Wülfrath : Zeittunnel: Förderverein als Träger?

Für Kämmerer Rainer Ritsche ist eine Lösung wie beim Niederbergischen Museum denkbar. Ein Ergebnis steht aber aus.

Die Folgen des von CDU, Wülfrather Gruppe, FDP und der parteilosen Bürgermeisterin Claudia Panke gegen den eigenen Verwaltungsvorschlag gefassten Ratsbeschlusses, dass sich die Stadt Ende 2020 als Betreiber des erdgeschichtlichen Museums Zeittunnel zurückzieht, wird die Politik noch einige Zeit beschäftigen. Das wurde bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Kultur, Sport und Freizeit im Rathaus deutlich.

„Eigentlich hatten wir ja vor, uns unmittelbar vor Saisonstart am Zeittunnel selbst ein Bild von der Neugestaltung des Geländes zu machen. Doch das erübrigt sich, denn der Kreis Mettmann hat die zugesagten 60 000 Euro für die Außengestaltung nach dem Beschluss über den Trägerschafts-Ausstieg nicht frei gegeben“, informierte Zeittunnel-Leiterin Andrea Gellert. „Wer hat das Einfrieren beschlossen?“, wollte daraufhin Andreas Seidler (CDU) wissen. Ein solcher Beschluss war weder ihm als Kreistagsmitglied noch SPD-Ausschuss- und Kreistagskollegin Renate Theis bekannt. „Ich habe die Info von Frau Dr. Bußkamp von der Kultur- und Tourismus-Abteilung des Kreises auf telefonische Nachfrage erhalten. Dass das möglicherweise so kommt, darauf hatten wir bereits im Hauptausschuss im November hingewiesen. Der Kulturabteilung des Kreises erachtet den Betrieb des Zeittunnels über 2020 hinaus als nicht gesichert und fordert daher erst ein Konzept von uns, wie eine Trägerschaft über 2020 hinaus gesichert werden kann“, klärte Kämmerer Rainer Ritsche auf.

Einen Plan für die Gestaltung vor dem Tunnel habe die Verwaltung aber auch noch nicht, weil alle Kräfte bei der Überarbeitung der inzwischen umgesetzten Überarbeitung der Ausstellung im Musuem gebunden waren. „Das ist ein Problem der Kapazitäten“, räumte Ritsche ein.

 „In der Ratssitzung vom 27.­September 2016 wurde festgelegt, dass die städtische Kuturarbeit am Zeittunnel – Tunnel und Gelände als Einheit – verortert wird. Es wurde die , Marke Zeittunnel’ eingeführt. Damit ist jede Entscheidung, die über den Zeittunnel getroffen wird, auch eine Entscheidung über die städtische Kulturarbeit“, erklärte Melanie Brans , warum die SPD-Fraktion zum aktuellen Sachstand noch mehrere Fragen an Bürgermeisterin Panke habe. Doch für die erkrankt fehlende Verwaltungschefin mussten Ritsche und Gellert antworten, beziehungsweise auf den nächsten Hauptausschuss am 19. März vertrösten.

Der LVR-Förderbescheid ist an
die Betriebsdauer gekoppelt

Hat die Verwaltung nach den Ratsbeschluss vom 4. Dezember die ehrenamtlich Tätigen kontaktiert und welche Ergebnisse konnte die Bürgermeisterin seither in Gesprächen mit dem Kreis Mettmann, dem Landschaftsverband Rheinland und der Firma Lhoist als Fördermittelgeldgeber erzielen? Ist zu befürchten, das Fördergelder zurückgezahlt werden müssen?, wollte die SPD unter anderem wissen.

„Wir haben den Vorsitzenden des Fördervereins Zeittunnel, Herrn Dr. Becker, jeweils am Tag nach der Entscheidung im HFA und Rat telefonisch informiert“, sagte Rainer Ritsche. Wirtschaftsförderere Karsten Niemann und Andrea Gellert hätten zudem Gespräche mit dem Förderverein geführt, „der – siehe das Beispiel Niederbergisches Museum – ein möglicher künftiger Träger sein könnte“, fuhr Ritsche fort. Über Ergebnisse könne er aber noch nicht berichten.

„Die Bürgermeisterin hat Landrat Thomas Hendele informiert. Zwischen dem Kreis und Wülfrath gibt es keine schriftlich formulierten Bescheide oder Bedingungen für die Förderung“, sagte der Kämmerer. Der Förderbescheid des LVR sei hingegen an die Betriebsdauer gekoppelt. „Es drohen Rückzahlungen sowie die Verzinsung nicht verbrauchter Fördermittel“, so Ritsche. Die Verwaltung prüfe gerade, ob ein Trägerübergang auch an eine bestimmte museumspädagogische Qualifikation gebunden sei. Auch mit Lhoist habe es ein klärendes Gespräch gegeben, „aber der Sponsoring-Vertrag ist mir in der Tiefe nicht bekannt. Über etwaige Rückzahlungen können wir bis zum HFA informieren“, so Ritsche.

Wie schnell das im Haushaltssicherungskonzept zugrunde gelegte Einsparpotenzial von 185 000 Euro jährlich bei Beendigung der städtischen Trägerschaft für die Museumsröhre zu realisieren sei, auch diese Frage konnte Ritsche nicht beantworten. „Wir müssen das vorhandene Personal nachqualifizieren und sinnvoll weiter beschäftigen, insofern sind hier nur mittelfristig Kosteneinsparungen möglich. Außerdem laufen Abschreibungen weiter, es muss eine Mindestbeheizung und es wird auch noch in geringem Umfang weitere Fixkosten geben. Wir haben die Folgen einer Sofortschließung noch nicht durchgeprüft. Fest steht, das dies zu einer Liquiditätsminderung führen würde“, schloss der Kämmerer.