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Wülfrather Frauen feiern mutige Vorkämpferin Marie Juchacz

Wülfrath : Awo-Gründerin beeindruckt Frauen

Die Frauenrechtlerin Marie Juchacz war jetzt Thema beim Frühstück zum Weltfrauentag.

. Zum Internationalen Frauentag am 8. März hatte das Frauennetzwerk der Stadt Wülfrath zu einem Frühstück eingeladen. Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Gudula Kohn begrüßte rund 40 Teilnehmerinnen und erinnerte an die langwierige und schwierige historische Entwicklung der Frauenrechte, die maßgeblich von Marie Juchacz erstritten wurden. Ihr war auch die Lesung gewidmet, deren Texte von Ulrike Romund verfasst waren und von ihr selbst mit Bettina Molitor und Cornelia Weimar eindrucksvoll vorgetragen wurden.

Geboren in eine arme Familie, musste die lernbegeisterte Marie Juchacz mit 14 Jahren die Schule verlassen, um Geld zu verdienen. Was konnte ein Mädchen Ende des 19. Jahrhunderts anderes tun, als sich als Dienstmädchen zu verdingen, als Fabrikarbeiterin oder als Aufseherin in einer „Irrenanstalt“, so der damals gebräuchliche Ausdruck für eine psychiatrische Klinik, zu schuften. Sie sparte so viel wie möglich und konnte sich nach Jahren die Ausbildung zur Schneiderin erlauben. Ihre Ehe mit dem Schneidermeister Juchacz war unglücklich, sie ließ sich scheiden und siedelte mit ihrer Schwester und ihren beiden Kindern nach Berlin über, denn geschiedene Frauen und alleinerziehende Mütter wurden geächtet.

Kampf für Rechte der Frauen und Kinder und eine gerechtere Welt

In Berlin begann ihre Arbeit zunächst im vorpolitischen Raum, denn Frauen hatten weder Wahlrecht noch die Möglichkeit, einer Partei beizutreten. Juchacz aber wollte für die Rechte der Frauen und Kinder und eine gerechtere Welt kämpfen – und das Zitat „dienen lerne beizeiten das Weib“ aus Goethes „Herrmann und Dorothea“ war ihr verhasst und Ansporn für ihren Kampf. 1913 machte sie die Politik zu ihrem Beruf. 1918 erhielten die Frauen in Deutschland das Wahlrecht, am 1. Februar 1919 hielt die inzwischen ins Parlament gewählte Abgeordnete ihre erste Rede dort. Der Beginn sprach Bände: „Sehr geehrte Herren und Damen.“ Und im selben Jahr gründete die unermüdliche Kämpferin für soziale Gerechtigkeit die Arbeiterwohlfahrt. 1932, nach der Weltwirtschaftskrise und der Machtübernahme Hitlers, wurde die Awo verboten und Juchacz musste fliehen – die Nazis hatten sie auf ihre Mordliste gesetzt. Über Frankreich reiste sie in die USA und kehrte erst 1949 ins zerstörte Deutschland zurück. Es sollte noch bis 1977 dauern, dass Frauen – und nicht der Ehemann – entscheiden konnten, ob sie berufstätig sein wollten. eise