Wülfrath : Wenn die Umarmung fehlt

Für Menschen mit Behinderungen ist das Tragen einer Maske in der Corona-Pandemie ein langer Lernprozess.

Mit der Corona-Pandemie kam die Isolation. Wochenlang befand sich die Menschheit im „Hausarrest“, soziale Kontakte waren nur noch über digitalem Weg möglich. Dieser Zustand war schon für gesunde Menschen schwer zu verkraften. Umso schwieriger muss die Situation für Menschen mit Behinderungen gewesen sein. Wir haben uns in der Hephata-Wohngruppe an der Wilhelmstraße mit dem stellvertretenden Regionalleiter Dirk Ulland und Teamleiter Daniel Möller getroffen, die sich noch gut an die Anfänge im März erinnern können. „Zu Beginn des Kontaktverbotes war es für viele unserer Kunden ein Schock, nicht mehr ihrem gewohnten Alltag nachgehen zu können“, berichtet Daniel Möller, der gemeinsam mit einem elf-köpfigen Team die Wohngruppe betreut. „Die Werkstätten wurden geschlossen, die Alltagsstruktur war weg. Das war nicht leicht zu erklären.“ Bis auf drei Männer, die in der Wohngruppe leben, konnte der Rest der Bewohner kein Verständnis für das Virus aufbringen.

Gesellschaftsspiele und Malaktionen wurden angeboten

Eine völlige Isolation der gesamten Gruppe war die Folge. „Wir haben die Zeit genutzt, um gemeinsam das Tragen der Masken zu üben“, erklärt Daniel Möller. Ansonsten standen Gesellschaftsspiele, Malaktionen und Gartenangebote hoch im Kurs. Auch wurden Werkstattarbeiten in die Wohngruppen geliefert. Zwei Werkstattmitarbeiter unterstützten zudem das Betreuerteam. „Zunächst herrschte in der Wohngruppe eine Art Urlaubsstimmung, die mit der Zeit aber gewichen ist. Wir konnten schließlich keine Ausflüge anbieten“, so Möller.

Erst mit den ersten Lockerungen waren Spaziergänge möglich. Auch der Besuch beim Lebensmittelmarkt wurde als beliebte Auszeit genutzt, dann mit einer Eins-zu-eins-Betreuung. „Personell mussten wir unter der Woche von zwei auf drei Mitarbeiter aufstocken, damit immer zwei Betreuer vor Ort sind, wenn einer unterwegs ist“, so der Teamleiter, der in dieser Zeit den Zusammenhalt seiner Kollegen zu schätzen gelernt hat. „Ein Großteil von uns arbeitet schon seit den 90er Jahren zusammen und wir waren immer ein tolles Team. In dieser Krise hat sich das wieder einmal bestätigt. Uns kann auch in Zukunft keine Virus-Krise mehr unterkriegen.“ Für Adam Moses, der als Bewohner in der Einrichtung lebt, ist der neue Alltag noch nicht greifbar. „Ich vermisse die Werkstatt“, so der Bewohner, der allerdings keine Probleme damit hat, die Maske zu tragen.

Die Angehörigenarbeit ist wegen des Kontaktverbotes ebenfalls in den Hintergrund gerückt, die Wohneinrichtung war Sperrbereich. „Daher haben wir viel mit den neuen Medien gearbeitet, Videokonferenzen mit Angehörigen gehalten und Fotodokumentationen gemacht“, sagt Dirk Ulland, der diese Erfahrung auch aus anderen Einrichtungen zusammengetragen hat. Immer wieder musste der Träger mit neuen Verordnungen umgehen, Konzepte umschreiben und zeitnah auf Vorgaben reagieren. „Die Kommunikation von politischer Stelle hätte besser sein können...", erinnert sich Ulland. Langsam kehrt ein Stück Normalität in die Einrichtungen ein, der Gang in die Fußgängerzone ist für viele Bewohner wieder möglich. Ein besonderes Dankeschön möchte Daniel Möller noch der verständnisvollen Nachbarschaft aussprechen, die trotz vermehrter Lärmbildung mit Apfelkuchen und selbstgemalten Bildern zur allgemeinen Erheiterung in der Einrichtung beigetragen hat. „Es ist schön, wenn man von der Nachbarschaft akzeptiert wird. Das hat uns alle gefreut.“