Anrath: Kirchplatz wird zur Partymeile

Anrath: Kirchplatz wird zur Partymeile

Musik: Booster begeisterte am Samstag fast 3000 Besucher. Am Morgen gab es den offiziellen Festakt.

Anrath. Es ist kurz nach 20 Uhr am Freitagabend, als sich die ersten Akkorde der Q-Revival-Band tief in die Magengruben von fast 2000 Besuchern des Open-Air-Konzerts im Schatten der katholischen Pfarrkirche St. Johannes graben. "Sehen Sie, in unserem Ort steckt richtig Leben", freut sich Hauptorganisator Peter Küppers über den gelungenen Auftakt des Bühnenprogramms zur Anrather 1000-Jahr-Feier.

Anderthalb Jahre Vorbereitung gipfelten ab Freitag in einer fulminanten Außenparty mit Musik, Festakt, Versteigerung und jeder Menge bunt gestreuter Unterhaltung. Der zentrale Platz, der sonst nur zu Karneval oder beim Schützenfest in Fußgängerhand ist, war der Mittelpunkt der Feierlichkeiten, der Treffpunkt für alle großen und kleinen Anrather - und für alle, die einfach dabei sein wollten.

Die Q-Revival-Band um "Freddie Mercury" Harry Rose spielte die Hits der extravaganten Kultband Queen, aber auch andere moderne Klassiker aus der Zeit der ersten Plattenmillionäre. Nicht weniger reich war der gänsehautfördernde Sound der fantastischen Fünf: "Friends will be friends" - und Anrath bleibt Anrode.

Nächster Tag, gleicher Ort. Mit dem Festakt stand ab 11.30Uhr der "offizielle" Teil des bunten Treibens an. Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse Brockhoff hatte es übernommen, anschaulich die historischen Wurzeln der 1000-Jahr-Feier zu erläutern. An die erinnerten auch die 1000-Jahr-Läufer, die schon am frühen Morgen an der Kapelle St.Peter bei Kempen aufgebrochen waren, um die (überdimensionale) Urkunde der ersten Erwähnung des Ortes zu überbringen. Später dann eine verdiente Ehrung: Karla Meiendresch, Vorsitzende des Bürgervereins und "Motor" der gesamten Fest-Vorbereitungen, bekam die Ehrenplakette der Stadt überreicht. Den Ehrenteller gab es für den kompletten Verein.

Nach dem Festakt begann um 14.30 Uhr das Bühnenprogramm mit Tanz, Gesang und Interviews. Besonders gut kam der Kürbiskerne-Kinderchor an. Aber auch der Auftritt des Percussion Ensemble der Kreismusikschule lockte zahlreiche Besucher auf den Kirchenvorplatz. Zwischenzeitlich waren viele tausend Gäste im Ort unterwegs, selbst einige Organisatoren benötigten gute drei Stunden beim Kontrollgang für die Strecke vom Theodor-Heuss-Park zur Kirche. Organisator Manfred Jacobs machte das stolz: "Das ist mein Dorf! Das Fest ist ein erstklassiges Beispiel für eine große Gemeinschaftsaufgabe mit ganz eigener, toller Atmosphäre", so sein Zwischenfazit.

Das galt auch für das Bühnenprogramm, bei dem der gute Zweck ebenfalls eine Rolle spielte. So versteigerten Bürgermeister Josef Heyes und WDR-Moderator Michael Brocker 16 Kunstwerke von 16 Künstlern des Willicher Kunstvereins. Der Erlös geht an die Aktion Mission Leprahilfe, deren Vorsitzender Heyes ist. Er ließ es sich nicht nehmen, selber zwei Kunstwerke zu ersteigern. Die Auswahl: Radierungen, Skulpturen, Fotografie und Aquarelle. Auch Michael Brocker, der professionell durch das Programm führte, erstand ein Kunstwerk. Am Ende der Versteigerung stand die stolze Summe von 1700 Euro.

Abends heizte die Mönchengladbacher Rockcoverband Booster gut 3000 Menschen mächtig ein. Selbst auf den Balkonen der Häuser standen die Zuhörer, "eine gigantische Stimmung hier", lobte eine eigens aus Mönchengladbach angereiste Besucherin.

Was bleibt, ist die Erinnerung an drei Tage bester Unterhaltung bei absolute friedlicher Stimmung. Auch die befürchteten Verkehrsprobleme sind ausgeblieben. "Viele Besucher sind wohl tatsächlich mit Bussen und Bahnen gekommen", vermutet Manfred Jacobs. Nur der Regen trübte ein wenig die positive Gesamtbilanz.

Mehr von Westdeutsche Zeitung