Wülfrath: Wie von Christo verhüllt

Unter hohem Sicherheitsaufwand hat am Gymnasium die Fassaden- und PCB-Sanierung begonnen.

Wülfrath. Wer trotz Sommerferien den Schulhof des Gymnasiums betritt, erlebt eine große Überraschung: Mitten auf dem Hof steht eine etwa drei Meter hohe Holzmauer, die das Schulgebäude abschirmt. Hinter der Mauer erkennt man die Schule nicht mehr wieder: Baugerüste, die mit weißen Planen bezogen sind, verdecken große Teile des Komplexes. Bei näherer Betrachtung wird klar, das kann keine Routine-Sanierung sein.

"Es sieht schon ein bisschen aus wie der eingepackte Reichstag von Christo", sagt Schul- und Sportamtsleiter Dietmar Ruda. "Und die Mauer ist nötig, damit niemand auf das Gelände kommt." Seit 15. Juli ist der Schulhof dicht und wird sogar bewacht, um neue Fassadenteile anzubringen, Schiebefenster einzubauen und PCB-Sanierungen durchzuführen.

Innen im Gebäude bietet sich ein ähnliches Bild wie auf dem Hof: Klassenräume, die betroffen sind, werden ebenfalls "abgeplant", wie die Fachleute sagen. Das so genannte "Containment" soll in diesem Fall verhindern, dass Giftstoffe über die Flure schweben. Denn beim Entfernen der Fugenmasse wird der krebserregende Stoff PCB (Polychlorierte Biphenyle) freigesetzt.

Wo sich sonst Schüler tummeln, werden Gerüste für die Planen gesägt, Fenster aus- und eingebaut und eben die Fugen entfernt - ein reges Gewimmel. "60bis 70 Leute sind hier bestimmt unterwegs. Das geht quer durch die Berufsgruppen - vom Fachingenieur für die PCB-Sanierung über den Trockenbauer bis zum Anstreicher", sagt Ruda.

Einer der Arbeiter ist Burim Mollakuqe von der Firma Kluge. Der 36-jährige Schadstoffsanierer geht täglich hinter die Planen in den so genannten Schwarzbereich. Dieser ist vom PCB kontaminiert, wenn das Fugenmaterial aus der Fassade gelöst wird.

Von außen sieht es allerdings spektakulärer aus, als es ist, findet Mollakuqe. "Da drin ist alles sauber. Wir müssen halt durch eine Sicherheitsschleuse." Dort befinden sich ein Sauger, der die Schadstoffe filtert, und eine Dusche für die Arbeiter, wenn sie herauskommen. Der Schutzanzug wird gleich mit entsorgt. "Die blickdichte Plane ist eigentlich nur dafür da, damit die Leute keine Angst bekommen, wenn sie unsere Leute im Anzug rumrennen sehen", erklärt Vorarbeiter Jens Schmidt.

Damit bei der Sanierung nichts schief geht, treffen sich jeden Donnerstag Vertreter der Stadt, der GWG, die die Arbeiten betreut, und der Bauleitung zur Besprechung. Das Schadstoffbüro Richardson nimmt regelmäßig Messungen zur PCB-Belastung vor. Ein Sicherheitskoordinator und Abgesandte der Bezirksregierung überwachen die Baustelle zusätzlich. Sie kommen allerdings unangemeldet.

Bis zum Ende der Ferien soll die erste Bauphase abgeschlossen sein. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Die alte graue Fassade wird nicht entfernt, sondern verdeckt: Es wird eine 20 Zentimeter dicke Dämmung angebracht, die wiederum von der neuen Außenwand, die aus farbigen Vorsatzelementen besteht, überbaut wird. "Ich bin auch schon gespannt, wie die karminrote Fassade aussieht, wenn wir fertig sind", gibt Ruda zu. "Aber eins ist sicher: Mit der trüben Optik ist es dann vorbei", hofft er, dass die Schule einen ganz anderen Charakter bekommen wird. 2013 soll dann alles fertig sein. Die fast schon traditionellen Ferienumbauten am Gymnasium sollen dann erstmal ein Ende haben.

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