Zeittunnel bietet wieder Führungen an

Nach der Erneuerung der Ausstellung gibt es in der 160 Meter langen Röhre viel Neues zum Thema Erdgeschichte und Kalkabbau zu entdecken.

Wülfrath. Nach der umfangreichen Modernisierung des Zeittunnels gibt es jetzt wieder Führungen. Der Zeittunnel, das ist ein 160 Meter langer Transporttunnel der ehemaligen Kalkarbeiter aus dem Bochumer Bruch. 400 Millionen Jahre Erdgeschichte werden in der Dauerausstellung nachvollzogen. Boris Isfort ist einer von vier Führern, die Besucher durch den Zeittunnel leiten.

„Nehmen Sie sich Decken mit, im Tunnel kann es kühl werden“, rät Isfort seinen Gästen und beginnt, zu erzählen. Der Tunneldurchstich erfolgte 1920, doch der Betrieb wurde hier 1958 schon wieder eingestellt. Der Kalkstein-Abbau hat in Wülfrath allerdings eine wesentlich längere Tradition. Kalkstein sei wichtig, nicht nur bei der Zement- und Stahlherstellung, sondern wird unter anderem auch für die Produktion von Kosmetika benötigt. „Wir nennen ihn deshalb auch heimisches Gold“, sagt Isfort.

Gleich am Eingang weist er auf die erste Neuerung hin. Luftbilder von den Steinbrüchen rund um Wülfrath sind zu sehen, bevor es weiter in das Innere des Tunnels geht. „Die Erde ist 4,56 Milliarden Jahre alt“, erfahren die Zuhörer. Auf einem beleuchteten Schaubild ist ihre Entstehung als Kalenderjahr abgebildet. „Der Mensch lebt nach diesem Kalender eigentlich erst vier Minuten“, betont der Experte in Sachen Erdgeschichte. Veranschaulichen könne man das Ganze anhand einer Toilettenpapierrolle mit 460 Blatt Papier. Wenn jedes Blatt 10 Millionen Jahre darstelle, bliebe nur eine ganz kleine Faser für die letzten 2000 Jahre.

Zu den auf den überarbeiteten Panoramatafeln abgebildeten acht verschiedenen Erdzeitaltern hat er jede Menge Informationen parat, die bei den Besuchern gut ankommen. „Das ist wirklich unvorstellbar und man kann sich gar nicht alles merken“, gibt eine Dame aus Ratingen zu bedenken. „Ich finde den Zeittunnel sehr interessant“, sagt Holger Sausner aus Wülfrath, der auch seinen Sohn Lasse (8) mitgebracht hat. An vieles, was man auf den Panoramawänden lesen kann, könne er sich noch aus der Schule erinnern. Auch Lasse macht einen zufriedenen Eindruck, genauso wie die anderen Kinder, die interessiert zuhören.

„Ich sehe ein Meer mit Fischen“, berichtet ein kleiner Junge, der durch ein Guckloch schaut, durch das man Wülfrath vor 400 Millionen Jahren sehen kann. „Im Devon lag alles hier unter Wasser und aus den Korallenriffen entstand der Kalk“, klärt Isfort auf. Die neunjährige Juna aus Köln weiß sogar, was es mit dem abgebildeten Quastenflossler auf sich hat: „Bis vor kurzem dachte man, dass er ausgestorben ist“, beeindruckt sie mit ihrem Wissen. „Ich gucke immer Dokumentationen mit meinem Vater“, erzählt sie. Später wolle sie Meeresbiologin oder Geologin werden.

„Im Karbon neigte alles zu Riesenwuchs“ erzählt der Zeittunnel-Experte an der nächsten Stellwand. In einer der neuen Videosequenzen ist eine Riesenlibelle mit einer Spannweite von fast 80 Zentimetern zu sehen. „Ich kann gar nicht alles Neue einbauen“, betont Isfort, der so viel Wissen weitergeben möchte, dass er in Zeitverzug gerät.

Wie vor der Modernisierung auch, so können Kinder — mit Schonern und Handschuhen ausgerüstet - das Kriechen der Echsen im Zeitalter Trias nachmachen. Auch das Video mit den pflanzenfressenden Dinosauriern am Strand kommt Besuchern, die schon vor der Modernisierung die Ausstellung gesehen haben, bekannt vor.

Den Menschen mache aus, dass er bereits vor 35 000 Jahren damit begonnen habe, Musik zu machen und Skulpturen herzustellen, wie zahlreiche Funde beweisen, beendet Isfort seinen Vortrag. „Und unsere Generation hat es in der Hand, wie es auf der Erde weitergeht“, gab er mit auf den Weg, bevor es aus dem Tunnel raus auf die Aussichtsplattform ging, die einen beeindruckenden Blick auf den stillgelegten Bochumer Bruch bietet.