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Wülfrath: Müllgebühren-Vergleich: „Unverschämt und unseriös“

Wülfrath: Müllgebühren-Vergleich: „Unverschämt und unseriös“

Hans-Peter Pfeiffer, Leiter des Tiefbauamtes, ist sauer auf den Bund der Steuerzahler. Dieser hatte Zahlen vorgelegt, wonach die Wülfrather in NRW am meisten zahlen.

Wülfrath. Hans-Peter Pfeiffer ist wütend. Der Tiefbauamtsleiter kocht geradezu. Eine neue Statistik des Bundes für Steuerzahler treibt dem in der Regel sehr sachlichen Verwaltungsmann die Zornesröte ins Gesicht: Wülfrath soll die höchsten Müllgebühren in ganz NRW haben. "Eine Unverschämtheit. Völlig unseriös", kritisiert er die Aufstellung des Steuerzahler-Bundes.

Pfeiffer wirft den Steuer-Wächtern vor, dass sie auf Kosten der Kommunen Schlagzeilen in nachrichtenarmen Zeiten produzieren wollten. "Dabei vergleicht der Bund der Steuerzahler Zahlen, die nicht zu vergleichen sind", so Pfeiffer. Nicht nur Äpfel mit Birnen, sondern "Kirschen mit Kokusnüssen" seien verglichen worden.

Die preiswertesten und teuersten NRW-Städte "bei der regelmäßigen Abfuhr für einen Vier-Personen Haushalt" hat der Bund der Steuerzahler aufgelistet und auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf vorgestellt. Gleich in vier Kategorien präsentierte er Wülfrath als Schlusslicht.

"Die Mühe, bei der Stadt nachzufragen, welche Komponenten in die Gebührenberechnung einfließen, macht sich der Bund der Steuerzahlen natürlich nicht, weil der Aufwand dazu zu groß wäre", sagt Pfeiffer. So werden über die Restmüllgebühr unter anderem auch die Leerung der Papierkörbe im Stadtgebiet und die Subventionierung der Biomüllabfuhr finanziert. "Das ist von Stadt zu Stadt anders", so Pfeiffer.

Was Pfeiffer aber zutiefst verärgert, "sind einfach falsche Zahlen". Zum Beispiel in der Kategorie 50/ 60-Liter Restmüllgefäß, wöchentliche Leerung: Laut Steuerzahlerbund ist Neuss mit 108,50 Euro die preiswerteste Gemeinde, Wülfrath mit 232,33Euro die teuerste. "Diese Gebühr fällt aber für einen Sechs-Personen-Haushalt in Wülfrath an, nicht für einen Vier-Personen-Haushalt", stellt Pfeiffer klar.

Oder zum Beispiel das 240-Liter-Gefäß, für das in Wülfrath als Schlusslicht des Rankings 929 Euro (im Vergleich dazu Bottrop als Primus 406,15 Euro) berechnet werden. "Kein Wort dazu, dass das die Berechnung für 24 Personen ist. So etwas ist schlichtweg unverschämt."

In der Gebührenordnung der Stadt ist nachzulesen, was ein Vier-Personen-Haushalt tatsächlich für eine Mindestausstattung zahlen muss: 154,88 Euro für eine 80-Liter-Tonne, die alle 14 Tage entleert wird - eine Zahl, die beim Bund der Steuerzahler nicht auftaucht. Hans-Peter Pfeiffer zweifelt - eben wegen fehlender Vergleichsmöglichkeiten - das Nutzen dieser Statistiken an: "Wer wirklich vergleichen möchte, muss die Gebühr pro Kopf und Tag herunterbrechen. In Wülfrath ist die Restmüllabfuhr so teuer wie ein Brötchen am Tag - etwa 25 Cent."