Wülfrath : Zug in Rohdenhaus: Ärger um Filme ab 18

Angeblich wurden Sex- und Horrorfilme von einem Mottowagen geworfen. Rechtliche Konsequenzen werden geprüft.

Der Rosenmontagszug in Rohdenhaus stand diesmal unter keinem guten Stern. Zuerst war er wegen des stürmischen Wetters auf der Kippe und nun droht ein Nachspiel wegen Wurfmaterials, das angeblich von dem Mottowagen „Die fleißigen Engel“ geworfen wurde. Es handelte sich nach Angaben vom Kalkstadtnarren-Vorsitzender Roger Szielenkewitz offenbar um Sex- und Horrorfilme, die freilich nichts in den Händen von Kindern zu suchen haben. Er habe erst spät davon erfahren. Das Thema war in den Sozialen Medien aufgegriffen worden. mehrere Eltern posteten Fotos und Kommentare, die sich um den Vorfall drehten. Hauptkritikpunkt: Kinder, die gerade einmal das Schulalter erreicht hätten, haben solche Filme in ihre Tüten gepackt.“ Ohne zu wissen, worum es sich handele. Auch das Ordnungsamt prüft inzwischen die Vorkommnisse, wie Stadtsprecherin Franca Calvano der WZ mitteilte.

Kalkstadtnarren-Vorsitzender macht sich Sorgen um das Image

Völlig entsetzt zeigte sich Roger Szielenkewitz im Gespräch mit der WZ: „Ich habe noch keinen Beweis, aber Eltern haben mich angesprochen. Ich habe ihnen geraten, sich an die Polizei zu wenden und sich rechtlichen Beistand zu nehmen.“ Der KSN-Vorsitzende erwartet „von jedem normal denkenden Menschen“, solche Filme nicht ins Narrenvolk zu werfen. Die Kalkstadtnarren können nicht jeden Mottowagen dahingehend überprüfen, was als Wurfmaterial vorgesehen sei.

Gerade der Rosenmontagszug in Rohdenhaus ziehe seit mehr als 30 Jahren besonders Familien an, die auch aus den umliegenden Städten kommen, weil es dort für die Kleinen besonders schön ist. „So einen Sch… haben wir noch nie gehabt“, schimpfte Roger Szielenkewitz. Er hat nun mehrere Sorgen. „Inwieweit haften wir als Veranstalter dafür, wie sehr schadet das in Zukunft unserem Zug, wie können wir den Image-Verlust korrigieren?“, so der Vorsitzende.

Natürlich verfügten die Kalkstadtnarren über eine Vereinsrechtsschutzversicherung, aber vor allem der Ruf sei beschädigt. „Irgendwann sagen die Eltern zu ihren Kindern, da gehst du nicht mehr hin“, befürchtet Szielenkewitz. Er wird sich zeitnah mit seinen Vorstandskollegen treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Das sei in der Karnevalszeit nicht von jetzt auf gleich möglich. Er versicherte jedoch, nicht den gesamten Rosenmontagszug in Frage zu stellen. „Auch im nächsten Jahr wird es sicher einen geben.“

Franca Calvano sagte, das Ordnungsamt prüfe derzeit die Vorwürfe. „Wenn es stimmt, dass Sex- und Horrorfilme geworfen wurden, dann ist dies eindeutig ein Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz“, so die Sprecherin. Ordnungsamtsleiter Sebastian Schorn habe auch aus den Sozialen Medien von diesem Thema erfahren. Wie die Stadt reagieren wird, sei noch nicht klar.

Martin Momcilovic, Chef des Mottowagens „Die fleißigen Engel“, betonte im Gespräch mit der WZ, dass es niemals Absicht gewesen sei, solche Filme zu werfen: „Wir müssten ja total bescheuert sein.“ Man habe neben den – bis maximal FSK 16 bestellten – Filmen auch 170 Fußbälle, 40 Hüpfbälle und jede Menge Süßigkeiten dabei gehabt, Alkohol nur an Erwachsene ausgegeben. Man könne angesichts der Menge des Wurfmaterials schon etwas übersehen, und er werde sich bei jedem entschuldigen, wenn es sich herausstelle, dass tatsächlich solche Filme von seinem Mottowagen stammten, aber Vorsatz möchte er sich nicht unterstellen lassen. „Wir haben es nicht gesehen“, versicherte der gebürtige Wülfrather. „Ich bin stinksauer, dass niemand mit mir geredet hat“, stellte Martin Momcilovic fest.

Sein Team unterstütze den Karnevalsumzug seit sechs Jahren, er habe immer geholfen, wo er könne. Dass jetzt nur Kritik auf ihn einprassele, mache keinen Spaß. Martin Momcilovic kündigte an, rechtliche Schritte gegen den Vorsitzenden der Kalkstadtnarren in die Wege leiten zu wollen. Außerdem sei er aus dem Verein ausgetreten. „Es gibt andere, die uns gerne dabei haben wollen.“