Von 300 auf Null: Aus der Formel-1 in die Arbeitslosigkeit

Von 300 auf Null: Aus der Formel-1 in die Arbeitslosigkeit

Arbeitsmarkt: Nach Auflösung des Toyota-Teams verlor Mechaniker Frank Priem seinen Job. Eine Langenfelder Firma will ihn neu vermitteln.

Langenfeld. Mitte des vergangenen Jahres hatte Frank Priem (38) so eine Ahnung. Im September feierte der Kölner noch seine zehnjährige Betriebszugehörigkeit. Einen Monat später geriet er mit Vollgas in die Arbeitslosigkeit. Der Kfz-Mechaniker hat zehn Jahre, von 1999 bis Ende 2009, Motoren für das Toyota Formel-1-Team in Köln zusammengeschraubt. Seit dem Rückzug der Japaner aus der Königsklasse des Motorsports im vergangenen Jahr sucht Priem einen neuen Job.

Dabei setzt der Familienvater auf die Kompetenz und Erfahrung der Speqtrum GmbH, der Vermittlungs- und Transfergesellschaft der SKP AG. Das Mutterunternehmen bietet seit 31 Jahren Menschen, die ihren Job verloren haben, eine berufliche Neuorientierung und versucht, sie wieder in Lohn und Brot zu bringen.

Markus Heimbrodt, Geschäftsführer der Speqtrum GmbH, und sein 18-köpfiges Team kümmern sich in ihrem Projektbüro in Langenfeld um mehr als 200 Mitarbeiter des Monheimer Konzerns Schwarz Pharma, deren Stellen abgebaut wurden.

Nach dem Ausstieg der Toyota Motorsport GmbH aus der Formel1 warten 204 Mitarbeiter aus der ehemaligen Motorenschmiede in der Transfergesellschaft auf einen neuen Job. Ebenso wie Arbeitnehmer zahlreicher anderer Unternehmen aus der Region, wie die ehemaligen Mitabeiter einer Düsseldorfer Bank, eines Maschinenbauers aus Solingen und eines Automobilzulieferers aus Remscheid. Die Erfolgsquote der Transfergesellschaft der SKP lag im vergangenen bei 72 Prozent. "Kein schlechtes Ergebnis in Zeiten der Wirtschaftskrise", meint Heimbrodt.

Kfz-Mechaniker Priem hat nach zwei Absagen noch vier Bewerbungen ausstehen. Doch für viele Arbeitgeber ist der Kfz-Mechaniker überqualifiziert. "Aber das Schlimmste in unserem Job ist es, dass wir im Formel-1-Werk zehn Jahre von der Entwicklung bei den Straßenautos überhaupt nichts mitbekommen haben." In dieser Zeit hat Priem rund 180Hochleistungsaggregate gebaut.

Mit den Piloten Mika Salo, Alla McNish und später auch Ralf Schumacher und Timo Glock im Toxota-Cockpit hat Priem stets mitgefiebert. Nicht an der Rennstrecke, sondern vorm heimischen Fernseher. "Ich war nur einmal, 2002, bei Tests in Barcelona an der Rennstrecke dabei." Ansonsten arbeitete er nur im Werk."

Die sportliche Begeisterung für Toyota schwand von Saison zu Saison. "Zuletzt habe ich aus Existenzangst mitgefiebert." Trotz der größen Etats im Formel-1-Zirkus fuhr Toyota den Spitzenteams hinterher. Der Ton aus Japan wurde schon drei Jahre vor dem Ausstieg schärfer. Ohne einen Sieg, das war im Kölner Werk allen klar, wird Toyota seine Formel-1-Boliden verschrotten. Zu dieser Zeit spotteten sogar Priems Freunde über die japanische Erfolgslosigkeit. "Warum seid ihr so schlecht, obwohl ihr so viel Geld habt, bin ich immer wieder gefragt worden."

Trotz einer ungewissen Zukunft möchte Priem die Zeit bei Toyota aber nicht missen. "Das war schon etwas ganz Außergewöhnliches." Und er vertraut darauf, mit Hilfe von Speqtrum bald wieder einen Job zu finden. Auch wenn er dann nicht mehr so viel Geld wie bei der Toyota Motorsport GmbH verdient.

Franz Kaiser (53), ehemaliger Chassisbauer des Toyota-Formel-1-Teams, hat bereits einen neuen Arbeitgeber gefunden. "Am 8.Juli in der Früh geht’s in München in den Flieger nach Amerika", sagt der Österreicher. Er bleibt dem Motorsport treu, heuert bei "Fibreworks" in North Carolina an und hofft, bald Chassis für amerikanische Rennautos zu bauen. Kaiser wäre gern in der Formel 1 geblieben. "Aber ein neues Reglement des Motorsportweltverbandes zwingt die Teams, Personal zu entlassen. "Die meisten haben zwischen 500und 600 Angestellte. Sie dürfen aber künftig nur noch 360 Mitarbeiter haben."