Wülfrath : Hoffmann: „Müssen weg von der Sparpolitik“

. „Das Thema Bürgermeisterwahl ist sehr wichtig für Wülfrath, weil es einen Wechsel gibt.“ Der SPD-Fraktionsvorsitzende Manfred Hoffmann eröffnet das WZ-Sommergespräch mit diesem Thema. „Ich habe als Erster im Herbst vergangenen Jahres mit Rainer Ritsche gesprochen.

Er hat damals gesagt, dass er nicht gegen Bürgermeisterin Claudia Panke antritt“, erinnert sich Manfred Hoffmann an die ersten Gespräche. Diese habe er aber intensiviert, als die Bürgermeisterin ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur bekannt gegeben hatte. Im Frühjahr habe es dann abschließende Gespräche gegeben, zusammen mit dem Fraktionsvorsitzendenden der Wülfrather Gruppe, Wolfgang Peetz, die den Kämmerer ebenfalls als Bürgermeister-Kandidaten unterstützt. „Wir haben das nicht im Sinne einer Koalition gemacht, sondern vernunftgeleitet. Wir wollen einen Verwaltungsfachmann, diesen Fachmann“, betont der 72-Jährige. Es gehe aber auch um den Menschen Rainer Ritsche, „den wir zehn Jahre kennen“. Dieser sei eine Persönlichkeit, die in einer schwierigen kommunalpolitischen Situation das „schlingernde Schiff auf Kurs bringen kann“.

Mit Blick auf die Corona-Krise hat Manfred Hoffmann seine Fraktion darauf eingestimmt, dass „wir schwierigen Zeiten entgegengehen“. Aber eine Krise bedeute auch immer die Chance, neue Wege zu beschreiten, alte Zöpfe abzuschneiden. Ein „Weiter so“ dürfe es kommunalpolitisch nicht geben. „Wülfrath sitzt auf einem riesigen Schuldenberg.“ Die SPD begrüße die Forderungen nach einem Schuldenschnitt, die mit Bundesmitteln finanziert werden soll. Die große Koalition habe sich aber leider nicht dazu entschlossen, andere Wege gesucht. „Der Stadt Wülfrath hilft nur ein Schuldenschnitt. Alles andere ist nett, eine kleine Hilfe, aber ein Ergebnis erreichen wir nicht.“

Die SPD wolle jetzt die Themen angehen, die diese Kommune für die Menschen lebenswert macht. Mobilität, Wohnen und Bildungen sind dabei einige der Stichworte. „Wir sind nicht alleine auf der Welt. Wir müssen touristische Angebote weiter ausbauen. Das predige ich seit 20 Jahren“, sagt Manfred Hoffmann. Auch die Kultur liege ihm sehr am Herzen. „Es darf keine Schließung des Zeittunnels oder des Niederbergischen Museums geben“, so sein Credo. Den Gründern der Genossenschaft für den Zeittunnel wünscht er Erfolg, „auch wenn wir den Zeittunnel eigentlich in städtischer Trägerschaft behalten wollten“. Entscheidend sei, dass der Zeittunnel ein nahtouristisches Angebot darstellt. „Das Café läuft prima, die Verknüpfung mit dem Fahrradweg ist sehr gut.“ Er lobt, dass der Rat sich wegen der Corona-Krise dazu entschließen wird, sich nicht zum 31. Dezember komplett zu verabschieden“. „Städtische Gebäude werden nicht verkauft.“ Das ist eine grundsätzliche Position der Sozialdemokraten. Das gilt natürlich auch für das ehemalige VHS-Haus. Daher war innerhalb der SPD schnell klar, dass die Initiative „WIR“ unterstützt wird. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass es erfolgreich laufen wird“, so Manfred Hoffmann. „Diese Initiative zeigt einmal mehr, Kulturtreibende lassen sich auch nach dem Ende der Stadthalle nicht an ihrem Engagement hindern.“

In Sachen Bebauung fordert die SPD die Schließung von Baulücken, etwa am Düsseler Tor, die Bebauung des Sportplatzes Düssel und des Beuteführ-Geländes plus Bunker. Aber: „Es gibt keine politische Absicht, auf absehbare Zeit Düssel-West zu bebauen“, versichert der SPD-Fraktionsvorsitzende. Auch werde die SPD eine Quote für bezahlbaren Wohnraum fordern. „Es wird ja einiges gebaut, aber für Menschen mit einem dicken Geldbeutel.“

Die GWG müsse sagen, was in einer Mischkalkulation möglich ist. „Bei unserer Bevölkerungsstruktur brauchen wir immer wieder neue Wohnungen. Wir müssen verhindern, dass Menschen wegziehen, weil sie nicht den richtigen Wohnraum finden“, betont Hoffmann.

Bei der Gestaltung der Infrastruktur sei es nötig, weg von der Auto-orientierten Innenstadt zu kommen. Im Sinne der CO2-Neutralität und des Klimaschutzes müsse ein Umdenken her. Fußgänger und Fahrradfahrer sollen das Zentrum für sich haben. „Wir können nicht so weitermachen, wie bisher. Klimaschutz hat auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Wülfrath als Industriestandort hat keine Zukunft“, sagt Manfred Hoffmann. Eine Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft böte für Wülfrath die Chance, sich neu aufzustellen. Auch die Kalkindustrie sei endlich, genau wie der Ressourcenverbrauch. „Wir kommen an die Grenzen, was den Umgang mit der Natur angeht“, warnt der Sozialdemokrat, der die Initiative „Fridays for Future“ ausdrücklich lobt.

Auf dem Schulsektor sieht der SPD-Fraktionsvorsitzende langfristig eine Verschmelzung des Gymnasiums mit der Sekundarschule, um diese in eine Gesamtschule umzuwandeln. Die Nachbarstädte Wuppertal, Velbert und Heiligenhaus bieten längst Gesamtschulen an, die auch von Wülfrather Schülern besucht werden. „Das kommt in der nächsten Wahlperiode wahrscheinlich noch nicht zu Stande. Die Widerstände sind noch zu groß. Aber in fünf Jahren kann sich etwas entwickeln“, meint der Sozialdemokrat. Wichtig sei es, alle allgemeinbildende Schulabschlüsse sicherzustellen.

Besonders am Herzen liegt Manfred Hoffmann der Wahlslogan „Jetzt.Machen! Das bedeute, dass die Zeit jetzt reif ist für Veränderungen, auch wegen der Corona-Krise. „Wir müssen weg von der Sparpolitik. Wir brauchen keine Schlafwandler mit der schwarzen Null. Wir müssen die Zukunft jetzt in den Blick nehmen“, betont Manfred Hoffmann. Das heiße freilich nicht, das Geld unsinnig auszugeben. Man müsse es aber in die Hand nehmen, um die Zukunft zu gestalten. „Wir können nicht warten, Wohnungen, Fahrradwege oder andere wichtige Dinge zu realisieren.