten. Aus der Reihe der Besucher kam im Ausschuss der Vorschlag, einen Förderverein für den „Big Bass“ zu gründen. Pastor Schweikert bestätigte gestern, dass er mit einigen Unterstützern gesprochen habe, die nach wie vor an einer Förderung interessiert seien. Wichtig sei aber die Planungssicherheit: Die Kirche müsse wissen, wie es weitergehe. Förderer benötigten eine Perspektive, damit sie nicht Geld geben für ein Projekt, das dann doch bald eingestellt wird.

Er wolle den rollenden Jugendtreff halten — und zwar nicht als Projekt, sondern als Regeleinrichtung, sagte Schweikert. Ohne die Hilfe der Gemeinden werde es aber nicht gehen: „Wenn sich die Kommunen zurückziehen, können wir einpacken. Das kann ein Förderverein nicht allein stemmen.“