Wülfrath Wülfrather dichtet Klimaschutzhymne

Wülfrath. · Frithjof Kuhlmann hat sich zur Melodie von „Bella Ciao“ einen neuen Text ausgedacht.

 Frithjof Kuhlmann ist Mitglied der Gruppe „Parents for Future“. Auf lange Sicht will er mit seinen Mitstreitern ein ganzes Album schreiben.

Frithjof Kuhlmann ist Mitglied der Gruppe „Parents for Future“. Auf lange Sicht will er mit seinen Mitstreitern ein ganzes Album schreiben.

Foto: Lars Mader

Die durch Bühnenmeister Frithjof Kuhlmann und Waldpädagogin Uta Wittekind von den „Parents for ­Future“ neugedichteten Strophen der Protesthymne „Bella Ciao“ sind zuletzt bei der Kundgebung von „Fridays for Future“ vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg zur Aufführung gekommen. Autor Kuhlmann ließ es sich nicht nehmen, mit hohen Erwartungen zur Bühnenpremiere in die Hansestadt zu fahren: „Wenn jemand beim Klimaschutz vorangehen kann, dann eine Großstadt wie Hamburg, die viele kluge Köpfe hat und auch Geld. Was dort entsteht, kann womöglich auch in kleinen Kommunen umgesetzt werden.“

40 Chöre nahmen an der Inszenierung auf dem Heiligengeistfeld zwischen Millerntorstadion und Reeperbahn teil. 20 000 Textblätter mit den von Kuhlmanns und Wittekind verfassten Zeilen und Namen darauf wurden an die rund 50 000 Demonstraten verteilt. Zum Aufwärmen sagen „Fettes Brot“, anschließend sprach Greta Thunberg, der Frithjof Kuhlmann ein herzliches „Hallo Greta!“ zurief.

Doch die konzentrierte Schwedin ging wie immer schnurstracks ihrer Wege. Nun nahmen die Chöre die Bühne ein. Mit seinen Tontechnikkenntnissen konnte der Wülf­rather Kuhlmann noch bei der Positionierung vor den Mikrofonen helfen. „Ich hatte erst einen Kloß im Hals, aber zwei Sekunden später war ich voll auf Sendung“, schildert er den berühmten Moment vom Wegsingen des Lampenfiebers. Der begleitende Pianist hatte Strophe für Strophe einen Halbton höher zu einer imposanten Klimax gesetzt. Jede Strophe wurde zweimal gesungen – zunächst von den Chören, dann von der gesamten Menge. „Ich bin schon stolz darauf, und mein Papa ist auch stolz“, schmunzelt der für Klima- und Umwelt engagierte Kuhlmann, der seinen Vater gleich nach dem Vortrag anrief, um ihm vom „überwältigenden Erlebnis“ zu berichten. Nach einem letzten Wortbeitrag löste sich die Kundgebung auf, und Kuhlmann kehrte mit dem Bus 22 Stunden nach seiner Abfahrt und weit nach Mitternacht heim. Aus dem so malerisch anmutenden Wülfrath finden die Klimastrophen weiterhin ihren Weg in andere Städte. Zuletzt meldete sich ein Gospelchor aus Bad Honnef, der den Text einstudieren möchte.

In der Kalkstadt war das kämpferische Lied bereits bei den Demo-Zügen am 20. September und am 29. November zu hören. Auch beim geplanten fünften globalen Klimastreik am 24. April wird das „­Parents for Future“-Chörchen erneut vor der Sparkasse und dem Rathaus singen. Und während quasi deutschlandweit diese Klimahymne gesungen wird, plant der umtriebige Autor weitere Lieder.

Ein ganzes Album mit Wülf­rather „Parents for Future“-Liedern nennt Kuhlmann „ein mittelfristiges Fernziel“. „Die weißen Tauben sind müde“ von Hans Hartz könnte die nächste Basismelodie sein. Dieses Lied ist allerdings recht schwermütig und wohl nicht als Demo-Hit geeignet. „We are the World“ von USA for Africa wäre eine weitere Kreativherausforderung, meint Kuhlmann: „Es kann aber sein, dass ich schon morgen etwas anderes höre, das ich dann umdichte.“ Wenn man euphorisiert werde, wie durch den Anruf mit der Strophenbitte der Hamburger „Artists for Future“ Ende Januar geschehen, könne eine schöne Strophe schon nach 20 Minuten herauskommen. Seine Nachbarn – er probt Zuhause am Piano – sagen übrigens über Kuhlmanns Klangkunst: „Er macht ja schöne Musik, aber leider sehr leise.“