1. NRW
  2. Kreis Mettmann
  3. Velbert, Neviges und Wülfrath

Wülfrather Linke: „Straßennamen mit NS-Bezug entfernen"

Wülfrath : „Straßennamen mit NS-Bezug aus dem Stadtbild verbannen“

Die Ratsfraktion beantragt die Umbenennung des Ina-Seidel-Wegs in Esther-Bejarano-Weg.

Straßennamen mit NS-Bezug sind in deutschen Städten bis heute zu finden – auch in Wülfrath. Die Ratsfraktion Die Linke/Wülfrather Liste setzt sich gerade mit historisch fragwürdigen Persönlichkeiten auseinander. „Die Stadt Wülfrath beschließt die Umbenennung des Ina-Seidel-Wegs in Esther-Bejarano-Weg“, ist eine auf diesen Recherchen beruhende Forderung der Fraktion. Mit dem entsprechenden Antrag wird sich zunächst der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung am Dienstag, 14. September (17 Uhr, Rathaus, großer Sitzungssaal) und der Stadtrat am 29. September befassen.

Seidel hatte Hitler treueste Gefolgschaft geschworen

Zur Begründung führt Fraktionsvorsitzende Ilona Küchler aus: „1932 wurde Ina Seidel als zweite Frau in die Preußische Akademie der Künste berufen. Seidel identifizierte sich mit der Ideologie des Nationalsozialismus und gehörte 1933 zu den 88 Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die Adolf Hitler das Gelöbnis treuester Gefolg­schaft geschworen hatten.“ Die Initiative für das „Gelöbnis“ sei von der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste in Berlin ausgegangen, nachdem diese im Frühjahr und Frühsommer 1933 handstreichartig umgebaut und mit Anhängern des Nationalsozialismus besetzt worden war. Es erfolgte die Umbenennung in Deutsche Akademie der Dichtung. „1944 wurde Seidel von Hitler persönlich in die Gottbegnadeten-Liste aufgenommen. Dass ihr Name heute noch einen Straßenzug in Wülfrath ,ziert’, ist beschämend und zeigt auf, dass die Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus noch lange nicht abgeschlossen ist“ so Ilona Küchler wieter.

Mit der Umbenennung des Ina-Seidel-Wegs in Esther-Bejarano-Weg könne nach Überzeugung der Linken/Wülfrather Liste die Stadt deutlich machen, dass Menschen wie Seidel, die die Geisteshaltung des NS-Regimes teilten, in einer offenen und demokratischen Gesellschaft keinen Platz haben – auch nicht auf Straßenschildern. 

Die am 10. Juli dieses Jahres in Hamburg im Alter von 97 Jahren gestorbene Esther Bejarano war eine der letzten Überlebenden des Nazi-Terrors im KZ Ausch­witz. Sie war eine unermüdliche Kämpferin für Verständigung und Toleranz und gegen alle Formen von Hass, Faschismus und Rechtsextremismus. „Generationen von jungen Menschen lernten durch Gespräche mit ihr in den Schulen vom Holocaust. Ihre aufrechte Haltung, ihr vielfältiges Engagement für Demokratie und auch ihr Optimismus sollten uns Vorbild sein. Bejarano hatte die Nazis erlebt, sie musste die KZs Auschwitz und Ravensbrück durchstehen, ihre Eltern sowie eine ihrer Schwestern wurden von den Nazis ermordet. Und sie hat ihre Stimme genau deshalb mit einer unglaublichen Kraft gegen alle Formen rechter Hetze und Gewalt erhoben. Unsere Gesellschaft hat ihr viel zu verdanken. Setzen wir ein Zeichen und geben dieser mutigen Frau dauerhaft einen Platz in unserer Mitte. Tragen wir dazu bei, dass ihr Vermächtnis wachgehalten wird“, so die Fraktionsvorsitzende Ilona Küchler abschließend.