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Arbeitsplätze beim Nettetaler Walzenwerk sind gesichert

Arbeitsplätze beim Nettetaler Walzenwerk sind gesichert

Ein Investor aus Berlin übernimmt die insolvente Firma. Die Sanierung in Eigenverwaltung war erfolgreich.

Lobberich. Das Walzenwerk Jülke in Lobberich bleibt erhalten. Nachdem es im Januar 2016 Insolvenz angemeldet hatte, ist nun die Kairos Industries AG aus Berlin in den Traditionsbetrieb eingestiegen. Damit sollen die bestehenden Arbeitsplätze in Nettetal gesichert sein, sagte gestern der Dresdner Sanierungsfachmann Jörg Spies, der als weiterer Geschäftsführer für die „Walzenwerk Jülke Lobberich Eins GmbH & Co. KG“ dazu geholt worden war.

Wegen rückläufiger Absatzmärkte hatten die Umsätze erheblich nachgegeben. Bereits eingeleitete Kostensenkungen fingen die Probleme nicht auf, die Firma begab sich ins Insolvenzverfahren. „Die Besonderheit dabei war, dass es in Eigenverwaltung geschah“, sagt Spies, Fachanwalt für Insolvenzrecht. Das bedeutete, dass der Geschäftsbetrieb in vollem Umfang aufrechterhalten wurde und die Geschäftsleitung bestehen blieb. Mit organisatorischen Maßnahmen habe man den Betrieb zu sanieren versucht, etwa indem die Kostenstruktur an sicher planbare Umsätze angepasst wurde, sagte Spies. Doch es habe auch „in bestimmtem Umfang“ Entlassungen gegeben.

Ehemals waren etwa 60 Mitarbeiter bei Jülke beschäftigt, heute sind es 44. Eigentlich wäre das Walzenwerk schon früher saniert gewesen, sagt der Rechtsanwalt. Den ersten Insolvenzplan habe es im Mai 2017 gegeben. „Ein Forderungsverzicht der Gläubiger hätte die Überschuldung und die Zahlungsunfähigkeit beseitigt“, erklärte Spies. Allerdings habe der Bundesgerichtshof dann die bisherige Praxis, dass Sanierungsgewinne nicht besteuert werden, aufgehoben. „Damit hätte der Forderungsverzicht versteuert werden müssen“, so Spies. Deswegen habe man sich für den „Schlenker“ der Übernahme entschieden.

In einer Mitteilung dazu heißt es: „Kairos ist ein Spezialist für die Übernahme und operative Begleitung von deutschen Mittelstandunternehmen sowie Konzernrandaktivitäten und Geschäftseinheiten mit Ertragssteigerungspotenzial.“ Es „ist auf ein langfristiges unternehmerisches Engagement ausgerichtet und investiert nur eigene Finanzmittel“. Der dortige Geschäftsführer war gestern nicht für ein Gespräch zu erreichen. Der neue Insolvenzplan wurde bereits von den Gläubigern angenommen und vom Gericht bestätigt.

Im Nettetaler Walzwerk soll es nun weitergehen wie bisher, kündigte Spies an. „Es gibt keine Veranlassung, etwas zu ändern. Die Produkte werden nachgefragt und die Firma arbeitet auf einem stabilen Niveau.“ Zuletzt habe es im Sommer 2017 Änderungen innerhalb der Geschäftsführung gegeben. Er selbst werde sich noch um die Abwicklung einiger Punkte des Insolvenzverfahrens kümmern und danach aus der Geschäftsführung ausscheiden. „Die Verfahrensbeendigung wird kommen“, sagte er. „Jülke kann jetzt in die Zukunft durchstarten.“

Im Walzenwerk im Rosental in Lobberich werden Bauteile und Spezial-Walzen für Stahlunternehmen, insbesondere für Rohrproduzenten hergestellt. Gegründet wurde das Familienunternehmen 1966 als „Walzengießerei und Hartgußwerke Dieter Jülke e.K.“.