Verbraucherzentrale: „Wir raten, wieder Bargeld ins Portemonnaie zu stecken“

Verbraucherzentrale: „Wir raten, wieder Bargeld ins Portemonnaie zu stecken“

Angesichts des Kreditkarten-Chaos empfiehlt die Verbraucherzentrale, wieder mit Münzen und Scheinen zu zahlen. Laut Sparkassenverband ist eine Lösung in Sicht.

Mettmann. Es ist die Geißel der Technik, die derzeit den bargeldlosen Zahlungsverkehr in halb Deutschland lahm legt. Von bis zu 30 Millionen Kunden ist die Rede. Ihre EC- und/oder Kreditkarten versagen den Dienst, weil die Jahreszahl "2010" von den Scannern in Banken, Sparkassen, Geschäften und Tankstellen nicht gelesen werden kann.

"Wir raten dringend, wieder Münzen und Scheine ins Portemonnaie zu stecken", empfiehlt Constanze Niepenberg von der Verbraucherzentrale Langenfeld. Denn wo die Technik versage, müsse halt die gute, alte Methode des Bargeldverkehrs wieder her.

Während das Problem mit den EC-Karten laut Deutschem Sparkassen- und Giroverband spätestens am Montag behoben sein soll, steht das Thema "Kreditkarten" möglicherweise noch länger auf der Tagesordnung. Allerdings vermeldete der Verband am Donnerstag Abend, dass man auch hier kurz davor stehe, eine Lösung zu haben. So sollen die alten Karten mit einer neuen Software ausgestattet werden.

"Das würde natürlich eine kostspielige Umtauschaktion überflüssig machen", sagte Stefan Noack, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse in Langenfeld. Schließlich seien allein bei seinem Kreditinstitut 16 000 Kunden betroffen. Bis es aber so weit sei, gelte: Neben Bargeld sollte jeder Kunde, der beides - EC- und Kreditkarte - hat, auch beides mitführen.

Das meint auch Constanze Niepenberg: "Natürlich hat man bei der Fahrt an die Zapfsäule nicht immer ein pralles Portemonnaie bei sich." Daher sollte in jedem Fall auch die für den täglichen Bedarf gedachte EC-Karte nicht fehlen. "Schließlich funktioniert sie wohl weitestgehend wieder."

Sollte jemand tatsächlich mal komplett "ohne", also ohne Plastikkarte und Bargeld, dastehen, rät die Verbraucherschützerin, mit möglichen Kosten zur nächsten Bankfiliale zu gehen. "Musste ich beispielsweise mit dem Taxi zur Tante, um mir bei ihr Geld zu borgen, weil ich die Benzinfüllung sonst nicht hätte zahlen können: die Rechnung aufbewahren und vorstellig werden." Allerdings liege es im Ermessen des Kreditinstituts, ob es für diese Kosten auch tatsächlich aufkommt.

Den Gang zur "Bank Ihres Vertrauens", wenn mit der Kreditkarte etwas nicht stimmt, empfiehlt auch Bernhard Lück von der Kreissparkasse Düsseldorf. "Kann mit der Karte nicht gezahlt werden, sollte sich sofort gemeldet werden. Am besten direkt bei uns im Haus."

Das findet auch sein Kollege Jochen Schäfer von der Sparkasse Hilden, Ratingen, Velbert: "Zunächst sollte jeder Kunde mal versuchen, Geld abzuheben oder per Karte zu bezahlen. Gibt es Probleme, stehen wir bereit. Zur Not, wenn beispielsweise jemand im Ausland Zahlungsprobleme bekommt, weil die Kreditkarte nicht funktioniert, sind wir durchaus willens und in der Lage, mit einer Ausnahmeüberweisung aus der Patsche zu helfen."

Allerdings rät Jochen Schäfer zurzeit davon ab, sich im Ausland auf das "Plastikgeld" zu verlassen. "Jeder, der verreist, sollte genug Bargeld oder sogar Reiseschecks dabei haben. Wobei letztere Lösung sogar die bessere ist, weil Reiseschecks bei Verlust von den Kreditinstituten ersetzt werden."

Auf einer Insel der Glückseligen scheint übrigens die Raiffeisenbank in Monheim zu liegen. "Bei uns gab und gibt es überhaupt keine Probleme", sagte Marketing- und Vertriebsleiterin Petra Kuschel am Donnerstag.

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