Wülfrath : Stadt soll Zeittunnel-Betrieb 2021 abgeben

Im Hauptausschuss folgen CDU und FDP dem WG-Antrag, sich zum 31. Dezember 2020 aus der Trägerschaft zu verabschieden. SPD, Grüne und Linke stimmen dagegen. Sie befürchten auch einen Imageschaden.

Die Stadt gibt den Betrieb des Zeittunnels zum Jahresende 2020 auf. Diese Empfehlung sprach der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend mit 8:6 Stimmen dem Stadtrat aus, der am 4. Dezember entscheidet. Die Mehrheit aus CDU, WG und FDP ist davon überzeugt, dass sich das finanziell klamme Wülfrath die Betriebskosten für das erdgeschichtliche Museum von 180 000 Euro jährlich, das entspricht rund 1000 Euro pro Öffnungstag, nicht länger leisten kann. Diese Fraktionen wünschen sich die Übernahme durch den Kreis Mettmann beziehungsweise eine Touristikgesellschaft oder einen potenten Sponsor.

Für die WG und die SPD kam das Abstimmungsergebnis wohl überraschend zustande. Jüngst hatte Wolfgang Peetz, Fraktionsvorsitzender der Wülfrather Gruppe, noch im Gespräch mit der WZ prognostiziert, dass die in Sondierungsgesprächen mit der CDU erzielte Einigung über den Zeittunnel-Ausstieg zugunsten der gemeinsamen Haushaltsanträge mit SPD und Grünen geopfert wurde. „Den Zeittunnel-Antrag hat die CDU mit Rücksicht auf die SPD aufgeben müssen“, sagte Wolfgang Peetz. Die Sozialdemokraten äußerten sich im Hauptausschuss nicht zum Thema. „Wir sind davon ausgegangen, dass wir uns mit der CDU, die uns inhaltlich bei der Frage gespalten erschien, noch vor der Ratssitzung austauschen würden“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Manfred Hoffmann der WZ gestern Morgen. Noch in der Nacht zum Mittwoch hatte die SPD ihre Worte wiedergefunden und per Pressemitteilung schriftlich reagiert. Spricht nun von einem falschen Siganal, das Fördergeldgeber vor den Kopf stößt, einem Imageverlust für die Stadt und davon, dass „Wülfrath damit aus dem sich entwickelnden touristischen Netzwerk Neanderland weiter ausgeklammert wird“.

„Der Antrag der WG ist gut. Den hätten wir auch zusammen stellen können“, erklärte jetzt Axel Effert, Fraktionsvorsitzender der CDU, im großen Sitzungssaal des Rathauses. SPD, Grüne und Linke sehen das anders und stimmten dagegen. „Welche Außenwirkung für die Stadt ist mit diesem Antrag beabsichtigt?“, fragte Stephan Mrstik (Grüne) rethorisch in Richtung WG.

Mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), dem Kreis Mettmann und Lhoist Germany habe man Partner für die Reaktivierung und Modernisierung der Ausstellung im Zeittunnel gefunden und nun ziehe man sich aus dem gemeinsamen Konzept einfach zurück. „Wer will bei solch einem unzuverlässigen Partner noch Sponsor sein?“, fragte Mrstik. Mit dem Ausstieg zum 31. Dezember 2020 werde ein Ultimatum gestellt und die Schließung in Kauf genommen.

Mit teuren Folgen für das Stadtsäckel: Bürgermeisterin Claudia Panke führte aus, dass bei einer Schließung des Museums Fördergelder im Gesamtvolumen von 550 000 Euro zurückgefordert werden können. Kämmerer Rainer Ritsche verwies zudem vor dem Beschluss darauf, dass der Kreis Mettmann auch von den bereits zugesagten 60 000 Euro für die Attraktivierung des Außengeländes Abstand nehmen wird.

Wolfgang Peetz erinnerte Stephan Mrstik an dessen eigen Etatrede, in dem der Gründe konstatiert hatte, dass Wülfrath künftig Großprojekte wie den Zeittunnel nicht mehr finanziell stemmen könne. Für die WG gebe es angesichts der Strategie „Wülfrath 22 plus“ vorrangige Dinge, um Menschen nach Wülfrath zu locken. Es sei an der Zeit, dass nach Jahren der Forderung, für den Zeittunnel müsse ein anderer Träger gefunden werden, auch Taten folgen. Es handele sich um keinen Schließungsbeschluss, sondern um den Auftrag, den Betrieb in andere Hände zu übergeben.

„Der Zeittunnel ist keine städtische Maßnahme, sondern eine Einrichtung von kreisweiter Bedeutung. Schon vor vier Jahren bekam ich zu hören, dass der in spätestens zwei Jahren beim Kreis ist. Es muss etwas passieren, Worten müssen auch Taten folgen“, sagte Axel Effert. Die Christdemokraten wollten von Bürgermeisterin Claudia Panke wissen, ob es weitere Gespräche bezüglich einer Kreisträgerschaft gegeben ­habe.

Der Kreis ist erster, aber nicht
alleiniger Ansprechpartner

„Landrat Thomas Hendele hat sich bei der Wiedereröffnung sehr positiv über den Zeittunnel geäußert. Über das Ob, Wann und Wie der Gründung einer Touristik GmbH kann ich nichts sagen“, so Wülfraths Bürgermeisterin Claudia Panke und fügte hinzu: „Ich glaube, wir müssen an anderer Stelle Gespräche führen und das tue ich auch.“ Deutete die Bürgermeisterin damit ein Sponsoren-Modell für den Erhalt der Museumsröhre an? Näheres wollte sie zumindest im öffentlichen Teil der Sitzung nicht preisgeben, weil sie dafür noch kein Plazet habe.

SPD-Fraktionsvorsitzender Manfred Hoffmann bezweifelt, dass es tatsächlich zu der von der WG angeführten Ersparnis von 150 000 Euro pro Jahr kommt. „Die Bewirtschaftung des Geländes und des Tunnels, wie auch die Kosten für die Sicherungspflicht nach Schließung wurden nicht verifiziert.“ Wenn die Förderung des Kreises für ein attraktives Außengelände ausbleibe, gefährde dies auch den Betrieb des Cafés und Veranstaltungen wie das Tunnelflimmern, Apfelfest oder Open-Air-Konzerte am Panoramaradweg. Für die SPD bleibe es dabei: „Der Zeittunnel ist neben dem erdgeschichtlichen Bildungsangebot ein Ort für kulturelle Angebote und ein überzeugendes Beispiel für die Rekultivierung einer Industriefläche. Kultur, Umwelt und Natur zeigen hier eine Symbiose, die im Neanderland ein Alleinstellungsmerkmal hat.“