Wülfrath : Neue Wege für junge Straffällige

Die Sportanlage am Erbacher Berg wird derzeit von 14- bis 19-Jährigen gesäubert. Das Projekt soll ihnen dabei helfen, ihr Verhalten und ihre Taten zu reflektieren.

„Es ist ein Warnschuss für junge Straffällige.“ So beschreibt Melanie Rohde von der Jugendgerichtshilfe Heiligenhaus das Arbeitsprojekt, das aktuell auf der Sportanlage am Erbacher Berg stattfindet. Noch bis Freitag werden die 14- bis 19-Jährigen aus Wülf­rath, Mettmann und Heiligenhaus Wegfugen von Unkraut befreien sowie Müll aufsammeln und entsorgen. Je nach Delikt sind neun bis 40 Stunden abzuleisten. Der Verein Neue Wege ist seit vielen Jahren Federführend an diesen sozialpädagogischen Projekten beteiligt. „Ziel ist es, einen engeren Kontakt zu den jungen Menschen aufzubauen und so noch intensiver ins Gespräch zu kommen, Verhalten und Taten zu reflektieren und sich Handlungsalternativen klarer zu verdeutlichen“, sagt Melanie Rohde. Die Jugendlichen sind nach ihren Angaben „überwiegend Ersttäter und geben mit dieser Tätigkeit der Gesellschaft etwas zurück.

Die Delikte der jungen Menschen reichen von Schulverweigerung, Beleidigung über Diebstahl, Drogenmissbrauch bis hin zur Körperverletzung. Daher müssen die Betreuer die Gruppen sehr genau aussuchen. „Wenn Jugendliche wegen Körperverletzung und einer geringen Hemmschwelle auffällig geworden sind, können nicht mehrere in einer Gruppe untergebracht werden“, erklärt Melanie Rohde. Eine Konfliktklärung bleibe allerdings auch in dieser Gruppe nicht aus. Für die Schlichtung bei Streitfällen sind die anwesenden Betreuer zuständig, praktisch als verlängerter Arm des Jugendamtes.

„Wir lernen auch die Familiengeschichten kennen und nicht selten zeigt sich, dass die Jugendlichen schlechte Startvoraussetzungen mitbringen“, sagt Melanie Rohde. So sei es auch ein Ziel des Jugendamtes, Hilfen zur Erziehung zu installieren, um den jungen Menschen zu helfen, nicht in eine kriminelle Karriere abzurutschen. Dies klappe mit den Projekten in der Regel recht gut. Diesen Warnschuss, bevor doch Arrest oder gar Haft droht, haben die Jugendlichen offenbar verstanden.

Eine 17-Jährige, die zu dem zehnköpfigen „Reinigungsteam“ gehört, hat nach eigenen Angaben Hausfriedensbruch begangen. Sie hatte sich „an einem Ort aufgehalten, an dem sie nicht sein durfte“, wie die Jugendliche ihr Delikt erklärt. Die Folge: Statt eines Gerichtsverfahrens samt Anklage gab es ein sogenanntes Diversionsverfahren. Dabei wurde ihr letztendlich eine Arbeitsauflage auferlegt. Das war ihr offenbar eine Lehre. „Man fühlt sich schon wie ein Krimineller“, sagt sie. Die 17-Jährige möchte in Zukunft „solchen Sachen aus dem Weg gehen“. Die Arbeit an der Sportanlage ist für sie akzeptabel. „Das ist nicht so schlimm wie ein Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis“, meint sie. Mit Blick auf ihre berufliche Zukunft ist die 17-Jährige froh, dass ihr ein solcher Eintrag erspart geblieben ist. Sie gilt als Ersttäterin, auch dieser Umstand hat wohl dafür gesorgt, dass sie nach der Arbeit am Erbacher Berg erst einmal nichts mehr befürchten muss, wenn sie nichts mehr anstellt.

Schon deutlich kritischer war die Lage einer 19-Jährigen, die sich wegen Diebstahls, Drogenbesitzes und Beleidigung verantworten musste. „Ich habe mir damit den Jugendarrest erspart“, sagt sie nachdenklich. „Ich war schon einmal dort. Danach hat man einen Haftschaden“, erklärt sie ihre Erfahrungen. Dagegen sei es einfach, die Stunden zu absolvieren und die Grünflächen zu pflegen. Sie möchte auch rechtzeitig die Kurve bekommen, bevor Schlimmeres passiert. „Das war für mich ein Schuss vor den Bug, den ich verstanden habe“, versichert die 19-Jährige.