Wülfrath Wülfrather wehrt sich gegen Jugendarrest

Wülfrath/Wuppertal. · Der Mann soll vor einer Diskothek in Oberhausen zwei Frauen attackiert haben.

 Eine der beiden Frauen kam nach dem Angriff des Wülfrathers erst im Rettungswagen wieder zu sich.

Eine der beiden Frauen kam nach dem Angriff des Wülfrathers erst im Rettungswagen wieder zu sich.

Foto: dpa

Ein Angeklagter aus Wülfrath soll betrunken an einer Diskothek in Oberhausen zwei 18 und 19 Jahre alte Schwestern mit Prügel attackiert haben, dass die Ältere erst im Rettungswagen wieder aufwachte. Die Jüngere habe sich nach einem Schlag auf ein Auge mit vorübergehenden Sehstörungen panisch in die Notaufnahme einer Fachklinik begeben. So lauten die Vorwürfe gegen einen arbeitslosen Mann Anfang 20 in der Berufung vor dem Landgericht Wuppertal. Der Angeklagte gibt an, er sei Kampfsportler. Nach der Schlägerei soll er wiederum binnen Minuten Opfer einer Gegenaktion von bis zu vier Bekannten der Frauen geworden sein. Dazu läuft ein eigenes Strafverfahren vor einem anderen Gericht.

In seinem Prozess erklärte der Mann, er wolle unbedingt ein weiteres Mal verhandeln: „Die Zeugen haben gelogen. So ist es nicht gewesen.“ Der Angeklagte wehrt sich vor dem Landgericht gegen zwei Wochen Dauerarrest. Die hat das Amtsgericht in Mettmann nicht rechtskräftig nach Jugendrecht gegen ihn verhängt - um Mängel der Erziehung zu beseitigen. Hintergrund des Aufeinandertreffens in Oberhausen am 23. Februar 2019 war ein Streit um Beleidigungen. Der Angeklagte war morgens um vier Uhr mit einem Freund in der Disko. Die beteiligten Gruppen hatten einander nie zuvor gesehen.

Der Angeklagte soll sich mit einem „verpisst Euch mal vor mir“ an den Frauen vorbei gedrängelt haben. Als Antwort sei „Hurensohn“ zurückgekommen. Der Angeklagte soll der älteren Schwester ins Gesicht gespuckt haben. Kurz darauf habe er zugeschlagen.

Der Angeklagte gab an, sich selbst bestens unter Kontrolle zu haben

Der Angeklagte hingegen erklärte, die Frauen hätten ihn attackiert. Er sei überhaupt nicht gewalttätig, sondern habe sich bestens unter Kontrolle. Die Nachfrage des Gerichts: „Wie kann es dann sein, dass eine der Frauen bewusstlos da lag? So wie Sie es sagen, hat es nicht einmal ihr Freund berichtet.“

Der Angeklagte ließ das offen. Dass er schwere Zeichen von Alkoholisierung zeigte, bestätigten mehrere Zeugen. Er soll sich an einem Streifenwagen erbrochen haben, als die Polizei schließlich da war.

Die Beamten hatten ihn in einem Gebüsch entdeckt, wo er sich anscheinend vor seinen Verfolgern versteckte. Bei der Flucht soll er sogar seine Schuhe verloren haben.

Der Wülfrather lebt bei seiner Mutter und hat laut eigener Angaben Chancen auf einen Ausbildungsplatz in der Metallindustrie. Kurz vor dem Geschehen in der Disko hatte ihn das Jugendgericht zu Freizeitarrest und Geldzahlung verurteilt, wegen Betrugs. Ein Sozialarbeiter des städtischen Jugendamts sagte über ihn: „Mit einer Ausbildung wäre er eigentlich auf einem guten Weg. Eine Entschuldigung hätte ich stark gefunden.“ Und ja, es gehe im Prozess um eine Situation, in der sich der Angeklagte einfach hätte umdrehen und weggehen können.

Das Gericht will am 9. März weiter verhandeln und voraussichtlich am selben Tag sein Urteil verkünden.