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Das Fahrradfahren am Niederrhein verbindet. Weiß doch jedes Kind.

Fahrradregion Niederrhein : Asphaltphilosophie unter Unbekannten

Die Fahrradregion Niederrhein nimmt Fahrt auf: Zwei Radler tauschen sich aus, Präses Latzel macht Hoffnung und die Hagelkreuzbiker laden ein. Und zwei, die sich nicht kennen, kommen in Kontakt.

In der vergangenen Woche berichtete Leser Georg Krausse aus Neersen von seiner Pendelstrecke zwischen Willich  und der verbotenen Stadt (Düsseldorf). „Ich frage mich seit Jahren, warum auf der parallel zum Radweg verlaufenden Straße, die Bäume den Asphalt in Ruhe lassen, aber auf dem Radweg das Wurzelwerk den Belag nach oben drückt“, schrieb der Willicher unter anderem. Genau um solche Fragen zu stellen, kann diese schöne Rubrik genutzt werden. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Karl-Heinz Renner wendete sich an unsere Redaktion um mit seinem Wissen auszuhelfen. Er beschäftigt sich nicht erst seit gestern mit dem Verkehrsmittel Fahrrad. Als Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) in Krefeld und Sprecher des AktionsKReises FahrRad! setzt er sich für ein gesellschaftliches Umdenken im Bereich Verkehr ein.

aktionskreis-fahr-rad.de

nrw.adfc.de

Der Krefelder antwortete dem Willicher:

„Es ist so, dass Straßen weniger Wurzelaufbrüche zeigen, weil die Straßendecke wegen der höheren Belastung durch PKW und LKW deutlich stärker unterfüttert und befestigt wird als bei Radwegen, bei denen man nur mit geringen Belastungen rechnet. In Bezug auf Pflanzung von Bäumen am Radweg lernt man - sehr - langsam dazu: Mehr Pfahlwurzler, größerer Abstand etc.“

Das stieß bei Georg Krausse weitere Gedanken an. In seiner Rückmeldung führte er seine Ansichten aus:

„Die E-Mail von Herrn Renner habe ich mit Interesse gelesen. Natürlich haben Straßen für LKW und PKW einen hochwertigeren Belag als Rad- und Fußwege, aber es stört kolossal, wenn ein sanierter oder neu angelegter Radweg schon nach wenigen Jahren erhebliche Mängel durch Risse oder Senken aufweist, ohne dass Bäume in der Nähe sind. Zum Beispiel auf dem Radweg zwischen Willich-Vennheide, Clörath und Süchteln-Hagen. Verdacht: Miserable Bauausführung. Im Übrigen ist es für die Kommunen immer preiswerter, ein Schild mit der Aufschrift „Straßenmängel“ hinzustellen, als den Radweg zu sanieren. Wenn dann noch der Kreis oder Straßen.NRW das Sagen haben, dauert es mitunter mehrere Jahre, wie auf der Linsellesstraße in Willich-Schiefbahn bei einer Länge von ca. 1000 Metern.“

Zum weiteren Austausch vermittelte ich den Herren die Kontaktdaten. Ob weitere Angelegenheiten zur Sprache kamen oder gar eine gemeinsame Fahrradtour unternommen wurde, weiß ich (momentan) nicht.

Intensive Fahrradwoche

Es war eine relativ intensive Woche, was das Thema Fahrrad in unserer Zeitung anbelangt. Am Dienstag erschien ein Artikel über Thomas Latzel und seine „Sommertour der Hoffnung“. Titel des Artikels: Mit Rad zu den positiven Geschichten (WZ vom 13.Juli). Der Vorsitzende der Evangelischen Kirche Rheinland radelte 600 Kilometer in acht Tagen - Respekt! Am Montag ist er in St. Hubert gewesen und hat sich Hoffnungsgeschichten angehört. Ich radelte ein kurzes Stück mit dem Präses. Einen Blick auf die Sommertour gibt es im Web unter:

bit.ly/3kbtVGe

Am Mittwoch folgte ein Text über „Die Fahrradfreunde aus dem Quartier“ (WZ vom 14. Juli). Es ging um die Kempener Hagelkreuzbiker. Eine lustige Truppe ist das. Jeden zweiten Samstag treffen sich die Sattelfetischisten zum gemeinsamen Radeln. Treffpunkt ist immer um 11 Uhr auf dem Concordienplatz in Kempen. Jede/r kann mitmachen, die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Welche Tour als nächstes ansteht und weitere Aktivangebote werden veröffentlicht auf

hagelkreuz-kempen.de

Schilderung aus Anrath

Zum Abschluss möchte ich Ihnen die Eindrücke von Jutta Kass weitergeben. Die Dame aus Anrath pendelt gerne mit dem Fahrrad nach Mönchengladbach zur Volkshochschule. Zwölf Kilometer legt sie dabei mit dem E-Bike zurück. Sie schildert uns ihren Weg:

„Tagesanfang hell und still – Noch ist alles, wie ich‘s will...“ Dieser Anfang eines Liedes von Pur kommt mir in den Sinn, wenn ich morgens durch die Felder zwischen der Niers und Mönchengladbach radele. Wenn ich auf meinem Rad sitze und in die Pedale trete, die frische Luft und die Bewegung genieße, mit dem guten Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun, brauche ich auch in der Dämmerung kein Licht, so strahle ich über das ganze Gesicht.

„Können Sie nicht klingeln?!“, werde ich böse angefaucht, als ich zugegebenermaßen ziemlich dicht und lautlos an einem Spaziergänger vorbeifahre. „Doch!“, rufe ich fröhlich zurück, „aber ich wollte Sie nicht erschrecken.“

Ich setze meinen Weg fort und treffe auf den nächsten Fußgänger, mit Hund sogar, da muss man aufpassen, dass er einem nicht ins Fahrrad springt. Also doch lieber klingeln und beim Überholen großen Abstand halten, dabei ein freundliches „Guten Morgen!“ schmettern. Geschafft, Hund und Herrchen waren friedlich.

In Höhe der Autobahnbrücke kommt mir der junge Mann entgegen, der jeden Morgen in die entgegengesetzte Richtung fährt. Ich hebe grüßend die Hand, er nickt zurück und eilt weiter. An der Grünanlage führte ein alter mürrischer Mann immer seinen noch älteren Hund aus. Irgendwie wirkte er verschlossen und unglücklich. Da ich ihn jeden Morgen sah, habe ich ihm eines Tages zugenickt, ein anderes Mal gelächelt, und siehe da: nach einiger Zeit grüßte er zurück. Geht doch!

Schließlich bahne ich mir meinen Weg durch die Straßen Mönchengladbachs, was höchste Konzentration erfordert. Denn oft queren Fußgänger den Radweg, Busse fahren an und Autos parken dreist mitten auf der Straße, um be- oder entladen zu werden. Aber bisher bin ich immer heil an- und wieder zurückgekommen. Ich hoffe, dass das noch lange so bleibt.

Jutta Kass, Willich-Anrath

Fahren Sie auch gerne mit dem Fahrrad und haben Lust ihre Erfahrungen zu teilen? Kennen Sie geheime Strecken? Oder überlegen Sie vom Autositz auf den Sattel umzusteigen? Fahrradfahren verbindet. Ich würde mich sehr freuen, Sie mir schreiben:

michael.sender@wz.de